Alfred Eimers arbeitet als Restaurator
Eintauchen in die Kunstgeschichte

Darfeld. Fleißig und mit ruhiger Hand arbeitet Alfred Eimers an seinem neusten Projekt. Vor sich hat er ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert liegen. Darauf abgebildet: eine unbekannte Fürstin oder Herzogin mit einem kleinen Sklaven an ihrer rechten Seite. „Zurzeit richte ich das Gemälde für eine Ausstellung auf Burg Vischering wieder her“, erklärt der Restaurator. Dort soll es als Gegenpol zu moderneren Ausstellungsstücken agieren. Bis es allerdings so weit ist, wird das Gemälde von Eimers erst wieder auf Vordermann gebracht. „Mir ist es wichtig, die historische Schönheit des Werkes wieder herauszuarbeiten“, betont der 59-Jährige.

Samstag, 23.01.2021, 06:06 Uhr
Alfred Eimers arbeitet als Restaurator: Eintauchen in die Kunstgeschichte
Ein Projekt, das privat noch ansteht: Dieses Gemälde einer holländischen Künstenlandschaft aus dem Jahr 1780 hat Eimers erworben. Im Laufe des Jahres soll es wieder im vollen Glanz erstrahlen. Foto: Leon Eggemann

Seiner Tätigkeit als freier Restaurator geht er bereits seit 1991 nach, seit 1993 in Rosendahl. „Gelernt habe ich bei Edgar Jetter in Vreden“, verrät Eimers. Weitere Stationen seiner Ausbildung waren die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, das Wehrgeschichtliche Museum in Rastatt und die bayerische Staatsgemäldesammlung. „Man kommt als Restaurator viel herum“, schmunzelt der Höpinger. Nach abgeschlossener Ausbildung zog es den gebürtigen Bocholter allerdings wieder ins Münsterland – genauer gesagt ins Stadtmuseum Münster. Nach mehreren Jahren entschied sich Eimers, freiberuflich zu arbeiten. „Ich wollte schon immer selbstständig arbeiten. Ich schätze daran besonders den Kontakt mit Kunden und die vielfältigen Aufträge“, bereut er den Schritt ebenso nicht, wie die Entscheidung Restaurator zu werden. „Es fixt mich einfach an, an Bildern zu arbeiten, die zum Teil älter als 300 Jahre sind. Das hat schon fast etwas von Archäologie“, erklärt er. Dass bei der Restaurierung nicht das gleiche Ergebnis wie im Original erzielt werden kann, liege dabei auf der Hand. Aber: „Auch wenn die Farben nicht mehr den gleichen Glanz haben wie früher, lässt sich noch einiges machen“, lächelt Eimers, unterstreicht aber gleichzeitig: „Trotzdem muss ich den Charakter des Gemäldes respektieren.“ Letztendlich müsse der Spagat zwischen einem gepflegten Zustand und dem Erhalt des historischen Charakters für ein optimales Ergebnis stimmen.

Gleiche Devise gilt beim Portrait der Fürstin oder Herzogin. Bevor Eimers am Gemälde Hand anlegt, muss der Zustand des Kunstwerks begutachtet werden. „Bei der ersten Untersuchung hilft neben dem geschulten Auge auch eine UV-Lampe“, sagt Eimers, während er auf das Gemälde leuchtet. Größere Flecken kommen zum Vorschein – Stellen, die nicht zum Bild gehören. Bevor diese allerdings reduziert werden, wird zunächst die vorhandene Farbe gefestigt. „Nach dem Konservieren beginnt dann das Restaurieren“, erzählt der 59-Jährige. Mithilfe eines Lösemittels auf einem Wattestäbchen reduziert er nun nach und nach Kittungen und Übermalungen am Gemälde. Anschließend werden Fehlstellen retouchiert. „Alles, was ich am Bild mache, ist reversibel“, ergänzt Eimers. „So hat der nächste Restaurator in 100 Jahren leichteres Spiel.“ Zum Abschluss trägt er einen Firnes (Lackschicht) auf, der die Farbe schützt und ihre Leuchtkraft erhöht.

Langweilig wird dem Restaurator während der Pandemie nicht. Nicht zuletzt, da auch zum Teil Aufträge aus dem Fernsehen auf Eimers zukommen. So war im vergangenen Herbst Kunsthändler Daniel Meyer – bekannt aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ – mitsamt eines Fernsehteams zu Gast. Im Gepäck: ein Ölgemälde, das Eimers vor laufender Kamera restaurierte. „Ich kenne Daniel schon seit etwa 30 Jahren und habe schon oft für ihn restauriert“, lacht Eimers. So sei es quasi aus Zufall zum unverhofften Fernseh-Auftritt gekommen. Wohnt nun ein Fernsehstar in Höpingen? „Ganz sicher nicht“, winkt Eimers ab, überlegt und zwinkert: „Es kann aber schon sein, dass Daniel in Zukunft das ein oder andere Mal wieder vorbeikommt.“ Wer weiß, welche Schätze dann auf den Restaurator warten.

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