Geld aus Gülle
So wird mit dem natürlichen Dünger gehandelt

Osnabrück/Velen -

Es dampft auf dem Acker, die Nase zieht sich zusammen. Was hier auf dem Boden verteilt wird, ist Gülle – oder, wie Fachleute sagen: „Frischmasse“. Hier wird nach Meinung von Bauern nichts „entsorgt“, sondern es wird „sinnvoll verwertet“. Für alle anderen handelt es sich schlicht um Mist. Dass man aus dem durchaus ein Geschäft machen kann, zeigen sogenannte Güllebörsen.

Montag, 05.12.2016, 07:15 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.12.2016, 07:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 05.12.2016, 07:15 Uhr
Gülle auf Äcker ausbringen ist der klassische Weg. Der funktioniert aber nur, wenn nicht zu viel Gülle da ist. Weil das in den Veredlungsregionen aber zumeist der Fall ist, gehen viele Landwirte neue Wege. Die Güllebörse ist einer, die geplante Naturwertstoffanlage in Velen ein anderer.
Gülle auf Äcker ausbringen ist der klassische Weg. Der funktioniert aber nur, wenn nicht zu viel Gülle da ist. Weil das in den Veredlungsregionen aber zumeist der Fall ist, gehen viele Landwirte neue Wege. Die Güllebörse ist einer, die geplante Naturwertstoffanlage in Velen ein anderer. Foto: dpa

Die handeln mit Mist , denn manche Bauern haben zu viel davon – und müssen ihn loswerden. Ein Betrieb darf nämlich nur viele Schweine oder Rinder halten, wenn er auch genug Fläche hat, um den entsprechenden Mist auszubringen. Das schreibt die Düngeverordnung vor, um Böden etwa vor zu viel Nitrat zu schützen. Hat der Bauer nicht genug Land, muss er sicherstellen, dass die Gülle andernorts fachgerecht ausgebracht wird. Er braucht einen Partner.

Landwirte suchen Abnehmer für ihre Gülle

Und manche Betriebe, die vom Ackerbau leben, können den natürlichen Dünger gut gebrauchen. Also wird Gülle gehandelt. Das klingt nach einem Hof mit großen Tanks und gewaltigem Gestank – sieht aber in der Praxis ganz anders aus. Bernd Stania sitzt in einem Ein-Mann-Büro im niedersächsischen Vechta , auf dem Schreibtisch stehen Computer-Monitore, in den Regalen Akten. Pausenlos klingelt das Telefon – Landwirte aus den Kreisen Vechta und Cloppenburg suchen Abnehmer für ihre Gülle. Zu sehen sind weder Misthaufen noch Transportfahrzeuge.

„Wir vermitteln nur. Wir bringen das zusammen, was zusammengehört“, sagt Stania, er ist Geschäftsführer der Naturdünger-Verwertungs GmbH. Sein Geschäft ist es, Handelspartner und Transport zu organisieren. Seit 1988 macht er den Job: „Mittlerweile ist das nicht mehr so einfach“, erklärt der Agrarexperte. Die Menge an Gülle habe zugenommen – Abnehmer zu finden, sei aber schwierig.

Naturwertstoffanlage in Velen geplant

Vor diesem Problem stehen auch viele Landwirte in der münsterländischen Veredlungsregion. Um die Güllemengen sinnvoll zu verwerten, plant die Firma“ Naturdünger Münsterland“ (NDM) in Velen eine „Naturwertstoffanlage“ zu errichten. Mit ihren ersten Plänen, eine riesige Biogas-Anlage ausschließlich mit Gülle zu betreiben, erlitt die NDM 2014 Schiffbruch. In der nun geplanten Naturwertstoffanlage, die auch als Regionale-Projekt angemeldet worden ist, soll es nun darum gehen, Gülle-Wertstoffe wie Phosphor, Stickstoff und Kalium zu extrahieren und wieder zuverwerten. 200.000 Tonnen Rinder- und Schweinegülle sollen dafür pro Jahr verwendet werden. Das Projekt gilt europaweit als einmalig.

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