Persönliche Abrechnung
Zoff im Kreisgeschichtsverein

Warendorf -

Zu einer persönlichen Abrechnung kam es bei der Mitgliederversammlung des Kreisgeschichtsvereins zwischen dem Vorsitzenden Prof. Dr. Paul Leidinger und seinem Stellvertreter Stefan Wittenbrink. In der Folge wurde der Vorstand nicht entlastet.

Donnerstag, 28.04.2016, 16:59 Uhr

Streit gab es bei der Mitgliederversammlung des Kreisgeschichtsvereins. Stefan Wittenbrink (l.) griff den Vorsitzenden Prof. Dr. Paul Leidinger mit scharfen Worten an. Landrat Olaf Gericke (2. v. r.) empfahl eine sorgfältige Prüfung der Satzung.
Streit gab es bei der Mitgliederversammlung des Kreisgeschichtsvereins. Stefan Wittenbrink (l.) griff den Vorsitzenden Prof. Dr. Paul Leidinger mit scharfen Worten an. Landrat Olaf Gericke (2. v. r.) empfahl eine sorgfältige Prüfung der Satzung. Foto: Irmler

Widerstand hatte sich gleich zu Beginn der Sitzung geregt, als Leidinger kurzfristig eine Satzungsänderung auf die Agenda setzen wollte. Dabei ging es um folgenden Sachverhalt: Der Historiker Jürgen Gojny hatte als Nicht-Mitglied des Vereins ohne Arbeitsvertrag einen mündlichen Auftrag angenommen. Für seine Arbeit erhielt er ein laut Leidinger geringes Honorar pro Seite. In der Zwischenzeit seines mehrjährigen Engagements war Gojny jedoch dem Kreisgeschichtsverein beigetreten. „Mitglieder“ aber – so sieht es die Satzung vor – „erhalten keine Zuwendungen aus den Mitteln des Vereins“. Dieser Satz sollte nun ersatzlos gestrichen werden, so Leidingers Antrag.

Mir ist kein formeller Vorstandsbeschluss bekannt, dass wir Herrn Gojny ein Honorar auszahlen.

Stefan Wittenbrink

Die Versammlung fühlte sich überrumpelt. Landrat Dr. Olaf Gericke legte dem Vorstand nahe, die Satzungsänderung nicht zur Abstimmung zu stellen. Ein schlichtes Streichen des Satzes löse das Problem nicht. Es bedürfe einer genauen juristischen Prüfung, etwa durch das Rechtsamt des Kreises.

Wittenbrink merkte an, dass jedes Honorar an Gojny satzungswidrig sei. Dies gelte auch für eine mögliche zukünftige Vergütung des für 2017 geplanten dritten Bandes der „Geschichte des Kreises Warendorf “, an der Gojny derzeit arbeitet.

Prof. Dr. Rüdiger Robert regte an, die Mitgliedschaft Gojnys bis zur Klärung des Vorgangs ruhen zu lassen. Er habe das Satzungsproblem völlig übersehen, räumte Leidinger ein. Schnell stand die Frage im Raum, weshalb der Vorstand nichts bemerkt habe. Leidingers Replik: Er habe in zehn Jahren an Bänden mit über 5000 Seiten gearbeitet. Sein Hauptaugenmerk sei nicht die Satzung gewesen.

„Mir ist kein formeller Vorstandsbeschluss bekannt, dass wir Herrn Gojny ein Honorar auszahlen“, gab Leidingers Stellvertreter Stefan Wittenbrink zu bedenken. Die Versammlung folgte Gerickes Vorschlag; über den Antrag zur Satzungsänderung wurde nicht abgestimmt.

Kurios ging es weiter, als Schatzmeisterin Karin Rodeheger, die aus beruflichen Gründen nicht erneut kandidieren wollte, ihren letzten Kassenbericht vorlegte. Auf Antrag des Kassenprüfers wurde nur sie entlastet, dem Rest verweigerte die Versammlung aufgrund der ungeklärten Honorarfrage die Entlastung.

Leidinger wollte in der Tagesordnung fortfahren. Wittenbrink, der bereits im Vorfeld auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, nutzte die Versammlung jedoch für eine Abrechnung mit Leidinger. Nach 14 Jahren als stellvertretender Vorsitzender sei eine weitere Zusammenarbeit mit Leidinger ausgeschlossen. Eine Schriftreihe sei trotz einstimmigen Vorstandsvotums eigenmächtig von Leidinger storniert worden, eine Spende an die „Freunde des Museums Abtei Liesborn“ hinausgezögert worden, um dem Vorsitzenden Herbert Gövert zu schaden – so Wittenbrink.

Ich kann das alles widerlegen.

Prof. Dr. Paul Leidinger

„Ich kann das alles widerlegen“, lautete Leidingers Antwort. „Ich bin bestärkt, dass ich noch einmal kandidiere und Ihnen beweise, dass das, was Ihnen hier vorgetragen worden ist, in weiten Teilen ein Pamphlet ist.“ Nun wollte er Wittenbrink offiziell verabschieden und den Wahlvorgang einläuten – trotz fehlender Entlastung des Vorstands. „Ich bin noch im Amt.“, entgegnete Wittenbrink. So lange könne kein neuer Stellvertreter gewählt werden. Auch Gericke äußerte Bedenken wegen der nicht erteilten Entlastung. „Wir können darüber nicht einfach hinwegsehen.“ Prof. Robert stellt den Antrag, die Versammlung zu beenden. Die Teilnehmer folgten dem einstimmig.  

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