Hundesteuer in Westfalen
Wenn das Tier zum Luxus wird

Westfalen -

Hundehaltung ist Luxus – so sieht es zumindest der Gesetzgeber. 1810 hat Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. Abgaben für Hunde als sogenannte Luxussteuer eingeführt. Doch wie viel der Luxus nun extra kostet, das ist in vielen ­Gemeinden sehr unterschiedlich.

Freitag, 29.04.2016, 09:26 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 29.04.2016, 09:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 29.04.2016, 09:26 Uhr
Das ist Luxus, findet der Gesetzgeber – und ermöglicht Kommunen so, Hundesteuer zu kassieren. Die Höhe ist in Westfalen sehr unterschiedlich.
Das ist Luxus, findet der Gesetzgeber – und ermöglicht Kommunen so, Hundesteuer zu kassieren. Die Höhe ist in Westfalen sehr unterschiedlich. Foto: Wilfried Gerharz

Hundehaltung in Gronau und Ahaus ist aus Sicht des Steuerzahlers besonders günstig. 42 Euro zahlt der Besitzer für einen Hund, bei zwei Hunden sind es 66 pro Tier und beim dritten sind 81 Euro für jeden Vierbeiner fällig. Wenn es sich beim besten Freund des Menschen in Gronau jedoch um einen sogenannten gefähr­lichen Hund einer bestimmten Rasse handelt, ist es deutlich teurer – dann werden 400 beziehungsweise bei mehreren Hunden sogar 500 Euro pro Tier fällig.

Abgaben bis zu 750 Euro

In Hagen kostet die Haltung eines „normalen“ Hundes 180 Euro. Damit belegt die Stadt den Spitzenplatz in NRW. Dort ist hingegen der Kampfhund mit 210 bis 240 Euro, je nach Anzahl der Hunde, relativ günstig besteuert.

Ibbenbüren, Ahaus und Marl machen keinen Unterschied zwischen harmlos und gefährlich – dort herrscht noch Gleichberechtigung unter den Hunde­rassen. In Münster wurde jüngst die Hundesteuer erhöht, dort werden künftig 120 Euro für einen Hund fällig – für Kampfhunde sogar 750 Euro.

Jede Kommune legt selbst in einer Satzung fest, was ein Hund kostet. Begründet wird diese Steuer heute damit, dass durch die Abgabe die Hundepopulation nicht überhandnehmen soll.

Auch Reiter werden zur Kasse gebeten

In vier deutschen Gemeinden ist mittlerweile auch eine Steuer auf Pferde eingeführt worden. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Einführung dieser Steuer für rechtmäßig erklärt. „Das Halten (...) eines Pferdes geht – vergleichbar der Hundehaltung oder dem Innehaben einer Zweitwohnung – über die Befriedigung des allgemeinen Lebensbedarfs hinaus und erfordert einen zusätzlichen Vermögens­aufwand, heißt es in der Urteilsbegründung (Aktenzeichen BVerwG 9 BN 2.15).

Die Richter beschränkt die Regelung allerdings ausschließlich auf Pferde, die zur Freizeitgestaltung gehalten und genutzt werden. Pferde, die nachweislich zum Haupterwerb eingesetzt werden, sind dagegen von der Steuerpflicht ausgenommen. Im Pferdeland West­falen würde sich das sicher lohnen. Doch bisher sind die Befürworter dieser Steuer noch nicht zum Zuge gekommen.

Argumentiert wird bei der Pferdesteuer ebenfalls mit dem Argument, die Haltung der Tiere sei Luxus, den sich nur sehr vermögende Menschen leisten könnten – und damit auch eine Steuer von derzeit bis zu 300 Euro pro Jahr.

Katzen sind in keiner Regionen steuerpflichtig – auch wenn einige von ihnen sicher ein Luxusleben führen. Den Versuch, diese Steuer einzuführen, haben einige Kommunen in NRW 2011 schon gemacht – ihr Vorhaben aber dann doch nicht weiter verfolgt. Ein Argument gegen die Katzensteuer ist, dass die Samt­pfoten Ratten und Mäuse fangen und sich damit für die Allgemeinheit nützlich machen – auch wenn in Wirklichkeit viele von ihnen letztlich doch ihr Dosen­futter bevorzugen.

Kuriose Steuern

Kuriose Steuern hat es schon immer gegeben. Drei Beispiele:

► In Baden-Württemberg gab es im 18. Jahrhundert eine Spatzensteuer, weil die Vögel die Saatkörner von den Feldern pickten. Wer zwölf Spatzen fing, bekam sechs Kreutzer.
► Weil Zar Peter das Große Russland dem Westen öffnen und durch eine bartlose Gesellschaft aufgeschlossener wirken wollte, führte er eine Bartsteuer ein.
► Friedrich I. von Preußen führte eine Perücken­steuer ein. Wer in der Öffentlichkeit eine Perücke trug, musste drei Taler zahlen.

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