René Voss läuft 100 Kilometer für den guten Zweck – ein Gespräch danach
Der gefüllte Tintenfisch spornte ihn an

Darfeld. Eigentlich hatte sich René Voss genau den falschen Tag für sein Vorhaben ausgesucht. Hagelschauern, Schnee und Sturm war der Darfelder ausgesetzt, als er sich in den frühen Morgenstunden auf den Weg machte. Sein Ziel: 100 Kilometer in zehn Stunden laufen – alles, um Spenden für das Fitnessstudio „Der Kootsch“ in Billerbeck zu sammeln. Im Nachgang zu dem Langstrecken-Lauf berichtet Voss im Interview mit Redakteur Leon Seyock von offenen Blasen, seinen Gefühlen, als er im Ziel ankam und wieso ein Tintenfisch für jede Menge Ansporn sorgte.

Dienstag, 06.04.2021, 06:00 Uhr
René Voss läuft 100 Kilometer für den guten Zweck – ein Gespräch danach: Der gefüllte Tintenfisch spornte ihn an
Klitschnass, aber überglücklich am Ziel: Nach 9:45 Stunden kam René Voss nach 100 Kilometern wieder an der Vechtequelle an. Seine angepeilte Zielzeit hat der damit sogar um 15 Minuten unterschritten. Fotos: privat Foto: az

Herr Voss, ein 100-Kilometer-Lauf liegen hinter Ihnen. Was macht der Muskelkater?

René Voss: Der hält sich zum Glück in Grenzen. Der Muskelkater ist nicht so stark, wie ich befürchtet hatte. Am Tag nach dem Lauf war ich schon wieder spazieren, das ging ohne Probleme. Direkt nach dem Lauf habe ich mich nämlich aufs Spinning-Rad gesetzt, um die Oberschenkelmuskulatur zu entspannen. Das hat gut geholfen.

Sie sind morgens um 6 Uhr an der Vechtequelle gestartet. Das Wetter hat Ihnen dabei an diesem Tag nicht gerade in die Karten gespielt.

Voss: Das stimmt. Den ganzen Weg über hatte ich mit Schnee, Hagel und Graupelschauern zu kämpfen. Zudem war es ziemlich windig. Ich bin erst 50 Kilometer mit Rückenwind in Richtung Norden bis zu meinem Wendepunkt in Wettringen gelaufen. Dabei musste ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell laufe. Denn schließlich hatte ich ja dieselbe Strecke noch auf dem Rückweg vor mir – und dann mit Gegenwind. Trotzdem hätte ich gedacht, dass das Laufen bei dieser Witterung schwieriger wäre. An dem Tag lief es einfach.

Hatten Sie auch Tiefphasen und wären am liebsten stehengeblieben?

Voss: Richtige Tiefphasen hatte ich glücklicherweise nicht. Natürlich habe ich zwischendurch auch mal gedacht, warum ich mir das überhaupt alles antue. Meistens war das, als mal wieder ein Hagelschauer aufzog. Das hielt sich aber zum Glück in Grenzen (lacht).

Hatten Sie ansonsten mit Schwierigkeiten zu kämpfen?

Voss: Nach 60 Kilometern hatte ich offene Blasen an den Füßen. Das war nicht schön, aber ich dachte mir, dass ich jetzt noch einen Marathon vor mir habe und das auch wohl noch klappen sollte.

Das ist die richtige Einstellung. Während des Laufens haben Sie ja tausende Kalorien verbrannt. Wie haben Sie für Nachschub gesorgt?

Voss: Ich hatte einen kleinen Rucksack dabei, den meine Lebensgefährtin an zwei Streckenpunkten aufgefüllt hat. Ich hatte Wasser dabei und als Nahrung Honig, Rosinen, Datteln und Kartoffeln mit Olivenöl. Das war sehr reichhaltig und hat mir die nötige Energie geliefert. Ungefähr alle fünf Kilometer habe ich kurz was gegessen und getrunken.

Im Laufen?

Voss: Ja. Ich bin die gesamte Strecke über nicht ein einziges Mal stehen geblieben oder musste auch wegen Seitenstechen nicht gehen.

Respekt. Wie viel Training hat das vorher in Anspruch genommen?

Voss: Ich bin damals schon immer gern gelaufen. Durch die Schließung der Fitnessstudios in der Corona-Pandemie habe ich vermehrt die Laufschuhe geschnürt und mir das Projekt 100 Kilometer für den Kootsch zu laufen, gesucht. Die gesamte Strecke bin ich aber im Training nie gelaufen.

Warum?

Voss: Naja, 100 Kilometer zu laufen ist alles andere als gesundheitsfördernd. Die maximale Streckenlänge im Training war 60 Kilometer.

Und was sagte der Blick auf die Uhr nach dem Lauf?

Voss: Mit der Zeit bin ich vollkommen zufrieden. Zehn Stunden waren mein Ziel, letztendlich war ich sogar 15 Minuten früher als geplant wieder an der Vechtequelle. Auf den letzten Kilometern kam nochmal ein Hagelschauer – aber der konnte mir dann auch nichts mehr antun (lacht).

Worauf haben Sie sich danach am meisten gefreut?

Voss: Auf eine schöne, heiße Dusche. Denn ich war total ausgekühlt. Und außerdem wusste ich, dass es meine Leibspeise zum Abendessen gibt: gefüllter Tintenfisch mit Nudeln. Und dazu ein gutes Glas Rotwein.

Das haben Sie sich dann ja auch verdient. Wie sieht es in der Zukunft aus; werden Sie zum Wiederholungstäter?

Voss: (lacht) Ich werde mir sicherlich ein neues Projekt suchen, vielleicht mit einer weiteren Distanz oder einer schnelleren Zeit. Mal sehen. Dem Laufen werde ich auf jeden Fall treu bleiben. Ansonsten freue ich mich schon wieder darauf, ins Fitnessstudio gehen zu können.

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