Heinrich Backensfeld geht den Panzern mit der weißen Fahne entgegen
Mutiger Bürgermeister rettet Dorf

Holtwick (fw). Stolze 45 Jahre lang stand Heinrich Backensfeld der Gemeinde Holtwick als Bürgermeister vor, von 1924 bis 1969. Die wohl dramatischsten Stunden musste er genau heute vor 75 Jahren überstehen – denn Backensfeld war es wohl zu verdanken, dass das Dorf vor einer vollständigen Zerstörung bewahrt wurde. Das belegt ein von mehreren Zeitzeugen bestätigter Bericht, der 1969 in unserer Zeitung erschienen ist.

Montag, 30.03.2020, 06:48 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 07:00 Uhr
Heinrich Backensfeld geht den Panzern mit der weißen Fahne entgegen: Mutiger Bürgermeister rettet Dorf
Foto: Gemeindearchiv Rosendahl

Wie auch in Osterwick und Darfeld spitzte sich die Lage in der Karwoche 1945 zu, denn die alliierten Truppen rückten immer weiter auf das heutige Rosendahl zu. Die besondere Gefahr für Holtwick: Am Abend des Gründonnerstag traf Oberleutnant Asbeck im Dorf ein und erklärte dem Bürgermeister, mit seinen Leuten den Ort bis zum letzten Mann zu halten – was zu einem heftigen Streit mit Backensfeld führte, denn der war davon überzeugt, dass nicht nur jeder Widerstand zwecklos sei, sondern auch eine totale Zerstörung zur Folge haben werde. Auch der für das Kreisgebiet zuständige Offizier drohte dem Bürgermeister mit Verhaftung, wenn er nicht den Volkssturm zur Verteidigung aufrufe.

Die entscheidenden Stunden trugen sich am Karfreitag, 30. März 1945, zu. Schon früh hatte Oberleutnant Asbeck nach Augenzeugenberichten seine rund 250 Männer für die Panzersperren eingeteilt. Als bereits die ersten heranrollenden Panzer zu hören waren, beschwörte Backensfeld den Oberleutnant erneut, das Dorf kampflos zu übergeben – was dieser strikt ablehnte. Den Berichten nach warf Asbeck mit einer Handgranate nach Backensfeld und erteilte seinen Männern den Befehl, den Bürgermeister zu erschießen. Dieser flüchtete hinter ein Haus und rief, als sich die alliierten Panzer bereits über die Coesfelder Straße näherten, mit lauter Stimme: „Holtwicker, hört auf mein Kommando, weiße Fahnen heraus!“ Asbeck schoss eine Panzerfaust ab, daraufhin setzte starker feindlicher Beschuss ein.

Genau in dieser dramatischen Situation ging Heinrich Backensfeld in höchster Lebensgefahr mit hocherhobener weißer Fahne dem ersten Panzer entgegen und erklärte, dass er als Bürgermeister das Dorf übergeben wolle. Er erklärte, dass er und seine Gemeinde den Frieden wollen und aus der Bevölkerung heraus nicht an Widerstand gedacht sei. Er bat eindringlich um die Bewahrung des Dorfes mit seiner Bevölkerung vor der Vernichtung – was nach dem Kommando des feindlichen Offiziers tatsächlich Wirklichkeit wurde: Das Dorf war gerettet. Die Schreinermeister Gerhard Thies und Josef Bronstering waren die ersten, die nach der Übergabe den Luftschutzkeller verließen. Groß war die Freude, als sie den Bürgermeister gesund, wenn auch sehr bleich und abgespannt, antrafen. 7 Der vollständige Zeitzeugenbericht ist im Buch „Holtwick – Beiträge zur Geschichte und Kultur eines Dorfes“ zu finden. 7 Einen ausführlichen Bericht zum Kriegsende in Osterwick finden Sie auf der Panoramaseite in dieser Ausgabe.

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