Situation des Eichenprozessionsspinners
Auch für Bäume eine Gefahr

Rosendahl. Ob die Maßnahme Früchte getragen hat, das könne zwar erst im Winter festgestellt werden – es sieht aber ganz danach aus. „In diesem Jahr ist es in Rosendahl ruhig um den Eichenprozessionsspinner“, sagt Stefan Averesch, Leiter des gemeindlichen Bauhofs. Im Februar haben er und seine Kollegen 120 Nistkästen für Meisen an den Eichen in der Gemeinde angebracht. Denn die Raupe des Eichenprozessionsspinners gehört zu der natürlichen Nahrung der Meise.

Montag, 13.07.2020, 06:03 Uhr
Situation des Eichenprozessionsspinners: Auch für Bäume eine Gefahr
Foto: az

Durch Anbringung der Kästen beabsichtigte der Bauhof, mehr Meisen im Gemeindegebiet ansiedeln zu können – die dann wiederum die Raupen fressen. „Bereits kurz nachdem wir die Meisenkästen aufgehängt haben, konnten wir regen Flugverkehr beobachten“, berichtet Averesch. „Das ist erfreulich, nur leider war das sehr früh zu Ende.“ Das könne zum einen daran liegen, so vermutet Averesch, dass die Meisen in diesem Jahr sehr früh gebrütet hätten oder aber dass die Vögel von einem Bakterium – das besonders bei Blaumeisen eine Entzündung der Lunge hervorruft – betroffen waren. Inwieweit die Nistkästen und die Meisen ihre Arbeit geleistet haben, wird der Bauhof im Winter feststellen können: „Dann werden wir die Kästen reinigen und sehen, welche genutzt wurden.“

Dennoch war der Bauhof vor einigen Wochen unterwegs, um rechtzeitig Schritte gegen bestehende Nester zu unternehmen. Mit Bioziden wurden diese behandelt. Schon im vergangenen Jahr wurde das Mittel, „das nur den Eichenprozessionsspinner und Artverwandte“ schädigt, eingesetzt. Zurückblickend mit Erfolg: „Wenn zwischen 70 und 90 Prozent der Tiere einer Prozession durch die Behandlung unschädlich gemacht werden, kann man von einem Erfolg sprechen“, informiert Averesch. In diesem Jahr, so schätzt er, läge der Erfolg des Einsatzes bei rund 90 Prozent, im letzten Jahr bei etwa 70.

Trotzdem, so der Bauhofleiter, bereite der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr bislang weniger Probleme als in den Jahren zuvor. „Rund 20 Gespinste mussten wir bisher entfernen“, erläutert Averesch. Das seien einige weniger als im vergangenen Jahr gewesen. Besonderes Augenmerk legen die Mitarbeiter des Bauhofs dabei auf belebte Plätze wie Schulen und Kindergärten. Auch an einem Spielplatz musste ein Gespinst entfernt werden, dabei habe es sich allerdings um eine kleinere Prozession von rund 15 bis 18 Tieren gehandelt.

„Wichtig ist, dass die Eichenprozessionsspinner noch vor Erreichen des dritten Larvenstadiums behandelt werden“, betont Stefan Averesch. Denn in diesem bilden die Raupen die Brennhaare aus, die durch die Luft fliegen und für Mensch und Tier gefährlich werden können. Laut Auskunft des Naturschutzbundes passiert dies im Monat Mai. Aktuell befinden sich die Eichenprozessionsspinner im sechsten und letzten Stadium – sie haben sich verpuppt und in einigen Wochen, im August, schlüpfen die Falter.

Doch nicht alle Nester, die der Bauhof neben Meldungen aus der Bevölkerung auch stichpunktartig findet, werden behandelt. „Wir prüfen immer, ob von dem jeweiligen Nest eine Gefahr ausgeht“, gibt Averesch einen Einblick in die Arbeit. Ist dies der Fall – etwa an belebten Orten – wird eine Fachfirma mit der Beseitigung beauftragt. „Handelt es sich aber um ein kleines Nest oder hängt es weit oben im Baum, dann lassen wird es dort.“ Die Gefahr durch fliegende Brennhaare sei aber nach wie vor gegeben, betont Averesch und appelliert, sich nicht in der Nähe von Nestern aufzuhalten.

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