Modellflieger verärgert
Bundesverkehrsminister will Höhenbegrenzung für Drohnen und Mini-Flugzeuge

Havixbeck -

Echte Modellflieger mögen Drohnen-Piloten ungefähr so sehr wie der Biker den Rollerfahrer: also eher gar nicht. Dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eine Änderung der Luftverkehrsordnung plant und ausgerechnet wegen der Drohnen neben ei­nem Modellflugverbot über bewohntem Gebiet auch ei­ne 100-Meter-Höhenbegrenzung für Modellflugzeuge und Multikopter einführen will, bringt die Mini-Flugzeug-Piloten darum besonders auf die Palme.

Mittwoch, 27.04.2016, 19:15 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 27.04.2016, 18:50 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 27.04.2016, 19:15 Uhr
Anflug: Nach der langen Winterpause ließ Uwe Grevsmühl einen seiner Flieger vor wenigen Tagen zum ersten Mal in diesem Jahr abheben. Foto: Peperhowe
Anflug: Nach der langen Winterpause ließ Uwe Grevsmühl einen seiner Flieger vor wenigen Tagen zum ersten Mal in diesem Jahr abheben. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Deutsche Modellflieger Verband (DMFV) forderte seine Mitglieder inzwischen zu Protestaktionen auf. „Werden die Pläne umgesetzt, steht der in Deutschland fest verankerte Modellflugsport vor dem Aus“, heißt es auf der Homepage.

87 000 organisierte Modellflieger stehen also seit Wochen kopf. Einer von ihnen heißt Uwe Grevsmühl und wohnt in Havixbeck. Modellfliegen, sagt der 51-Jährige, ist Kunst und Können.

Das fängt beim Bauen der Flieger an und hört beim Fliegen auf. Für Ersteres ist Sachverstand gefragt, für das Zweite zudem eine Art Lizenz. „Drohnenflieger packen ihr Fluggerät aus, drücken auf einen Knopf, das Ding hebt ab, das war’s.“ Grevsmühl formuliert durchaus robust.

Drohnenflieger packen ihr Fluggerät aus, drücken auf ei­nen Knopf, das Ding hebt ab, das war’s.

Uwe Grevsmühl, Flugzeugmodell-Flieger aus Havixbeck

Das Grundproblem ist, dass die private Drohnenfliegerei quasi unkontrolliert stattfindet. „Wir wissen nicht wie viele Drohnen unterwegs sind“, sagt Sigrun Rittrich , Sprecherin der Bezirksregierung in Münster .

Die Behörde übt die Luftaufsicht für die Regierungsbezirke Münster, Arnsberg und Detmold aus. „Natürlich fliegen auch Drohnen nicht im rechtsfreien Raum“, sagt Rittrich. Weil auch sie Luftfahrzeuge sind und damit allen gesetzlichen Vorgaben un­terlägen. Nur weiß das eben nicht jeder. Auch nicht jeder Besitzer einer Drohne.

Im Dezember verfehlte eine herabstürzende Kameradrohne den Skifahrer Marcel Hirscher beim Slalom in Madonna di Campiglio nur knapp. Vor wenigen Tagen knallte ein Multikopter auf dem Flughafen London- Heath ­row gegen eine Verkehrsmaschine.

Im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Münster ist bislang nichts dergleichen passiert. Gleichwohl: Weil beide Zwischenfälle zeigen, dass Drohnen durchaus eine Gefahr darstellen können, will Dobrindt durchgreifen.

Dass er dabei jedoch Drohnen und Modellflieger über ei­nen Kamm schert, ärgert die Flugzeug-Piloten. „Wir un­ter­liegen Auflagen“, sagt Grevsmühl, der seit 40 Jahren Modellflugzeuge baut und fliegt. Flugplätze, Flugsektoren, Flugbücher: Alles ist geregelt, nichts wird dem Zufall überlassen. „Den Vorstoß aus Berlin empfinde ich als Beschneidung meines Hobbys“.

Der Havixbecker ist Mitglied im „Baumberger Modellflugclub“ und fliegt leidenschaftlich gerne ein Segelflugzeug. Ein richtig großes. „Acht Meter Spannweite“ sagt er stolz, habe sein Modell. Hochgeschleppt werde es wie im richtigen Leben von einem anderen Flugzeug. „Bis auf 250, 300 Meter.“ Dann sucht er die richtige Thermik und versucht, seinen Vogel so lange wie möglich in der Luft zu halten.

Andere fliegen Jets oder Propellermaschinen, wieder andere Helikopter: Knapp 20 Disziplinen gibt es bei den Modellfliegern. „Wenn die 100-Meter-Regel kommt, werden 17 Geschichte sein“, sagt der 51-Jährige. Seine übrigens auch. „Herr Dobrindt, Hände weg von meinem Hobby“, hat der DMFV seine unlängst gestartete Protest-Initiative überschrieben. Grevsmühl hofft inständig, dass sie Erfolg haben wird.

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