Mehr Transparenz bei Sitzungen im Ratssaal?
Rate mal, wer da spricht

Telgte -

Derzeit lässt sich für Besucher schwer erkennen, welcher Partei der Sprechende im Ratssaal gerade angehört. Das könnte sich vielleicht ändern.

Freitag, 29.04.2016, 07:10 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 29.04.2016, 06:52 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 29.04.2016, 07:10 Uhr
Die Sprechanlage im Rathaus ist ein Thema für sich. Wer genau spricht ist unabhängig von der Anlage häufig für Zuhörer nicht zu erkennen.
Die Sprechanlage im Rathaus ist ein Thema für sich. Wer genau spricht ist unabhängig von der Anlage häufig für Zuhörer nicht zu erkennen. Foto: Björn Meyer

Als der Telgter Gymnasiast Julius Wälz zuletzt sein Schülerpraktikum in der Lokalredaktion unserer Zeitung absolvierte, da war der Schüler eigentlich gekommen, um etwas zu lernen. Nun ist zu hoffen, dass dies auch so geschehen ist, doch der aufgeweckte junge Mann hinterließ bei seinem Abschied auch einen Gedanken, der schon bald Verwaltung und Politik beschäftigen könnte.

„Man muss schon Insider sein, um zu verstehen, wer da spricht“, sagte Wälz, nachdem er mit einem Redaktionsmitglied eine öffentliche Ausschusssitzung besucht hatte. Was eigentlich offensichtlich ist, hatte zuvor jedermann so hingenommen: Wer als Gast eine der Sitzungen im Rathaus verfolgt, der weiß meist nicht, welche Partei, häufig genug auch nicht, wer überhaupt da gerade spricht.

Dabei gab es auch in der jüngeren Vergangenheit durchaus gut besuchte Sitzungen. Wer als Zuschauer nicht das Glück hatte, den ein oder anderen Vertreter von Politik und Verwaltung zu kennen, der tappte häufig im Dunkeln, wer nun welche Sichtweise der Dinge vertritt.

Zwar bemühen sich die Ausschussvorsitzenden – oder bei Ratssitzungen der Bürgermeister – meist, die beim Namen zu nennen, denen das Wort erteilt wird, die Parteizugehörigkeit ergibt sich daraus jedoch längst nicht. Zudem ist Telgte weder Dorf noch Metropole. Soll heißen, innerhalb des Kreises der Politiker kennen sich viele über Jahre und duzen sich. Folglich wird der Nachname das eine oder andere Mal weggelassen. An diesem Zustand hat sich seit Jahren nicht viel geändert, gleichwohl scheint allen Beteiligten etwas an einer Veränderung zu liegen – mit einer Bedingung: „Praktikabel muss sie sein“, sagt Christoph Boge ( CDU ), der aus Zuschauersicht immer auf dem vordersten Platz der linken Reihe Platz nimmt. Der Christdemokrat hat auch gleich ein Beispiel parat, das seiner Meinung genau dieses Kriterium nicht erfüllt. Sich jedes Mal mit vollem Namen und Partei vorzustellen, sei sicher nicht praktikabel, sagt Boge. Er favorisierte daher in einer ersten Überlegung gegenüber unserer Zeitung Namensschilder mit Parteilogo.

Auch Klaus Resnischek, Vorsitzender der SPD-Fraktion, der Boge gegenüber sitzt, stellt klar: „Es lohnt sich sicher, darüber nachzudenken.“ Er könne sich vorstellen, dass der jeweilige Vorsitzende der Sitzung darauf achtet, den jeweiligen Redner vollständig zu benennen.

„ Transparenz macht Sinn, Ich erinnere mich daran, als ich neu im Rat war, da kannte ich auch nicht jedes Gesicht“, sagt Sabine Grohnert (Grüne), zu finden etwa in der Mitte der rechten Reihe. Karin Horstmann (FDP, linke Reihe) sowie Bürgermeister Wolfgang Pieper (Kopfende) bestätigten auf unsere Anfrage, dass sie bereits zuvor auf das Thema angesprochen worden seien. „Namensschilder könnte ich mir gut vorstellen. Das ist zwar vielleicht keine optimale Lösung, aber ein Weg“, so Horstmann. Davon, dass alle Politiker nur noch mit Nachnamen angesprochen werden, hält sie dagegen nichts. „Wir kennen uns teilweise so lange, das würde meiner Meinung nach gekünstelt wirken.“

Während sich hier über das Wie noch Gedanken gemacht wird, sind sich bei einer Sache alle einig: Eine funktionierende Lautsprecheranlage würde im Ratssaal für bessere Verständlichkeit sorgen. Die Stadt arbeitet an diesem Thema.

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