Bluttat an Freundin gestanden
18-Jährige kannte das Opfer aus der Schule

Senden -

(Update, Montag). Schockierender Gewaltausbruch: Mit einem Küchenmesser hat die 18-Jährige nach Erkenntnissen der Mordkommission auf ihre Freundin eingestochen, sie getreten und gewürgt. Die geständige junge Frau muss sich wegen Mordes verantworten.

Montag, 19.10.2015, 12:41 Uhr

Bluttat an Freundin gestanden : 18-Jährige kannte das Opfer aus der Schule
Der Tatort, das Mehrfamilienhaus am Rande des Ortskerns, wurde unmittelbar nach dem Eintreffen der Polizei abgesperrt. Foto: Dietrich Harhues
Tragödie in Senden

Erst die blanke Gewalt - dann das Geständnis: Die 18-Jährige, die am frühen Samstagmorgen eine 17-Jährige erstochen haben soll, räumte gegenüber der Polizei die Attacke auf die Freundin ein. Für die Ermittlungsbehörden ist es eindeutig, dass die Angreiferin, eine 18-Jährige aus Dortmund, ihr Opfer töten wollte. „Die Beschuldigte ließ erst von der 17-Jährigen ab, nachdem sie kein Lebenszeichen mehr feststellte“, fasst der Leiter der Mordkommission, Kriminalhauptkommissar Ulrich Bux, am Sonntag den Ermittlungsstand zusammen. 

Als Ergebnis der Obduktion, die noch am Samstagabend durchgeführt wurde, unterstreicht der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Heribert Beck, dieses Resümee: „Die Täterin hat ihren Vorsatz, das Opfer zu töten, mit aller Konsequenz und Brutalität umgesetzt." 

Am Montag bestätigte die Schulleitung der Edith-Stein-Schule in Senden, dass beide junge Frauen die Schule besucht haben. Das Opfer soll nach dem Schulabschluss ein Berufskolleg besucht haben.

Streit mündete in Gewaltausbruch

Ihre Tatwaffe, so Beck auf Anfrage unserer Zeitung, hatte die 18-Jährige erst in der Küche der Wohnung einer gemeinsamen Freundin eingesteckt. Auf dem Weg von der Wohnung der Freundin, wo die drei Frauen sich getroffen, etwas gefeiert und übernachtet haben sollen, zur Wohnung der 17-Jährigen aus Senden kam der wohl vorher schwelende Streit zum Ausbruch. Das Zuhause des Opfers war aber noch nicht erreicht, berichten Anwohner des Tatortes.

Eine tödliche Eskalation: Die Tatverdächtige hat dabei mehrfach mit dem Küchenmesser auf die Freundin eingestochen. Anschließend habe sie die schwer Verletzte eine von außen zugängliche Kellertreppe heruntergezogen, dort massiv gegen den Körper getreten und ihr Opfer danach noch gewürgt, schildert die Mordkommission den weiteren Tathergang. Die massive Einwirkung stumpfer Gewalt, vermutlich durch Tritte, hat die Leber erheblich verletzt, die Frau ist innerlich verblutet.

Die insbesondere gegen den Kopf gerichteten Messerstiche und das Erwürgen hätten laut Angaben der Ermittler ebenfalls den Tod der jungen Frau verursacht. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bekräftigt: „Jeder einzelne Angriff, das mehrfache Zustechen mit dem Messer, die groben Tritte oder das Erwürgen, hätte zum Tod der jungen Frau geführt." 

Beziehungstat

Die 18-Jährige - die bisher, so Beck gegenüber unserer Zeitung, polizeilich „unbestraft“ sei - muss sich jetzt wegen Mordes verantworten. Die Haftrichterin, die einen Haftbefehl erließ, folgte einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft. Gegenüber der Richterin machte die Frau, die in Dortmund wohnte, keine Angaben zu den Geschehnissen vom Samstagmorgen. 

Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Beschuldigten schilderte Oberstaatsanwalt Heribert Beck nicht, was zu dem Gewaltausbruch führte. Nur so viel gab er preis: „Das Motiv für den Mord liegt vermutlich in der nicht überwundenen Abwendung der ehemaligen Freundin.“ 

Es war die 18-Jährige selbst, die nach der Bluttat Passanten ansprach und die Polizei alarmierte. Dabei habe sie bereits indirekt auf das Verbrechen hingewiesen. Die Angreiferin, die sich selbst nur leichte Schnittwunden zugezogen habe, wurde in der Nähe des Tatortes angetroffen, eine Fahndung nach der Täterin sei nicht notwendig gewesen, bestätigt Oberstaatsanwalt Beck auf Anfrage.

Entsetzen und Trauer

Alkohol hat den tragischen Vorfall nicht beeinflusst. Es sei getrunken worden, aber „nicht in dem Ausmaß, dass es Auswirkungen hatte“, gibt der Behördensprecher den bisherigen Stand der Ermittlungen wieder. Beck weist ebenfalls Spekulationen zurück, dass die Nationalität eine Rolle gespielt habe, denn beide Frauen besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit. "Das war eine Beziehungstat", stellte Beck klar.

Das unübersehbare Großaufgebot von Polizei und Rettungsdienst an einem Verkehrskreisel am Ortskern hat in Senden viele Fragen aufgeworfen und Verunsicherung ausgelöst. Am Samstag gegen 12.30 Uhr bestätigte Beck als Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Zeitung ein Tötungsdelikt. Nähere Angaben zum Opfer und zu den tragischen Geschehnissen folgten erst gegen 15.45 Uhr ein.

Dass ein Streit zwischen jungen Frauen in eine Bluttat mündet, ist mit breitem Entsetzen aufgenommmen worden. „Unfassbar, dass so etwas hier passiert“, lautete eine der bestürzten Reaktionen, in die sich auch Trauer und Mitgefühl für die Angehörigen mischten.

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