Henrik Althues hat in seinem Hühnerhof-Betrieb auf Eier ohne Kükentöten umgestellt
„Tiere dürfen kein Abfallprodukt sein“

Holtwick. Knapp 45 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jedes Jahr nach dem Schlüpfen getötet. Gründe dafür sind unter anderem, dass die Hähne schlecht Fleisch ansetzen, keine Eier legen und somit ökonomisch wertlos sind. Dieser ethisch fragwürdigen Vorgehensweise will die Bundesregierung noch im Jahr 2021 ein Ende bereiten. Henrik Althues vom gleichnamigen Hühnerhof aus Holtwick ist dieser Entwicklung voraus. Er hat sich bereits jetzt dafür entschieden, das Kükentöten nicht mehr zu dulden.

Freitag, 26.02.2021, 05:54 Uhr
Henrik Althues hat in seinem Hühnerhof-Betrieb auf Eier ohne Kükentöten umgestellt: „Tiere dürfen kein Abfallprodukt sein“
Richtet den Blick auf die Nachhaltigkeit und fordert einen respektvollen Umgang mit den Bruderhähnen: Henrik Althues vom gleichnamigen Eierhof in Holtwick. Foto: Münsterland e.V.

„Es ist eine Katastrophe, dass die männlichen Küken keine Daseinsberechtigung haben. Tiere dürfen kein Abfallprodukt sein“, schüttelt Althues den Kopf. Aus diesem Grund hat er sich im vergangenen Sommer entschlossen, keine Hennen mehr von Betrieben zu kaufen, die das Kükentöten durchführen. „Mitte November sind die ersten Hühner, die zusammen mit Hähnen aufgewachsen sind, eingestallt worden“, erklärt der Holtwicker. Seit Anfang des Jahres sind bereits zwei von drei Ställen komplett mit Hühnern gefüllt, bei denen die männlichen Küken nicht sofort getötet wurden – im Laufe des Jahres soll die Umstallung vollständig abgeschlossen werden. Die neue Vorgehensweise hat bereits jetzt Auswirkungen auf die Produkte im Hofladen. „Seit dem 1. Dezember sind bei allen Teig- und Eierlikörwaren Hähne mit aufgezogen worden“, informiert Althues stolz. „In zwei bis drei Wochen folgt mit den Eiern dann das ganze Sortiment.“

Im Gegensatz zu ihren weiblichen Artgenossen leben die Hähne allerdings nicht beim Holtwicker Hühnerhof. „Unsere Hühner werden bei einer Bäuerin in Velen großgezogen. Mit 17 Wochen kommen sie dann zu uns“, schildert er. Bei den Hähnen sieht das anders aus. Diese werden in einem Partnerbetrieb im Münsterland groß gezogen. „Sie haben andere Anforderungen als Hennen“, erläutert Althues. Im Partnerbetrieb werden die Hähne 80 bis 100 Tage lang gemästet – der längere Zeitraum wird damit begründet, dass die Tiere nun einmal nicht so schnell Fleisch ansetzen. „Auch hier geht es um Nachhaltigkeit, denn in der konventionellen Mast werden die Tiere bereits nach der Hälfte der Zeit geschlachtet“, ergänzt Althues. Dass die Aufzucht mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, daraus macht der Hühnerbauer kein Geheimnis. „Aktuell verdienen wir mit unseren Hähnen keinen einzigen Cent, ganz im Gegenteil“, betont er. Die zusätzlichen Kosten müssten letztendlich über den Verkauf der Eier erwirtschaftet werden. „Die Hühner finanzieren also die Hähne“, verdeutlicht Althues.

Eine Möglichkeit, um aus der nachhaltigen Aufzucht noch Geld zu erwirtschaften, ist aktuell in Arbeit. „Gemeinsam mit einem Partner aus dem Münsterland haben wir jetzt eine Firma gegründet“, verrät der 46-Jährige. Diese soll zukünftig Produkte bestehend aus dem Fleisch der Hähne auf den Markt bringen. „Wir probieren gerade die verschiedensten Gerichte aus“, erzählt der Holtwicker. Während noch mit möglichen Rezepten herumexperimentiert wird, wartet Althues auf eine erste Resonanz der Kunden. Diese werden mit einem knallroten Hinweis auf den Eier- und weiteren Produktverpackungen auf die Neuausrichtung des Hofes aufmerksam gemacht. „Wir hoffen natürlich, dass unsere Bemühungen erkannt und auch geschätzt werden“, ist der Hühnerbauer gespannt. So oder so, den Schritt als ein Pionier einen neuen Weg in Richtung Nachhaltigkeit eingeschlagen zu haben, bereut er nicht. „Jedes Lebewesen verdient einen respektvollen Umgang – auch männliche Küken“, macht Althues deutlich. Bereits jetzt sei diesbezüglich eine zunehmende Veränderung in der Gesellschaft erkennbar. „Der Fokus richtet sich immer weiter auf Nachhaltigkeit“, nimmt Althues wahr. „Wir wollen bereits jetzt in unserer Branche vorangehen.“

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