Auf den Spuren alter Flugzeugteile
Ihm entgeht kein Bodenschatz

Darfeld/Billerbeck. „Zum Glück ist er nicht besonders schwer“, merkt Mathias Graf erleichtert an. In sanften Bewegungen lässt er seinen Metalldetektor über das Feld schwingen. Immer wieder gibt der Sensor Geräusche von sich. Mal etwas höher und schriller, mal etwas dumpfer. „Daran kann man die Art des Metalls im Boden erkennen“, erläutert Graf, der in seinen jungen Jahren Geowissenschaften studiert hat und seiner Leidenschaft mit Herzblut nachgeht.

Samstag, 25.04.2020, 06:00 Uhr
Auf den Spuren alter Flugzeugteile: Ihm entgeht kein Bodenschatz
Der Geologe Mathias Graf ist auf dem Kippenberg bei Darfeld mit seinem Metalldetektor auf der Suche. Gefunden hat er insgesamt rund ein Dutzend Metallstücke, die von einem Flugzeug stammen, das im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle abgestürzt ist. Das Modell zeigt die Art des Flugzeugs. Foto: Leon Seyock

Plötzlich piepst der Sensor laut auf. „Hier muss etwas liegen!“ Mit einem Pointer kann Graf die Lage des Metallstücks zentimetergenau erforschen. Dann greift er zu einer Schaufel und beginnt, den Bodenschatz auszugraben. „Das Geräusch hat schon verraten, dass es sich um Eisen handelt“, grinst der Geologe voller Neugier. Er braucht nur wenige Versuche, und schon ragt ein Teil des Fundstücks aus dem Acker heraus. Schnell gräbt Mathias Graf weiter – und lacht laut. „Wenn das mal kein gutes Omen ist“, sagt er und zieht ein Hufeisen aus dem Loch hervor. „Was für ein schöner Beifang!“
Mathias Graf entgeht kein Bodenschatz. Denn eigentlich ist der Geologe auf dem Gebiet rund um den Kippenberg bei Darfeld unterwegs, um alte Wrackteile eines im Zweiten Weltkrieg abgestürzten Flugzeugs zu finden. „Einmal bin ich bisher hier gewesen“, sagt der 59-Jährige, der in Billerbeck wohnt, und zeigt auf eine Kiste. Rund ein Dutzend noch gut erhaltener, rostfreier Metallteile befinden sich darin. „Die bestehen alle aus Aluminium“, erklärt der Geologe den guten Zustand der Teile, die 75 Jahre lang im Boden schlummerten.
Erfahren hat Graf von dem Flugzeugabsturz durch Aufzeichnungen, die Dr. Karl Herbsthoff, der damalige Amtsdirektor von Osterwick, im Zweiten Weltkrieg gemacht hat. „In einem Bericht erläutert er, dass genau an dieser Stelle im Dezember 1944 ein Flugzeug abgestürzt sein muss“, sagt Mathias Graf.
Mit seinem Metalldetektor hat sich der Geologe daraufhin auf den Weg gemacht. „Ich wusste erst nicht, wo genau die Stelle sein soll. Das haben mir dann die Landwirte von den umliegenden Höfen erklärt.“

Und dann sehe ich das metallische Glänzen in meinen Augen.

Mathias Graf

Das Hufeisen im Eimer verstaut und das Loch wieder zugeschaufelt, geht es weiter. Wieder lässt Mathias Graf den Sensor rund zehn Zentimeter über dem Boden hin- und herschwingen. Immer mal wieder piepst es kurz auf. „Auch auf Steine reagiert er manchmal“, sagt er lachend. Metall rufe im Boden eine Anomalie, eine Unregelmäßigkeit, hervor – und Steine eben auch manchmal. Doch der Billerbecker weiß ganz genau, wann es sich lohnt, den Boden aufzubuddeln. „Im Gelände fühle ich mich am wohlsten. Ich kann dabei einfach abschalten“, sagt Graf, während er den Detektor weiter schwingt. „Und dann sehe ich das metallische Glänzen in meinen Augen.“ Vor einiger Zeit war er in Nottuln unterwegs, um sich auch dort auf die Suche nach Teilen eines abgestürzten Flugzeugs zu begeben. „Dann kam ein Zeitzeuge vorbei und hat mir erzählt, wie er damals den Absturz gesehen hat. Das war beeindruckend“, berichtet Graf von der Begegnung.
Wieder gibt der Sensor laute, regelmäßige Töne von sich. „Das ist gerade das Schöne: Man läuft durch die Landschaft und plötzlich piepst es“, sagt er noch, ortet das Metallstück genau und beginnt zu graben. Auch an dieser Stelle muss er nicht tief buddeln, bis die erste Spitze zum Vorschein kommt. Trotzdem sitzt sein Fund noch fest im Boden. „Da hängt jetzt das ganze Flugzeug dran“, scherzt Graf und lacht herzhaft. Auch wenn dem nicht so ist – interessant ist der zweite Fund am heutigen Tag allemal. Graf hält ein etwas massiveres Metallstück in den Händen. „Das muss vom Rumpf des Flugzeugs stammen“, urteilt er nach genauer Betrachtung des noch gut erhaltenen Stücks. Vielleicht lässt sich nach der Säuberung sogar eine Seriennummer an dem Schraubenkopf erkennen, hofft Mathias Graf.
Vom Kippenberg aus kann er seinen Blick an diesem klaren Tag über die weite Landschaft schweifen lassen. „Dort hinten wird mein nächstes Ziel sein“, sagt Graf und deutet in Richtung Höpingen. „Auch dort muss im Zweiten Weltkrieg ein Flugzeug abgestürzt sein.“
Alle Flugzeugteile, die der Geologe auf den umliegenden Feldern findet, sollen später gesammelt im Autohaus Voss in Darfeld ausgestellt werden. Dazu hat sich der Billerbecker auch ein Modell des abgestürzten Flugzeugs des Typs Me 109 zugelegt, das auch in der Vitrine Platz finden soll.
Mit Detektor, Eimer und Schaufel macht sich der Geologe wieder auf den Rückweg zu seinem Auto. „Und was ich mit dem Hufeisen mache, weiß ich auch schon ganz genau“, sagt er, während er sich seinem alten Käfer, Baujahr 1951, nähert. „Das schraube ich an.“

Nachrichten-Ticker