Ludger Berning hat ein riesiges Archiv über seine Heimat zusammengestellt
Das menschliche Lexikon aus Holtwick

Holtwick. Der erste Griff nach dem Aufstehen geht immer zur Zeitung. „Ich muss mich schließlich über Neuigkeiten aus dem Ort informieren“, lacht Ludger Berning. Seine Morgenroutine verbindet er mit seinem großen Hobby: dem Archivieren. So schnappt er sich täglich nach dem Lesen eine Schere und schneidet den Rosendahler Teil aus der Zeitung. „Der kommt dann in meine Sammlung“, erklärt der 92-Jährige. Versteckt hat er diese in seinem eigenen Lagerraum. „Immer hereinspaziert in meine Welt“, grinst er, während er die Tür öffnet. Es kommt ein riesiges Regal zum Vorschein. Darin: unzählige Ordner, fein säuberlich sortiert und, zur besseren Orientierung, mit Nummern versehen – von eins bis 113. „Ich denke, dass noch ein paar Ordner dazukommen“, vermutet Berning.

Samstag, 10.04.2021, 08:50 Uhr
Ludger Berning hat ein riesiges Archiv über seine Heimat zusammengestellt: Das menschliche Lexikon aus Holtwick
Der Holtwicker Ludger Berning hat sich über mehrere Jahrzehnte ein eigens zusammengestelltes Archiv aufgebaut. Dieses umfasst bereits 113 Ordner, in denen tausende Bilder, Dokumente und Zeitungsberichte aufbewahrt werden. Fotos: Leon Eggemann Foto: az

Die Geschichte seines Heimatortes hat den Ur-Holtwicker schon immer interessiert. Lange war er im hiesigen Heimatverein sowie im Gemeinderat tätig. Das Zusammentragen von Fotos, Berichten oder anderen Dokumenten hat er vor knapp 20 Jahren, als er in Rente gegangen ist, immer weiter intensiviert. Nach und nach wuchsen die Berge an Ordnern – bis irgendwann das Regal nicht mehr ausreichte und kleinere Schränke herhalten mussten. „Trotzdem weiß ich immer noch, wo ich welches Dokument finde“, betont Berning, während er zum Ordner mit der Nummer vier greift. „Darin habe ich noch alte Artikel über die Gründung des Holtwicker Heimatvereins aus dem Jahr 1976“, verrät er. Sein ältestes Foto hat noch ein paar Jahre mehr auf dem Buckel. „Ein Bild von mir und meinen Onkels. Das war 1934, ein Jahr, bevor ich eingeschult wurde“, erinnert sich Berning.

Es ist längst nicht das einzige Foto, dass ihn und Familienangehörige zeigt. Bei all den gesammelten Informationen hat er sogar bereits ein Buch über die Geschichte der Familie Berning verfasst. „Meine Sammlung ist eine Mischung aus Fotos, Berichten aus der Zeit des Krieges bis heute sowie Dokumenten, die aus dem 19. Jahrhundert stammen und mir von Holtwickern überlassen wurden“, fasst es der 92-Jährige zusammen. Trotz seines Alters verschwendet er keinen Gedanken daran, seinem Hobby nicht weiter nachzugehen. „Es hält mich in gewisser Weise weiter fit“, lächelt Berning. Regelmäßig verbringe er weiterhin Stunden im Archiv – mit dem Einkleben von Bildern, Abschreiben von Schriften oder Lesen von alten Berichten. „Wenn die Erinnerung an Vergangenes schwächer wird, kann ich sie jederzeit wieder auffrischen“, sieht er einen weiteren Vorteil in seinem besonderen Hobby.

Auch im Dorf hat sich längst herumgesprochen, welchen geschichtlichen Schatz Berning aufgebaut hat. „Er wird manchmal von Freunden und Bekannten schon das Lexikon von Holtwick genannt“, schildert seine Ehefrau Hedwig. Nicht wenigen Menschen, die etwas über die Geschichte ihrer Familie oder der Gemeinde erfahren wollten, diente er so schon als Ansprechpartner. „Wenn es etwas mit Holtwick oder Rosendahl zu tun hat, habe ich es hier gespeichert“, erklärt Berning. Um auch zukünftig weiter auf dem neusten Stand zu bleiben, ist für ihn bereits klar: Mit seiner Morgenroutine wird er wohl so schnell nicht brechen.

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