Björn Schlüter aus Holtwick hat an Neuauflage eines 37 Jahre alten Liedes mitgewirkt
Mit feinen Ohren zum Sommerhit

Holtwick. Ohne Zweifel ist dieser Sommer ein besonderer. Ein Sommer, in dem Abstand halten das höchste Gebot ist. Ein Sommer, in dem Reisen nur eingeschränkt möglich ist – und Aufheiterung ein wichtiges Gut ist. Das jedenfalls dachte sich die Band „Kennt kein Schwein“, die in dieser Corona-geplagten Zeit für Freude und Lebensmut sorgen will.

Dienstag, 14.07.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.07.2020, 14:46 Uhr
Björn Schlüter aus Holtwick hat an Neuauflage eines 37 Jahre alten Liedes mitgewirkt: Mit feinen Ohren zum Sommerhit
Für den letzten Feinschliff an einer Neuauflage des Rock-Hits „St. Tropez am Baggersee“ sorgte Björn Schlüter in seinem Studio in Holtwick. Vor 37 Jahren feierte die Band Rodgau Monotones mit diesem Song einen Erfolg. Jetzt wurde er in einem Non-Profit-Projekt umgedichtet und neu aufgenommen und soll vor allem Freude und Lebensmut in der Corona-Krise schenken. Foto: 25pictures

So manchem schwirren vielleicht noch die Zeilen durch den Kopf, wenn man an den Song „St. Tropez am Baggersee“ denkt. Produziert von Rodgau Monotones war das Lied vor 37 Jahren ein echter Hit. Jetzt hat sich die Band „Kennt kein Schwein“ diesen Song angenommen und eine neue Version, passend zu diesem Sommer, daraus gemacht – quasi als ein „gesellschaftlichen Antidepressivum“, heißt es. Auch Björn Schlüter aus Holtwick war bei der Realisierung des Non-Profit-Projektes beteiligt.
Die Idee zu dem gesamten Projekt hatte das Bandmitglied Dr. med. Marco Ramadani. Er arbeitet als Arzt in Neu-Ulm. Dort hilft Ramadani Menschen dabei, in emotional fordernden Situationen psychisch gesund zu bleiben – was angesichts des Infektionsgeschehens in den vergangenen Monaten nicht immer einfach gewesen sei. Er machte sich viele Sorgen, auch um die gesamte Gesellschaft: „Wir brauchen wieder positive Impulse, die uns helfen mit dieser Zeit besser umgehen zu können“, sagt Dr. Ramadani. Er erinnerte sich direkt an einen Song aus seiner Jugend – „St. Tropez am Baggersee“. Auf seinem Weg von der Arbeit nach Hause schrieb er den Text des Songs direkt im Kopf um, sodass er für den Sommer 2020 Lust und Laune macht – auf einen Sommer zuhause, auf Baggerseen, Camping, Fahrradtouren, auf Freibäder und Wasserschlachten – eben auf Urlaub, wie es ihn vor 30 Jahren gab und für den man nicht nach St. Tropez oder bis ans andere Ende der Welt reisen muss.
Schnell kam der Stein ins Rollen. Nachdem der Text fertig war, hat die Band „Kennt kein Schwein“ die Rodgau Monotones kontaktiert. Der Sänger Peter Osterwold und seine Bandkollegen seien sofort von dem Projekt begeistert gewesen – und die Rodgau Monotones gaben „St. Tropez am Baggersee“ für das Re-Make frei.
Die Band nahm also den Song auf, auch ein Musikvideo wurde gedreht. Mit im Boot saß auch Jonas Wagner, gebürtig aus Coesfeld, der heute in Münster wohnt und für die Produktion und den Mix von der Neuauflage von „St. Tropez am Baggersee“ verantwortlich war. Den anschließenden Feinschliff hat schließlich der Holtwicker Björn Schlüter gegeben. Als Selbstständiger hat sich Schlüter auf das Mastering spezialisiert – das heißt, er passt Songs mit seinen feinen Ohren an und sorgt so für eine optimale Qualität. Den Klang, die Balance, den Bass anpassen und kleine Fehler im Mix beheben zählen zu seinen Aufgaben.
Ende Mai hat er die neue Version von „St. Tropez am Baggersee“ zugespielt bekommen und schon kurze Zeit später war der Rock-Song „mit dem Sahnehäubchen oben drauf“, wie Schlüter es selbst beschreibt, fertig.
„Das Original kannte ich vorher gar nicht“, gibt Björn Schlüter zu, der selbst erst 28 Jahre alt und damit jünger als das Lied ist. Als der Holtwicker aber angefragt wurde, ob er bei diesem Projekt, bei dem alle Beteiligten ehrenamtlich agieren, dabei sein möchte, musste er nicht lange überlegen. „Das war ein unterstützenswertes Projekt, da es nicht auf Profit aus war, sondern einfach den Menschen gute Laune schenken will“, sagt er. Der Song sei darauf gemünzt, zu zeigen, dass auch Deutschland schöne Ecken hat und man auch Urlaub vor der Haustür machen kann – und in diesem besonderen Sommer geht die Reise nun mal zum Baggersee anstatt nach St. Tropez.

Zur Person von Björn Schlüter

Musik war schon immer ein Teil im Leben von Björn Schlüter. Geboren und aufgewachsen ist der heutige Holtwicker im Sauerland. Mit vier Jahren erlernte er das erste Instrument – Schlagzeug. Später kam auch das Keyboard dazu und mit 13 Jahren gründete er seine erste Band. Wenig später sollten die ersten Songs aufgenommen werden. Schlüter war von Anfang an derjenige, der sich am meisten mit Aufnahmegeräten und der Tontechnik auseinandergesetzt hat. Nach seinem Abitur hat Schlüter zunächst als Berufsmusiker in einem Orchester gearbeitet, die Tontechnik hat ihn aber immer weiter als Hobby begleitet. Dieses Hobby wurde im Laufe der Zeit immer größer, „es hat sich von alleine entwickelt“, sagt Björn Schlüter, der zuerst nach Telgte und dann wegen Kontakten nach Holtwick gezogen ist. Besonders buchten Kunden das Mastering bei ihm – daraufhin hat er sich auf dieses Themenfeld spezialisiert. Seit 2019 ist er als Mastering-Engineer selbstständig. Vor allem internationale Kunden bedient er und unterzieht den vorgelegten Versionen eine Qualitätskontrolle. „Morgens gebe ich einem Rap-Song aus der Schweiz den letzten Schliff und mittags bearbeite ich einen Rock-Song aus den USA“, schätzt Schlüter die Abwechslung in seinem Job.  -lsy-

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