Silke Bröker berichtet über Kuriositäten in der Corona-Krise
Stauden so begehrt wie Klopapier

Darfeld. Seit fast 20 Jahren arbeitet die gelernte Landschaftsgärtnerin Silke Bröker selbstständig in der Grabgestaltung und Gartenpflege. Ihr Betrieb „BS Kreative“ ist weit über die Grenzen Darfelds hinaus bekannt und so manchen Garten im Kreis Coesfeld und Umgebung hat sie bereits verschönert. Manchmal gab es nach dem Arbeitseinsatz mit teils recht schwerem Gerät nicht nur Muskelkater, sondern auch so manche Geschichte zu erzählen. Was sie aber in 20 Jahren noch nicht erlebt hat war, welche unerwarteten Auswirkungen die Corona-Pandemie in der Gartenbranche hatte. „Dass Klopapier und Mehl ausverkauft waren, das haben ja alle mitbekommen. Ich war aber dann doch sehr verwundert, als ich zur Pflanzzeit im vergangenen Jahr für meine Kunden Stauden bestellen wollte. Auf der Homepage der Gärtnerei gibt man den botanischen Namen der Staude ,Salvie-Nemorosa Caradonna’ und zusätzlich noch die Sorte im Suchfeld ein. Aber egal wonach ich gesucht habe, ich bekam immer die Antwort ,Zurzeit nicht lieferbar’“, berichtet Silke Bröker, immer noch überrascht über den plötzlichen Stauden-Hype. „Ich dachte, das muss wohl ein Fehler im System sein. Bis der Geschäftsinhaber der Gärtnerei mir sagte, dass sie komplett leer gekauft seien und absolut keine Stauden mehr auf Lager haben.“

Montag, 01.02.2021, 06:02 Uhr
Silke Bröker berichtet über Kuriositäten in der Corona-Krise: Stauden so begehrt wie Klopapier
Hat sich über den plötzlichen Stauden-Boom im Lockdown gewundert: Silke Bröker Foto: az

Als im ersten Lockdown klar wurde, dass verreisen nicht möglich ist, verbrachten viele Menschen ihre freie Zeit damit, sich um ihren Garten zu kümmern und neue Beete anzulegen. „Das es sich aber so enorm auswirkt, das hat man damals nicht kommen sehen“, erinnert sich Bröker. Problematisch dabei: Während Klopapier schnell nachgeliefert werden kann, lassen sich Stauden nicht so leicht vermehren. „Erst ab Herbst gab es wieder genügend Nachschub, das war teilweise schon etwas schwierig“, so Bröker.

Da sie meistens allein unterwegs ist, kann sie im Bereich der Gartengestaltung relativ normal arbeiten. Was sich geändert hat, ist der Umgang mit Kunden, die um einen Verstorbenen trauern. „Normalerweise brauchen Trauernde besondere Betreuung. Momentan geht nicht einmal ein warmer Händedruck. Blumen für das Grab können sie nur anhand von Handyfotos, die ich ihnen zuschicke, aussuchen. Das fällt mir wirklich schwer. Da würde ich mir schon wünschen, das bald wieder mehr zwischenmenschliche Nähe möglich ist“, hofft Silke Bröker.

Die meisten ihrer Kunden reagieren mit viel Verständnis und Geduld. Das hilft Silke Bröker dabei, mit der Situation gelassen umzugehen. „Im Moment besteht noch kein Grund zur Sorge, auch wenn einige meiner Kunden jetzt schon recht lange in Kurzarbeit sind. Da werden die Kosten für einen Gärtner natürlich mit als erstes eingespart“, so Bröker. Sollte der Lockdown und die Kurzarbeit allerdings noch bis weit ins Frühjahr hineingehen „könnte es auf Dauer anstrengend werden“, fürchtet die Unternehmerin.

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