Ahmad Wasay Siddigi flüchtete vor vier Jahren aus Afghanistan – heute ist er ausgebildeter Tischler
„Ich habe mich immer zuhause gefühlt“

Holtwick. Die erste Zeit sei alles andere als einfach gewesen. Vor vier Jahren flüchtete Ahmad Wasay Siddigi gemeinsam mit seiner Frau aus Afghanistan nach Deutschland, „wegen der unsicheren Umstände“, gibt der heute 26-Jährige zu verstehen. Nur wenige Sprachkenntnisse hat er mitgebracht und er ist lieber im Hintergrund geblieben und hat sich zurückgehalten. Doch davon ist heute nicht mehr viel zu spüren: Ahmad sei ein stets beliebter Kollege, er bringt sich ein, zeigt sich hochmotiviert und beherrscht die deutsche Sprache mittlerweile beachtlich gut.

Dienstag, 04.08.2020, 12:42 Uhr
Ahmad Wasay Siddigi flüchtete vor vier Jahren aus Afghanistan – heute ist er ausgebildeter Tischler: „Ich habe mich immer zuhause gefühlt“
Ahmad Wasay Siddigi (links) flüchtete 2016 aus Afghanistan nach Deutschland. Durch ein Praktikum kam er mit dem Unternehmen Metrica in Holtwick in Kontakt. Schnell war für Ausbildungsleiter Clemens Soppe klar, dass er dem heute 26-Jährigen eine Chance bieten möchte. Diese hat Ahmad genutzt und ist jetzt ausgebildeter Tischler. Foto: Leon Seyock

Kurz nachdem er im Februar 2016 nach Deutschland gekommen ist, hat er durch die Kreishandwerkerschaft ein einwöchiges Praktikum bei dem Unternehmen Metrica in Holtwick absolviert. „Ich wollte schon immer etwas Handwerkliches machen“, berichtet Ahmad Wasay Siddigi. Die Zeit in dem Unternehmen, das hochwertige Innenausstattung für Yachten und Luxusresidenzen herstellt, hat nicht nur ihm selbst gut gefallen: „Wir waren von Anfang an begeistert von Ahmad“, sagt Ausbildungsleiter Clemens Soppe. „Auch wenn wir am Anfang natürlich immer ganz langsam sprechen mussten und er noch sehr zurückhaltend war.“ Ein „außergewöhnliches Engagement“ habe Ahmad während des Praktikums in dem Unternehmen an den Tag gelegt. Der Umgang mit Kollegen, die Offenheit Neues zu lernen und seine Motivation waren letztendlich die ausschlaggebenden Punkte, warum das Unternehmen ihm im Jahr 2017 eine Ausbildung zum Tischler angeboten hat – die Ahmad dankend angenommen hat. „Eigentlich wollte ich gar nicht Tischler werden“, lächelt Ahmad, der in Afghanistan mit dem Bau von Gewächshäusern beschäftigt war. „Die Arbeit mit Holz hat mir aber viel Spaß gemacht. Und ich freue mich, dass ich dann diese Chance von Metrica bekommen habe“, sagt Ahmad Wasay Siddigi.

Das fachliche Wissen, das Ahmad für die Ausbildung brauchte und die deutsche Sprache habe er sich zum Großteil selbst angeeignet. „Ich freue mich, wenn ich immer etwas Neues lerne und mich auch in komplizierte Dinge einarbeiten darf“, blickt Ahmad Wasay Siddigi auf seine Zeit der Ausbildung zurück. Im dritten Lehrjahr, berichtet Clemens Soppe, betreuten die Auszubildenden in dem Unternehmen eigene Projekte – Ahmad hat ein hochwertiges Bett für eine Yacht in Eigenregie angefertigt. Von der „obersten Spitze“ spricht Ausbildungsleiter Soppe bei diesen Arbeiten, die Ahmad ohne Probleme erledigt hätte.

Es sei das erste Mal gewesen, dass das Unternehmen einen jungen Flüchtling als Auszubildenden eingestellt hat. „Ich habe vorher schon ein wenig darüber nachgedacht. Als ich Ahmad dann aber hier sitzen gesehen habe, wusste ich, es wird gut“, blickt Clemens Soppe zurück. Ahmad Wasay Siddigi lächelt: „Ich habe mich hier immer zuhause gefühlt.“ Auch nach der abgeschlossenen Ausbildung bleibt der 26-Jährige dem Unternehmen weiterhin erhalten: „Wir konnten ihn auch weiter für uns gewinnen. Ahmad kann es noch weit bringen“, meint Clemens Soppe. Privat wohnt der 26-Jährige mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Coesfeld. Eine Zeit lang hat er bei der DJK Fußball gespielt, wegen einer Verletzung kickt er aber jetzt nicht mehr im Verein, sondern in seiner Freizeit mit Kollegen und Freunden.

In dieser Woche werden am Standort in Holtwick vier neue Auszubildende begrüßt – darunter ein junger Mann aus dem Libanon. „Das ist unsere Zukunft. Wir müssen verstärkt auch diese Personengruppe, die zu Deutschland gehört, berücksichtigen.“

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