Ehemaliger Bandidos-Kassierer erzählt vor Gericht aus seinem Leben
„Das war mein Fehler“

Steinfurt/Münster -

Der 12. Mai 2015, das war der Tag für den gebürtigen Niederländer, an dem „alles hier kaputtging“, wie er zerknirscht vor Gericht bekannte. Der 12. Mai, das war Tag, an dem die Polizei zu ihrem großen Schlag gegen die „Bandidos“ ausholte, 40 Wohnungen in Deutschland, in Steinfurt unter anderem die ehemalige Bar B 54, den Niederlanden und Finnland durchsuchte, dabei einiges an Rauschgift sicherstellte und 15 Haftbefehle vollstreckte.

Freitag, 29.04.2016, 15:21 Uhr

Die Bandidos unterhielten auch in Steinfurt ein Chapter, das mittlerweile aufgelöst wurde.
Die Bandidos unterhielten auch in Steinfurt ein Chapter, das mittlerweile aufgelöst wurde. Foto: dpa

Darunter auch der Kassierer des Steinfurter Chapters, dem jetzt zusammen mit fünf weiteren Clubmitgliedern vor der Großen Strafkammer des münsterischen Landgerichts der Prozess gemacht wird wegen bandenmäßigen Drogenhandels. „Das war mein Fehler“, kommentierte der Vater von vier Kindern den Moment, als er im Club die Finanzgeschäfte übernahm. „Mich haben sie gefragt, weil ich ein bisschen was von Zahlen verstehe“, so der Angeklagte, der am Ende der Beweisaufnahme freimütig aus seinem Leben erzählte.

Die Erfahrungen mit Finanzgeschäften kamen nicht von ungefähr. Zu Spitzenzeiten gehörten ihm in seinem niederländischen Heimatort fünf Discotheken, zwei Restaurants und zwei Eisdielen. „Irgendwann wurde es mir aber zu viel“, berichtete der Angeklagte. Er verkaufte die Läden und eröffnete nach einer einjährigen Auszeit in Schüttorf das „Golden Dreams“. Ein Saunaclub. Nach Kündigung des Pachtvertrages eröffnete er zwei ähnliche Etablissements in Emmerich. 2013 dann der Einstieg bei den Steinfurter „Bandidos“. Drogen? „Ich nehme nix.“ Vorstrafen? „Keine.“ Schulden? „Nur eine kleine Hypothek.“

Das sieht bei seinem 36-jährigen Kollegen, der auf der Anklagebank direkt hinter ihm sitzt, ganz anders aus. Der ehemalige Spediteur besaß in den Niederlanden ein Transportunternehmen mit 15 Lkw. Geblieben sind ihm Schulden von 250- bis 300 000 Euro. Fragen zu seinen Kontakten zum „Golden Dreams“ will er nicht beantworten.

Bei den am Freitag gestellten Beweisanträge geht es der Verteidigung um eines: die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen, der ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden ist, zu erschüttern. Eine Rechtsanwältin bezeichnet ihn als „Geschichtenerzähler“. Beispiel Maschinengewehr. Das will er bei einem der Angeklagten gesehen und als amerikanisches M 16 erkannt haben, weil er selbst bei einem USA-Aufenthalt schon mal damit geschossen haben will. Dabei ist nach Ansicht der Anwältin noch nicht einmal bewiesen, dass er überhaupt in den USA gewesen ist.

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