Ein Rundgang durch das historische Asbeck
Wo die Geschichte zum Leben erwacht

Asbeck/Rosendahl. Langsam und mit einem leichten Plätschern fließt das Wasser von einem Bachlauf in den Dorfteich. Mehrere Meter lang ist der künstlich angelegte Lauf. An diesem sonnigen Morgen blitzt das Wasser in den Sonnenstrahlen auf. Aus dem Dorfteich ragen grüne Farne und weitere Pflanzen, eine große Weide steht am Rand des Teiches. „Der Baum muss eigentlich mal wieder geschnitten werden“, merkt Bernhard Laukötter an und lacht. Aber nicht an diesem warmen Sommermorgen – spendet er doch für die Bänke, die unter dem Baum stehen, kühlen Schatten.

Samstag, 18.07.2020, 06:00 Uhr
Ein Rundgang durch das historische Asbeck: Wo die Geschichte zum Leben erwacht
Die neu gestaltete Anlage am Dorfteich in Asbeck lädt zum Verweilen ein. Dort ist der Startpunkt für die Skulpturen-Route, die unter anderem vom Heimatverein Asbeck unter Vorsitz von Bernhard Laukötter vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Die „Skulptura“ führt unter anderem vorbei an das romanische und historisch bedeutsame Dormitorium neben der Kirche. Verschiedene feste und wechselnde Skulpturen können auf der 3,5 Kilometer langen Route entdeckt werden. Foto: Leon Seyock

Von Hektik ist weit und breit keine Spur. Mitten in dem Legdener Ortsteil Asbeck liegt der Dorfteich. Erst vor zwei Jahren wurde die gesamte Anlage neu gestaltet, erzählt Laukötter. Er ist der Erste Vorsitzende des Heimatvereins Asbeck und kennt den 1300-Seelen-Ort so gut wie kein anderer. Eine flache Treppe führt zum Wasser hin, saftige Wiesen laden dort zum Picknicken ein und auch Fahrradständer und eine Ladestation für E-Bikes sind vorhanden.
Der Teich bildet den Startpunkt für eine rund 3,5 Kilometer lange Skulpturen-Route. Die „Skulptura“, ein geführter Spazierrundweg durch und um Asbeck, wurde ebenfalls 2018 entwickelt. „Wir laden Besucher ein, diesen Rundweg zu gehen. Er führt vorbei an kulturellen Orten wie die Stiftsmühle, an Denkmälern und historisch bedeutsamen Orten“, erklärt Bernhard Laukötter. Als Ergänzung dazu können teils feste, teils wechselnde Skulpturen entlang der Route entdeckt werden.
Direkt an der Dorfteich-Anlage fällt die erste Skulptur ins Auge: „Long Double Nudes“, direkt nebenan thront „Ritter Bruno“. Es scheint, als halte er Ausschau und wolle die Besucher Asbecks im Fall der Fälle beschützen. Die Route führt in den Außenbereich, vorbei am Naturdenkmal „Dicke Linde“ und am „Haus Asbeck“. An nahezu jeder Station laden Bänke zum Verweilen ein. Insgesamt sechs Stationen, so können Radwanderer es dem entsprechenden Flyer entnehmen, sind für wechselnde Skulpturen angedacht. Ein fester Bestandteil der Route aber ist unter anderem eine weitläufige Streuobstwiese am Ortsrand. Dort kann ein großes Wildbienenhotel entdeckt werden. Die weitere Umgebung und schließlich das Ortseingangsschild sowie die Gedenkstätte für Weltkriegsopfer passiert, lädt die Stiftsmühle zu einer Rast ein, auch dort sind Skulpturen angebracht. Neben einem kleinen Fachwerk-Häuschen, „das wir für Anlässe wie Sektempfänge nutzen“, berichtet Bernhard Laukötter, gibt es dort ein funktionierendes Wasserrad. „Selbstverständlich ist das nur mit Wasser und nicht elektrisch angetrieben“, betont Laukötter und schaut von einer kleinen Brücke herunter auf das Rad.
Von der Mühle aus sind es nun nur noch wenige Meter bis zur St.-Margareta-Kirche und zum angrenzenden Dormitorium. Besucher passieren auf dem Weg dorthin durch eine ursprüngliche Gasse unter anderem eine denkmalgeschützte und sehenswerte Telefonzelle und eine alte Zapfsäule.
Am Dormitorium scheint die Geschichte schließlich lebendig zu werden. „Im Jahr 1173 ließ der Bischof Hermann von Katzenelnbogen eine bedeutsame Klosteranlage errichten“, schildert Bernhard Laukötter. „Das gesamte historische Dorf, das wir heute vorfinden, war damals Kloster.“ Bei diesem habe es sich um ein reines Damen-Kloster gehandelt, in dem nur Frauen aufgenommen wurden, die mindestens 16 adelige Verwandte nachweisen konnten. „Das Kloster“, berichtet Laukötter, „war damals sehr vermögend.“ Das bezeugt auch ein Blick in das angrenzende Stiftsmuseum, das jeden Samstag und Sonntag geöffnet ist. Mittelalterliche liturgische Geräte, wertvolle Figuren, Gegenstände aus dem Alltagsleben der adeligen Damen sowie Bücher und Kartenmaterial befinden sich auf zwei Etagen des ehemaligen Klostergebäudes. „Wir stehen hier im damaligen Schlafsaal“, merkt Laukötter an, während er mit Herzblut und voller Freude die Ausstellungsstücke erläutert.
Das Kloster habe bis zum Jahr 1811 bestanden. Da Asbeck die Weltkriege ohne größere Schäden erlebt habe, „ist viel von der Bausubstanz erhalten geblieben“, freut sich Laukötter. Fassaden, Fenster in romanischem Baustil, alte Klostermauern oder die St.-Margareta-Kirche, an der der Rundweg der „Skulptura“ endet: An vielen Örtlichkeiten scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Geschichte wird in Asbeck so lebendig wie nirgendwo.

Das Dormitorium

Ein besonderer Hingucker ist die zweigeschossige Kreuzgang-Galerie am Dormitorium in romanischem Baustil. Die Galerie, die damals doppelt so lang war und wenige Meter versetzt stand, wurde 1862 abgebaut und in die Fassade des Diözesanmuseums am Domplatz in Münster integriert. Doch bereits im Jahr 1966 wurde das Gebäude am Domplatz wieder abgetragen und ein Großteil der romanischen Säulen konnte für eine Rückführung nach Asbeck sichergestellt werden. Der Wiederaufbau erfolgte 2005. Angrenzend an die Kreuzgang-Galerie befindet sich das Stiftsmuseum sowie ein uriger Raum, der unter anderem für Trauungen genutzt wird. Komplettiert wird das Areal neben der Kirche von einem kleinen Dorfplatz, der etwa für Feste verwendet wird. Der Träger der gesamten Einrichtung ist der Heimatverein Asbeck, der Führungen durch die Stiftsanlage mit Besichtigung der historischen Gebäude anbietet.       -lsy-

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