Bewährungsstrafe für Betrüger
Inszenierter Unfall

Lengerich/Tecklenburg -

Zu Unrecht Geld von einer Versicherung kassieren wollten 2012 zwei Männer. Sie hatten auf der Sudenfelder Straße in Lengerich einen Unfall nur inszeniert. Zu diesem Urteil ist das Amtsgericht Tecklenburg gekommen und verhängte gegen das Duo zu Bewährungsstrafen.

Montag, 05.12.2016, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.12.2016, 05:51 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 05.12.2016, 18:36 Uhr
 
  Foto: dpa

„Aus mehreren Vorgängen kann man so etwas immer erklärt bekommen“, sagte der Sachverständige über die Schrammen und Kratzer an dem von ihm untersuchten Fahrzeug. Für den 60-Jährigen war somit klar, dass zumindest ein Teil der Schäden und das von den Beteiligten beschriebene Unfallszenario nicht zusammenpassten. Das Amtsgericht Tecklenburg sah das genauso. Es verurteilte am Freitag zwei Männer wegen gemeinschaftlichen Betruges in zwei Fällen zu Bewährungsstrafen von je zehn Monaten. In einem Fall soll es beim Versuch geblieben sein.

Der Richter sah es als erwiesen an, dass der 37-jährige Lengericher und der 40-Jährige, der heute in Osnabrück lebt, im Juli 2012 ihre Fahrzeuge auf der Sudenfelder Straße in Lengerich in einer Kurve absprachegemäß miteinander kollidieren ließen und Haftpflicht- und Vollkaskoschaden der Versicherung des 37-Jährigen meldeten. Beide Fahrzeuge wiesen auf der Fahrerseite Schäden auf, die zum Unfall passten, aber eben auch solche, die nicht kompatibel waren. Zudem war der 40-Jährige im Rahmen der Kollision über den Grünstreifen in die Leitplanke geraten. Auf der Beifahrerseite fanden sich ebenfalls kompatible wie nicht-kompatible Schäden.

Der Gutachter, den die Versicherung eingeschaltet hatte, war wie sein Kollege, der vor Gericht als Sachverständiger Erklärungen abgab, zu dem Ergebnis gekommen, dass die Beschädigungsmerkmale nicht zusammenpassten und hatte die Regulierung des Vollkaskoschadens in Höhe von rund 1600 Euro und des Haftpflichtschadens von über 12 000 Euro verweigert. Aufgrund eines Fehlers in seinem Hause sei zumindest der Kaskoschaden dennoch gezahlt worden, erklärte ein Mitarbeiter der Versicherung in seiner Zeugenaussage.

Im Gegensatz zu diesem vollendeten Betrug handelt es sich im Falle des Haftpflichtschadens lediglich um einen versuchten Betrug. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, stellte der Richter in seiner Urteilsbegründung klar, dass hinter dem Ganzen eine hohe kriminelle Energie stecke, mit der die Männer den Unfall von der Suche nach einer geeigneten Stelle bis zur Verursachung zusätzlicher Schäden geplant und organisiert hätten. Aus vielen Fragmenten ergebe sich aus seiner Sicht ein aussagekräftiges Gesamtbild.

Da seien zum einen die technischen Vorgänge, die der Sachverständige in seinen Ausführungen beschrieben hatte, aber eben auch Unstimmigkeiten in den Aussagen der Angeklagten, die diese während eines Zivilprozesses gemacht hatten und die am Freitag verlesen wurden, sowie von zwei Zeugen. Der Schwager des 40-Jährigen war Beifahrer, konnte aber zum Geschehen nichts sagen. Glaubt man zudem der damaligen Partnerin des Angeklagten, hat er ihr nichts von dem Unfall erzählt. Das fanden Staatsanwältin wie Richter ungewöhnlich.

Zudem müssen beide Angeklagten eine Zeit lang im selben Mehrfamilienhaus in Lengerich gelebt haben, behaupteten jedoch, sich nicht zu kennen. Dieses Gesamtbild bildete die Grundlage für die Verurteilung der beiden Männer.

Die Freiheitsstrafen setzte das Gericht für drei Jahre zur Bewährung aus. Zu den Auflagen gehört auch die Zahlung von jeweils 2000 Euro an die Landeskasse. Es folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls Bewährungsstrafen gefordert hatte. Der Verteidiger des 40-Jährigen plädierte auf Freispruch für seinen Mandanten. Die Angeklagten hatten sich während der Hauptverhandlung nicht zur Sache eingelassen.

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