Weitere Auswirkungen der Corona-Pandemie in Rosendahl
"Die Vernunft muss siegen"

Rosendahl. Auch wenn ihm dabei selbst das Herz blute, wie er sagt: „Die Vernunft muss siegen“, betont Bürgermeister Christoph Gottheil. Bildlich hat er gestern zu seinem Kalender gegriffen und zahlreiche Veranstaltungen, die bis zum 31. August geplant waren, gestrichen.

Freitag, 17.04.2020, 09:48 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 09:54 Uhr
Weitere Auswirkungen der Corona-Pandemie in Rosendahl: "Die Vernunft muss siegen"
Schrittweise soll ab Donnerstag (23. 4.) an der Sekundarschule der Schulalltag wieder aufgenommen werden. Das betrifft zuerst die Zehntklässler, die vor ihren Abschlussprüfungen stehen. Foto: Archiv

Die Absage von Großveranstaltungen bis Ende August ist eine der Maßnahmen, die Bundesregierung und Ministerpräsidenten der Länder am Mittwochabend bekanntgegeben haben. Die Beschränkung der Kontakte wurde bis einschließlich 3. Mai ausgeweitet, auch die Schulen sollen nach Aussagen des Bundes erst ab dem 4. Mai wieder öffnen. Da die Bildung Angelegenheit der Länder ist, wurde bekannt, dass Nordrhein-Westfalen einen eigenen Weg einschlagen werde. Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmeter sollen ab Montag (20. 4.) unter Auflagen und Hygienekonzepten öffnen dürfen.
„Vor dem Hintergrund der Entwicklung, gerade auch über die Ostertage, sind diese weiter greifenden Maßnahmen definitiv sinnvoll“, beurteilt Christoph Gottheil auf Nachfrage. Er freue sich, dass Bund und Länder gemeinsam einige Kompromisslösungen gefunden hätten. „Schwer im Magen“ liege ihm allerdings, dass die NRW-Landesregierung bei dem Thema Schule einen eigenen Weg geht. „Dazu braucht es klare Ansagen.“ Für alle Beteiligten, seien es Lehrer, Schüler oder Eltern müsse es konkrete Vorgaben geben. Wie kann der Unterricht vorzeitig wieder aufgenommen werden? Welche Hygienemaßnahmen müssen greifen? Können Schulkinder wieder gemeinsam mit dem Bus fahren? „All das muss logistisch geklärt werden“, macht Gottheil deutlich. Dazu wolle man sich als Schulträger zeitnah mit den Schulleitungen in Verbindung setzen. „Dass wir früher starten können, bietet für die Schüler, vor allem für die, die vor ihren Prüfungen stehen, die besten Möglichkeiten“, freut sich Karin Emming, kommissarische Schulleiterin der Sekundarschule Legden Rosendahl darüber, „dass die Landesregierung ihr Wort gehalten hat“ neue Maßnahmen mitzuteilen und nun mit der Schulöffnung früher begonnen werden soll.
Anders als die Öffnungen der Schulen stellt Bürgermeister Gottheil die Regelung für Geschäfte, die bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche öffnen sollen, infrage. „Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.“ Denn seiner Meinung nach könne es auch Vorteile bringen, auch größere Geschäfte, beispielsweise mit 1000 Quadratmetern Fläche, wieder zu öffnen. Denn so könnten sich die Kunden auf der Verkaufsfläche besser verteilen – und die Abstandsregelung gut einhalten. Die Unzufriedenheit, die einige Geschäftsleute über diese Regelung äußern, könne Gottheil deshalb nachvollziehen.
Die Absage aller Großveranstaltungen bis zum 31. August „ist schmerzlich für alle Beteiligten“, kommentiert Gottheil. Davon betroffen sind unter anderem die Schützenvereine – so wird in diesem Jahr in Rosendahl kein Schützenfest stattfinden können. Auch das Kaiserschießen, das für den 16. August geplant war, fällt ins Wasser.

Eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen ist der richtige Weg.

Bürgermeister Christoph Gottheil

Die Bundesregierung kündigte an, die weitere Entwicklung der Pandemie im Blick zu halten und in 14 Tagen neu bewerten zu wollen. „So kann gut nachgesteuert werden. Denn wir sind noch nicht über den Berg“, vermutet Gottheil. Nach wie vor sei immer noch ausschlaggebend, dass das Coronavirus besonders für die Risikogruppe eine Lebensgefahr darstelle. „Es verständlich, dass wir nicht sofort auf die Starttaste drücken können. Eine schrittweise Lockerung ist der richtige Weg“, urteilt der Bürgermeister – „auch wenn ich als Vereinsmensch von den Einschränkungen selbst stark betroffen bin.“

Wiederaufnahme des Unterrichts

Da das Schulwesen in den Händen der Landesregierung liegt, hat man sich in NRW dazu entschieden, die Schulen ab Donnerstag (23. 4.) schrittweise zu öffnen. Wie das Ministerium für Schule und Bildung (MSB) mitteilte, gelte dies ausschließlich für die Schüler, die in diesem Schuljahr Prüfungen zu absolvieren haben. Wie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer am gestrigen Tag äußerte, sollen ab Donnerstag diese Schüler auf freiwilliger Basis ihre Schule besuchen können. Das schrittweise Vorgehen begrüßt Karin Emming, kommissarische Leiterin der Sekundarschule. „Es ist notwendig für die Schule und die Schüler“, sagt sie. Ab Montag soll mit dem Kollegium und dem Schulträger das weitere Vorgehen im Detail abgestimmt werden – unter anderem, welche Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen es braucht und wie diese eingehalten werden können. Für alle anderen Schüler gilt weiterhin das Home-Schooling bis zum 4. Mai. Aufgaben werden regelmäßig ab kommender Woche auf der Internetseite der Sekundarschule hochgeladen. Vorgesehen ist darüber hinaus, so das MSB, den Schulbetrieb an den Grundschulen am 4. Mai vorerst ausschließlich für den vierten Jahrgang wieder aufzunehmen. (lsy)

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Feste und Veranstaltungen

Bis zum 31. August sind bundesweit alle Großveranstaltungen grundsätzlich untersagt. Für Rosendahl bedeutet das, dass unter anderem das Torhaus-Konzert (7. Juni), das Kaiserschießen aller Schützenvereine (16. August) sowie Rock am Gleis (29. August) nicht stattfinden werden. „Das tut weh, da hängt viel Arbeit dran“, kommentiert Peter Brüggemann von der Gemeinde. Die Beteiligten von Rock am Gleis hätten trotz der schon stattgefundenen Vorbereitungen gefasst reagiert. „Im nächsten Jahr geben wir dann richtig Gas“, sagt Brüggemann. Von den am Mittwoch bekanntgegebenen Maßnahmen sind auch alle Schützenvereine in Rosendahl betroffen. „Wir trauern der Absage unseres Festes auf jeden Fall hinterher“, äußerte sich Berthold Deiger, Präsident des Schützenvereins Hegerort, gestern dazu. „Es entsteht aber ein Wir-Gefühl, da alle Schützenvereine ihr Fest absagen müssen.“ Bürgermeister Christoph Gottheil zum Kaiserschießen: „Wir werden mit den Vereinen in Ruhe und mit Bedacht eine neue und gute Lösung finden.“ Das Hauptargument aller Absagen ist, dass es bei den Veranstaltungen nahezu unmöglich ist, den erforderlichen Abstand von 1,5 bis zwei Metern zwischen den einzelnen Besuchern zu gewähren. (lsy)

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Gottesdienste

Unabhängig von Erlassen der Bundes- oder Landesregierung hat das Bistum Münster schon vor Ostern die Regelung festgezurrt, dass Gottesdienste bis einschließlich 1. Mai unter Ausschluss der Öffentlichkeit zelebriert werden. Da für die Kirchengemeinden das Vorgehen in den kommenden Tagen geregelt sei, „war ich von den verkündeten Maßnahmen nicht überrascht“, sagt Dirk Holtmann, Leitender Pfarrer. Weiterhin sollen die Gottesdienste im Internet übertragen werden; zwar nicht mehr täglich, aber nach Möglichkeit an den Sonntagen. (lsy) www.fabianundsebastian.de

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