Plattdeutsche Spielschar Darfeld sucht alternative Möglichkeiten zu Theateraufführungen
„De Köpp nich hangen looten“

Darfeld. Eigentlich würde Regisseur Heinz Schwering zusammen mit den Mitspielern der plattdeutschen Spielschar Darfeld bei den Proben gerade an den letzten Feinheiten schleifen, vielleicht noch ein paar Details am Bühnenbild verändern, dass Bernhard Feldmann und sein Team schon aufgebaut hätten, den ein oder anderen Satz im Textbuch umschreiben und so manchen Spieler damit zur Verzweiflung bringen. Eigentlich wären seit ein paar Wochen jeden Dienstag und Donnerstag Proben angesagt, in den Kostümen, die Margret Scheipers im letzten Moment doch schnell noch einmal umnäht, damit bei der Premiere, die am 5. März gewesen wäre, auch wirklich alles sitzt. Aber in diesem Jahr muss das Ensemble zum zweiten Mal corona-bedingt aussetzen.

Donnerstag, 21.01.2021, 05:32 Uhr
Plattdeutsche Spielschar Darfeld sucht alternative Möglichkeiten zu Theateraufführungen: „De Köpp nich hangen looten“
Aktuell geht nichts: Für Regisseur Heinz Schwering von der plattdeutschen Spielschar Darfeld und die Spielleiter in Osterwick und Holtwick herrscht aktuell Stillstand. Die anhaltende Coronapandemie lässt das Spielen von neuen Stücken nicht zu. Foto: az

„Ich lese gerade nicht einmal Textbücher und schaue erst recht keine neuen Stücke, weil es mich dann noch härter treffen würde. Ich versuche, es zu verdrängen“, bedauert Schwering die Entscheidung. „Wir müssten einen Mindestabstand von vier Metern zum Publikum einhalten und könnten maximal 30 Zuschauer im Saal unterbringen, das würde sich wirtschaftlich für uns nicht rechnen. Es wäre für uns kaum möglich, die Hygiene-Maßnahmen einzuhalten, denn Kuss-Szenen funktionieren nun mal nicht mit einem Abstand von einem Meter“, erzählt Schwering mit einem Augenzwinkern.

In Gesprächen mit Gregor Leutermann, Spielleiter in Osterwick und Barbara Kloster, Spielleiterin in Holtwick, herrschte Einstimmigkeit darüber, dass an normale Theateraufführungen auch in dieser Saison nicht zu denken ist. „Ich denke, ich spreche für die gesamte Spielschar, dass wir alle gleich empfinden und das Theaterspielen sehr vermissen. Ich kann sagen, wir sind wirklich auf Entzug“, so Schwering.

Bereits seit längerer Zeit bestehe bei den Zuschauern der Wunsch, „ein Stück von früher“ erneut auf die Bühne zu bringen. Diesem Wunsch sei Schwering bisher nicht nachgekommen, weil er weiß, wie schwer es ist, der hohen Erwartungshaltung an ein solches Theaterstück gerecht zu werden. „Es würden ja nicht dieselben Leute wie damals mitspielen“, so Schwering. Als er in diesem Jahr erneut darauf angesprochen wurde, sei ihm aber eine Idee gekommen, die er bereits mit der Spielschar besprochen hat: „Wir haben überlegt, ob es möglich wäre, Videoaufnahmen von älteren Stücken im Bahnhof zu zeigen. Somit könnten wir einerseits dem Wunsch der Zuschauer nachkommen und hätten andererseits eine Möglichkeit, nicht völlig in Vergessenheit zu geraten“, ist Schwering optimistisch. An mehreren Abenden könnten verschiedene Stücke gezeigt werden, Karten könnten vorab erworben werden. Ob die dann geltenden Corona-Verordnungen diese Form der Veranstaltung zulassen, ist allerdings noch nicht abzusehen. „Diese Idee ließe sich aber sicherlich auch zu einem späteren Zeitpunkt umsetzen, falls es im März noch nicht möglich ist“, kündigt Schwering an. „Wi dröwt de Köpp nich hangen looten! Ik wünsch mi, dat wi us all bitieten wiersaiht. Bäs do hän bliewt bitte gesund“, macht Schwering Mut und verabschiedet sich mit dem für die Spielschar Darfeld typischen „Munnerholn!“

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