Statistik der Pfarrgemeinde Ss. Fabian und Sebastian
Deutlicher Anstieg der Kirchenaustritte

Rosendahl. Auch wenn er gewiss jeden Austritt aus der Kirchengemeinde bedauere: „Besonders wichtig ist mir, dass ich diese Person nicht anders achte, als ich es vorher getan habe“, sagt Dirk Holtmann, Leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde Ss. Fabian und Sebastian Rosendahl. Die Gründe für einen Kirchenaustritt seien von Person zu Person verschieden. Wenn Katholiken der Kirche formal den Rücken kehren, müssen die Gründe dafür allerdings nicht angegeben werden.

Mittwoch, 15.07.2020, 06:00 Uhr
Statistik der Pfarrgemeinde Ss. Fabian und Sebastian: Deutlicher Anstieg der Kirchenaustritte
Die Anzahl der Kirchenaustritte hat mit 44 im vergangenen Jahr (2018: 18) deutlich zugenommen. Das ergibt ein Blick in die aktuelle Statistik der Pfarrgemeinde Ss. Fabian und Sebastian Rosendahl. Allerdings gibt es auch erfreuliche Trends. Foto: Archiv

Ein Blick in die aktuelle Statistik zeigt, dass im vergangenen Jahr in Rosendahl 44 Personen die Pfarrgemeinde verlassen haben, 2018 waren es 18. „Das ist eine sehr persönliche Entscheidung und meist ein langer Prozess“, beschreibt Holtmann, dass es oft keine Entscheidung innerhalb einer kurzen Zeit ist, denn: „Wenn man 30 Jahre lang nicht die Kirche besucht hat, entscheiden sich manche Leute dann dafür, aus der Gemeinde auszutreten.“ Das könne unter anderem aus steuerlichen Vorteilen sein, „mit Sicherheit spielen aber auch die Skandale eine Rolle. Das möchte ich nicht ausschließen“, so Holtmann. Im laufenden Kalenderjahr sind bisher elf Rosendahler aus der Kirche ausgetreten, in 2019 waren es bis zum Juli 25. Damit verzeichnet die Pfarrgemeinde bislang nur rund halb so viele Austritte, – verglichen mit dem Zwischenstand 2019. Aktuell umfasst die Kirchengemeinde 8440 Mitglieder.
Häufig werden die Gründe für einen Kirchenaustritt erst Thema bei Gesprächen, wenn Personen wieder in die Kirche eintreten möchten. Im vergangenen Jahr waren das vier Personen, 2018 niemand. Der Leitende Pfarrer frage in der Regel nicht, warum die Kirche vorher verlassen wurde. „Viele wollen es aber von sich aus erklären“, berichtet Dirk Holtmann.
Grundsätzlich, erläutert er weiter, habe er feststellen können, dass die Gläubigen vor Ort mit der seelsorgerischen Arbeit zufrieden seien. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt und spielt eine große Rolle.“ So habe er sich beispielsweise gefreut, dass jetzt einige Schützenvereine ihre Schützenmessen „als Zeichen der Gemeinschaft“ gefeiert hätten, obwohl das Fest nicht stattfinden konnte. „Das ist nicht selbstverständlich“, weiß Holtmann. Auch Angebote für Familien und Kinder, etwa spezielle Gottesdienste, die Messdienerarbeit oder Aktionen wie die „Kirchenmaus“ würden sehr gut angenommen. „Ich wäre doch sehr enttäuscht, wenn ein Kirchenaustritt in unserer Arbeit begründet wäre“, sagt Holtmann. „Die Arbeit muss ansprechend sein, und den Eindruck habe ich.“
Fest macht er dies auch an den Zahlen der Erstkommunionen, die in der Gemeinde gefeiert wurden. 2018 waren es 87, im vergangenen Jahr 75. Auch wenn es in 2019 einige Feiern weniger waren: „Nahezu 100 Prozent der Kinder im entsprechenden Alter haben die Erstkommunion gefeiert“, freut sich Holtmann. Ähnlich habe es sich mit den Firmungen verhalten: 2018 wurde 118 Personen die Firmung gespendet, 2019 waren es 62 Personen. „Dieser Jahrgang war deutlich kleiner als im Jahr zuvor“, erklärt Holtmann.
Auch über eine weitere Entwicklung, die nun schon seit einigen Jahren anhalte, freut sich Dirk Holtmann: „Die Zahlen der Taufen sind weiterhin höher als die der Beerdigungen.“ 2019 wurden in den Rosendahler Pfarrkirchen insgesamt 116 Kinder getauft (2018: 94), Bestattungen wurden 105 (2018: 82) vorgenommen.
Die Anzahl der Trauungen ist mit 27 in den vergangenen beiden Jahren gleich geblieben. „In diesem Jahr“, erläutert Holtmann, „werden die Zahlen durch Corona niedriger ausfallen. Allerdings liegen uns bis jetzt schon 26 Anmeldungen für kirchliche Trauungen für das Jahr 2021 vor.“

Übertragung der Gottesdienste

Prägend seien besonders die vergangenen Wochen gewesen. Wegen des Corona-Virus konnten wochenlang keine Gottesdienste mit Gläubigen gefeiert werden, blickt Dirk Holtmann zurück. Als Alternative hat die Kirchengemeinde mit Beginn der Karwoche eine Live-Übertragung der Gottesdienste, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert wurden, angeboten. Auch diese Zahlen liegen der Kirchengemeinde jetzt vor. So waren der Messe in der Osternacht 480 Endgeräte live zugeschaltet. Auch zu späteren Zeitpunkten können die Videos abgerufen werden – das der Osternacht habe bislang rund 4000 Aufrufe verzeichnet. Ähnlich sind die Zahlen von dem Gottesdienst an Ostersonntag: Live zugeschaltet waren rund 470 Geräte, bislang aufgerufen wurde dieses Video 4300 Mal. „Wie viele Personen, beispielsweise auch im Seniorenheim, hinter den Bildschirmen sitzen, wissen wir nicht. Dennoch freue ich mich über die guten Zahlen“, erläutert Dirk Holtmann. Da nur die zugeschalteten Geräte gezählt werden können, könnte die Zahl der Personen, die die Gottesdienste live verfolgen, deutlich höher liegen. Auch nach Ostern wurden einige Gottesdienste im Internet übertragen, die Zahl der live zugeschalteten Geräte pendele sich bei 120 bis 180 ein, nachträglich würden die Messen – je nachdem, ob es ein Feiertag war – zwischen 350 und 650 Mal aufgerufen.   -lsy-

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