Gegen den Eichenprozessionsspinner: Gemeinde und Schüler hängen Nistkästen auf
Anpacken gegen gefährliche Raupen

Rosendahl. Den Grund, warum sie zahlreiche Nistkästen für Vögel im Osterwicker Dorfpark aufhängen, kennen Rahel, Juliane, Olga und Jette genau. „Meisen fressen die Eichenprozessionsspinner“, weiß Rahel aus dem Unterricht. „Denn die sind für uns Menschen gefährlich. Die Raupen haben Brennhaare und die sind für Menschen giftig“, sagt sie.

Samstag, 07.03.2020, 06:00 Uhr
Gegen den Eichenprozessionsspinner: Gemeinde und Schüler hängen Nistkästen auf: Anpacken gegen gefährliche Raupen
Bewaffnet mit Leiter, Vogelhäuschen und Schrauben macht sich die Klasse 3a der Sebastian-Grundschule gemeinsam mit der 3b und dem Heimatverein Osterwick auf den Weg durch den Osterwicker Dorfpark, um die Kästen in den Bäumen anzubringen. Auch die Gemeinde hat insgesamt 120 Häuschen aufgehängt. Foto: Leon Seyock

„Und auch wenn die Raupen irgendwann zu Schmetterlingen werden, können die Brennhaare immer noch durch die Luft fliegen. Davon kann man zum Beispiel starken Ausschlag bekommen“, ergänzt Juliane. Gemeinsam mit ihren Mitschülern aus der Klasse 3a sowie aus der 3b und der Unterstützung des Heimatvereins Osterwick sind die vier Mädchen eifrig damit beschäftigt, rund 20 Nistkästen an den Bäumen im Dorfpark anzubringen – in der Hoffnung, dass sich schon bald zahlreiche Meisen ansiedeln.
Empfangen wurden die Schüler im Dorfpark unter anderem vom Vorsitzenden des Heimatvereins Gregor Deitert. „Wir haben hier viele verschiedene Kästen mit unterschiedlich großen Löchern“, erklärt er den Drittklässlern. Je nach Größe der Vögel sind die Kästen für unterschiedliche Arten geeignet. Doch welche Kästen gehören zu welchem Vogel? Das lässt sich einfach mit einem Zollstock und den Infozetteln zu den Vögeln, die Deitert mitgebracht hat, herausfinden: Schon legen die Kinder Hand an, messen die Löcher aus und sortieren es dem passenden Vogel zu. Sogar einige Kästen für Fledermäuse sind dabei.
Dann schreitet die Gruppe zur Tat: Mit einer Leiter und Schrauben bewaffnet spazieren sie durch den Dorfpark und suchen geeignete Bäume für die Kästen. „Die dürfen allerdings nicht zu nah nebeneinander hängen“, erklärt Deitert, „denn jeder Vogel braucht sein eigenes Revier.“ Viele Eichen, an denen sich die Prozessionsspinner hauptsächlich breitmachen, gibt es im Dorfpark. „Zum Glück haben wir bisher noch keinen Befall im Park gehabt. Mit den Nistkästen möchten wir dem vorbeugen“, so Gregor Deitert. Sehr zur Freude der Kinder, die tatkräftig mithelfen.
Auch der Bauhof hat in den vergangenen Wochen insgesamt 120 Nistkästen im Gemeindegebiet angebracht. „Wir haben die Bausätze erworben, zusammengebaut wurden diese dann von Schülern der Sekundarschule“, sagt Bauhofleiter Stefan Averesch. „Einige Wochen hat das schon gedauert“, berichtet Thomas, der gemeinsam mit einigen Mitschülern aus dem Technikkurs die Kästen gebaut hat. „Wir haben also das Nützliche mit dem Technischen verbunden“, lächelt Bürgermeister Christoph Gottheil, als die Hausmeister den letzten der 120 Kästen auf dem Gelände der Sekundarschule anbringen.
1200 Eichen gebe es in der Gemeinde, „also haben wir rund 10 Prozent der Bäume mit den Kästen ausgestattet“, so Averesch, „innerhalb der Ortschaften etwas dichter.“ Es gebe mehrere Möglichkeiten, die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners zu verhindern, beispielsweise durch Entfernung der einzelnen Nester, „was allerdings sehr aufwendig ist“, so Gottheil, oder durch eine Sprühaktion, so wie sie die Gemeinde im vergangenen Jahr durchgeführt hat. „Mit den Kästen haben wir nun ein gutes Mittel gefunden, mit dem wir schon jetzt vor Ort etwas tun können“, so der Bürgermeister.
„Nistkästen und Meisen sind die umweltfreundlichsten Arten, um die Eichenprozessionsspinner loszuwerden“, weiß auch Paulina, die im Dorfpark nebenan einen Nistkasten in den Händen hält – und ihn Gregor Deitert auf der Leiter anreicht, damit er den Kasten einige Meter hoch am Baum anbringen kann.

Nachrichten-Ticker