Die Corona-Pandemie in den französischen Partnergemeinden
„Man verliert schon mal das Zeitgefühl“

Rosendahl/Entrammes. Als „Beginn einer neuen Etappe“ kündigte Frankreichs Regierungspräsident Emmanuel Macron den 11. Mai an. Ab diesem Tag sollen etwa Schulen und Kindergärten wieder öffnen, gab er in einer Fernsehansprache bekannt. Seit dem 17. März gilt im Nachbarland außerdem eine Ausgangssperre, von der auch die Mitglieder der Partnerschaft in den französischen Gemeinden von Rosendahl, Entrammes, Forcé und Parné sur Roc, betroffen sind. Monika Klein, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, berichtet vom Austausch über das aktuelle Leben in Frankreich.

Mittwoch, 29.04.2020, 06:00 Uhr
Die Corona-Pandemie in den französischen Partnergemeinden: „Man verliert schon mal das Zeitgefühl“
In Frankreich herrscht seit dem 17. März eine Ausgangssperre. Auch die Einwohner der Partnergemeinden Rosendahls – Entrammes, Forcé, Parné sur Roc – dürfen sich von ihrem Haus maximal einen Kilometer, nur für eine Stunde und mit Mundschutz entfernen. Foto: Comité de Jumelage

„Wenn du Rentner bist, kannst du nur nach draußen, um einkaufen zu gehen“, berichtet die 66-jährige Janine. Dazu müsse jeder eine schriftliche Ermächtigung mit sich führen, auf dem das Datum und die Uhrzeit des Ausgangs vermerkt ist. Zudem sei in Entrammes das Betreten der Wanderwege und Wälder seit einer Woche verboten. „Ich bin damit nicht einverstanden, weil es ungefährlicher ist, sich im Außenbereich aufzuhalten als in der Stadt“, urteilt Sylvie (57). „Wir haben aber keine Wahl“, ergänzt Janine. Die Maßnahmen würden aus gesundheitlichen Gründen greifen und weil es nicht die Mittel gebe, eine große Anzahl kranker Menschen in Krankenhäusern zu behandeln. „Angesichts der Angst, die Krankheit zu bekommen und zu übertragen, akzeptieren wir die Beschränkung“, merkt Janine an.
Wer seine Wohnung verlässt, darf sich draußen maximal für eine Stunde und nur einen Kilometer von seinem Haus entfernt aufhalten. „Wir sind natürlich viel zu Hause“, beschreibt Janine ihren Alltag. „Ich lese auch viel. Wir können uns virtuell Bücher mit der Leihbibliothek ausleihen. Das ist schön, weil auch die Büchereien geschlossen sind. Einmal pro Woche haben wir mit den Kindern und Enkelkindern eine Videokonferenz“, berichtet sie.
Da auch die Schulen seit mehreren Wochen geschlossen sind, sind die Kinder und Jugendliche wie in Deutschland zum Home-Schooling angehalten.

Seit Beginn der Ausgangssperre habe ich unser Haus in Forcé nicht mehr verlassen.

Hortense (13)

„Für mich als Schülerin sind die Tage echt lang. Ich stehe um 8 Uhr auf und mache meine Schulaufgaben, um nicht komplett den bisherigen Zeitplan aus Schulzeiten zu verlieren“, berichtet die 13-jährige Hortense. „Seit Beginn der Ausgangssperre habe ich unser Haus in Forcé nicht mehr verlassen. Ich kann es kaum erwarten, wieder rauszugehen“, freut sich die Schülerin auf Lockerungen. Ein weiteres Problem, das Bernadette (69) erwähnt: „Man verliert schon mal das Zeitgefühl und jeder Tag ähnelt dem anderen.“
Ursprünglich haben die Franzosen auf ein Ende der Ausgangssperre, die seit dem 17. März gilt, im April gehofft – die dann aber um vier Wochen verlängert wurde. „Ich halte die Atmosphäre im Land für zwiegespalten. Wenn man in einer kleinen Wohnung ohne Balkon lebt, ist es schwer auszuhalten. Mit Haus und Garten lebt es sich leichter. Der 11. Mai ist bisher nur ein Datum und leider glaube ich, dass sich die Ausgangssperre noch einige Zeit verlängern wird“, vermutet Stéphanie (46).
Besonders vermisst werden die fehlenden Besuche von Familie und Freunden. „Schade ist auch, dass wir das 50. Jubiläum der Partnerschaft nicht zusammen feiern können“, sagt Hélène (50). Und was sie – neben Besuchen – nach Ende der Ausgangssperre machen wird, weiß sie genau: „Mir die Haare schneiden lassen“, sagt Hélène. „Der Termin für den 11. Mai steht.“

Zwei Fragen an Annette Chesnel (Bürgermeisterin in Forcé)

Am 15. März fand in ganz Frankreich die erste Runde der Kommunalwahlen statt. Wie lief das in Zeiten von Corona ab?

Annette Chesnel: Dieser erste Wahltermin fand regulär statt, in Coronazeiten schon unter besonderen Schutzvorkehrungen. Die zweite Runde mit gegebenenfalls nötigen Stichwahlen konnte bisher noch nicht stattfinden. In Entrammes, Forcé und Parné sur Roc kommt es dazu aber ohnehin nicht, da sich in allen drei Gemeinden nur eine Liste aufstellen ließ, die auch gewählt wurde. In Entrammes ist Jérôme Allaire neuer Bürgermeister und in Parné David Cardoso. Ich wurde als Bürgermeisterin in Forcé wiedergewählt.

Haben Sie und Ihre Amtskollegen die Geschäfte schon (wieder)aufnehmen können?

Chesnel: Aufgrund der Coronakrise und der in Frankreich verhängten Ausgangssperre konnten die neuen Bürgermeister noch nicht offiziell in ihr Amt eingeführt und tätig werden. Das passiert voraussichtlich erst im Juni. Das bedeutet nun, dass zur Zeit noch die bisherigen Bürgermeister im Amt sind und voll entscheidungsberechtigt sind, aber natürlich werden die neuen Bürgermeister in die Arbeit involviert und konsultiert. Aktuell stehen aber ohnehin keine wichtigen Entscheidungen an, da in Frankreich alles auf Eis gelegt ist und als zentral regierter Staat die essentiellen Weichenstellungen aus Paris kommen. Die müssen in den einzelnen Kommunen umgesetzt werden.

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