Mini-Job-Studie
Fluch und Segen zugleich

Kreis Warendorf -

Derzeit brauchen 1800 Mini-Jobber im Kreis Warendorf ergänzend Hartz-IV-Leistungen, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Folge: Rund zwölf Millionen Euro bringt das Jobcenter Kreis Warendorf für den Lebensunterhalt dieser Mini-Jobber auf.

Freitag, 29.04.2016, 08:10 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 29.04.2016, 08:02 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 29.04.2016, 08:10 Uhr
Zwölf Millionen Euro zahlte das Jobcenter Kreis Warendorf im vergangenen Jahr, damit die rund 1800 Mini-Jobber finanziell über die Runden kommen.
Zwölf Millionen Euro zahlte das Jobcenter Kreis Warendorf im vergangenen Jahr, damit die rund 1800 Mini-Jobber finanziell über die Runden kommen. Foto: dpa

„Die Mini-Jobs sind Fluch und Segen zugleich“, betonte Martin Hanewinkel vom Jobcenter . Einige Beschäftigte schafften darüber den Berufseinstieg, aber für viele sei es auch die Endstation.

Hanewinkel stellte im Sozialausschuss die Ergebnisse einer Mini-Job-Studie für das Münsterland vor. Sie zeigte, dass über zwei Drittel der Mini-Jobber, die ergänzend auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, ihre Arbeit gerne ausweiten würden. „In vielen Fällen ist das aber nicht möglich – zum Beispiel wegen gesundheitlicher Einschränkungen“, warte Hanewinkel vor zu großen Hoffnungen.

Mini-Jobber, die keine staatliche Unterstützung brauchen, sähen ihre Arbeit meist nur als Zuverdienst an. Von ihnen wolle höchstens ein Drittel die Tätigkeit ausweiten.

66,7 Prozent der Mini-Jobs werden von Frauen wahrgenommen. Vielen sei aber nicht klar, dass sie gesetzlichen Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben. Das gewähren nur zwei Drittel der Unternehmen. Die meisten Mini-Jobs werden im Dienstleistungsbereich angeboten. Die am häufigsten ausgeübte Tätigkeit ist Reinigen (29,7 Prozent).

Von denjenigen, die aus dem Mini-Job heraus sozialversicherungspflichtige Beschäftigung finden, wechseln immerhin 71,4 Prozent zu einem anderen Arbeitgeber. Der Klebe-Effekt ist also gering. Astrid Birkhahn ( CDU ) wunderte sich, dass zwei Drittel der Mini-Jobber über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen.

Kritisch waren Franz-Ludwig Blömker (SPD) und Ursula Mindermann (Grüne). Letztere argumentierte: „Wir suchen in der Region Fach- und Führungskräfte. Wir können nicht führend sein bei den Mini-Jobs.“

Hanewinkel betonte: „Wir möchten langfristig sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.“ Aber für manche Mini-Jobber lohne sich Mehrarbeit einfach nicht.

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