Familie Sengenhorst wünscht sich Außengastronomie für die „Altdeutsche Pilsstube“
Lärm-Gutachten sorgt für Misstöne

Osterwick. Ursprünglich sollte beim Termin im Rathaus nur der Erweiterungsantrag für die gewünschte Außengastronomie gestellt werden. „Dann stand aber plötzlich ein Immissions-Gutachten im Raum“, berichtet Gerburg Sengenhorst von der „Altdeutschen Pilsstube“ in Osterwick. Gutachter sollen prüfen, inwieweit die Geräuschkulisse im Biergarten für die anliegende Nachbarschaft zumutbar ist. „Durch die Auswirkungen der Coronakrise würde es uns mehr als schwerfallen, die Kosten dafür zu stemmen“, erklärt Bernhard Sengenhorst. Die Gemeinde besteht allerdings darauf.

Freitag, 11.09.2020, 05:04 Uhr
Familie Sengenhorst wünscht sich Außengastronomie für die „Altdeutsche Pilsstube“: Lärm-Gutachten sorgt für Misstöne
Auf der Fläche im Hof der „Altdeutschen Pilsstube“ will die Familie Sengenhorst (hier Bernhard und Gerburg Sengenhorst) Außengastronomie betreiben. Die Gemeindeverwaltung sieht das ohne Immissions-Gutachten als nicht zulässig an. Foto: Leon Eggemann

Mitte Mai hatten die Gastronomen kurz nach Ende des Corona-Lockdowns bereits die Außengastronomie eröffnet – allerdings ohne explizite Genehmigung. „Unsere Gäste, zum Beispiel Radfahrer-Gruppen, haben gefordert, gerade wegen Corona, draußen sitzen zu dürfen“, begründet Gerburg Sengenhorst diesen Schritt. Nach zwei Verwarnungen hat die Gemeinde mit einem Konzessionsentzug gedroht, sollte der Biergarten nicht geschlossen werden. Das haben die Betreiber dann Ende Juni auch getan.

Nun soll der Außenbereich auf 40 Quadratmeter mit Platz für maximal 30 Personen verkleinert werden. „Ab dieser Größenordnung ist nur noch eine Genehmigung des Rosendahler Ordnungsamtes nötig“, weiß Bernhard Sengenhorst. Als die Gemeinde dann das Immissions-Gutachten forderte, das für die Familie Sengenhorst Kosten im vierstelligen Bereich verursachen würde, habe diese einen Rechtsanwalt eingeschaltet. In einer Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt, teilt dieser mit, dass er das Gutachten „nicht für angemessen oder gar rechtlich erforderlich“ halte. „Die Genehmigungsbehörde könnte das Vorhaben dann so laufen lassen und nur im Falle von Beschwerden eingreifen, beziehungsweise von Ihnen das Beibringen einer entsprechenden Immissionsprognose fordern“, heißt es weiter. In Ergänzung dazu hat die Familie Sengenhorst für knapp 700 Euro ein Ingenieurbüro für Immissionsschutz beauftragt, eine gutachterliche Stellungnahme abzugeben. Diese gibt bereits Aufschluss über die Geräuschwerte in den umliegenden Nachbarhäusern. Diese Stellungnahme, die der AZ-Redaktion ebenfalls vorliegt, besagt, dass „die Geräuschimmissionen der Außengastronomie die Immissionsrichtwerte (...) unterschreiten“.

Auf Nachfrage der AZ verweist Bürgermeister Christoph Gottheil bezüglich einer Stellungnahme auf Wolfgang Croner, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales. „Grundsätzlich gilt, dass der Schutz der Anlieger vor Lärm gesichert werden muss“, betont Croner. „Eine gutachterliche Stellungnahme ist nicht rechtssicher – bei einem richtigen Gutachten ist das anders.“ Dazu würden bei einem Gutachten ganz konkrete Berechnungen vorgenommen, die nicht mit den Werten der gutachterlichen Stellungnahme zu vergleichen seien.

Die Familie Sengenhorst kann diese Begründung nicht nachvollziehen, zumal es bisher keine Anlieger-Beschwerden zur Nutzung des Biergartens gegeben habe. „Wir sind enttäuscht von der Arbeitsweise der Verwaltung. Wieso werden Entscheidungen nur anhand eines teuren Gutachtens getroffen?“, will Bernhard Sengenhorst wissen. In der Umgebung werde der Umgang mit der Außengastronomie viel unkomplizierter gehandhabt. „Die Verwaltung will die Gastronomie vor Ort erhalten, tut aber nichts dafür, um uns zu unterstützen“, bedauert Gerburg Sengenhorst. | Kommentar

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