Brandstiftungsprozess
Verteidiger geht mit Staatsanwalt hart ins Gericht

Gronau/Münster -

Drei Zeugen sollen die Richter davon überzeugen, dass einer der drei Angeklagten nicht in der Nacht vom 17. auf den 18. August in die Bardel gefahren ist, um dort in einer Scheune Feuer zu legen. Stattdessen soll der junge Mann damals erschöpft von einem langen Arbeitstag in der Landwirtschaft zu Hause in seinem Bett gelegen haben.

Montag, 05.12.2016, 14:56 Uhr

Das Landgericht in Münster.
Das Landgericht in Münster. Foto: dpa

Die Anhörung dieser Zeugen beantragte am Montag der Verteidiger des Angeklagten am Ende seines rund einstündigen Plädoyers. Die Richter folgten dem Antrag, die Zeugen sollen am Donnerstag gehört werden.

Zuvor war der Verteidiger in seinem Plädoyer mit dem Staatsanwalt, der Polizei und auch mit den Richtern hart ins Gericht gegangen. Er kritisierte, dass der Staatsanwalt für seinen Mandanten eine dreijährige Jugendstrafe ohne Bewährung gefordert hatte. Dabei habe er nämlich wesentliche Grundsätze des Jugendstrafrechts außer Acht gelassen.

Vorwürfe an die Ermittlungsarbeit der Polizei

Insbesondere die erzieherische Wirkung einer solchen Strafe sei höchst fragwürdig. Aber gerade auf dem Erziehungsprinzip basiere das Jugendstrafrecht. Insofern sei, sollte die Kammer seinen Mandanten verurteilen, nur eine Bewährungsstrafe sinnvoll.

Teile der Argumentation des Staatsanwalts, warum er den Angeklagten für schuldig halte, seien nicht fair gewesen und die Schlussfolgerungen „nicht auf der Höhe der aussagepsychologischen Diskussion“.

Die Ermittlungsarbeit der Polizei sei „wie auf Schienen“ gelaufen, weil die Beamten sich sicher gewesen seien, die Täter bereits zu haben. Deshalb seien Überprüfungen – zum Beispiel ein Gutachten zur Brandursache für das Feuer in der Bardel – versäumt worden.

Falsche Geständnisse

Der Kammer attestierte der Anwalt ein Urteil nach dem „Rosinenprinzip“. Man habe bei der Verurteilung der beiden Angeklagten im abgetrennten Verfahren nur die Wahrheiten herausgepickt, die gepasst hätten. Dem Gericht (nicht der Kammer) hielt er außerdem vor, durch die lange Verfahrensdauer gegen die EU-Menschenrechtskonventionen verstoßen zu haben.

Ein Vorwurf, den der Staatsanwalt in seinem Plädoyer bereits eingeräumt hatte. So lange mit den Anschuldigungen konfrontiert zu sein, habe alle Angeklagten schwer belastet, so der Anwalt. In Summe, so sein Fazit, seien die Zweifel an der Schuld seines Mandanten so groß, dass er auf Freispruch plädiere.

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Auch die anderen beiden Verteidiger hatten für ihre Mandanten jeweils auf Freispruch plädiert. Die Geständnisse, die ihre Mandanten bei der Polizei im Sommer 2011 gemacht haben, seien falsch. Außerdem seien ihre Mandanten nicht ausreichend belehrt worden, sodass deren Aussagen auch nicht verwendet werden dürften.

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