Klassifizierung der NRW-Airports
Flughafen Weeze vs. FMO: Die Neider vom Niederrhein

Düsseldorf/Greven -

Die von der Düsseldorfer Landes­re­gierung getroffene Unterscheidung in landesbedeutsame Flughäfen und Regional-Airports wollen die ­Be­treiber des Flughafens Weeze der EU-Kommission zur Prüfung vorlegen. „Diese Klassifizierung ist für Investoren ein abschreckendes Signal“, beklagte Flughafenchef Ludger van Bebber gestern in Düsseldorf eine diskriminierende Wirkung der Regel.

Montag, 05.12.2016, 19:20 Uhr

Klassifizierung der NRW-Airports : Flughafen Weeze vs. FMO: Die Neider vom Niederrhein
  Foto: -lisa-

Der Gang nach Brüssel ist sein einziges Mittel, um die auch von den Flughäfen Dortmund und Paderborn kritisierte Kategorisierung zu kippen. Gerichtlich könne er gegen diese im Landes­entwicklungsplan als Ziel fixierte Aussage nicht vor­gehen, obwohl sie ge­gen den Gleichheitsgrundsatz verstoße. Dass jede Entwicklung sich an landesbedeutsamen Airports orientieren müsse, sichere deren marktbeherrschende Stellung und sei kartellrechtlich problematisch.

Als für das Land relevante Flughäfen gelten Düsseldorf , Köln/Bonn sowie der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) in Greven. Vor allem im Münsterland beobachtet man van Bebbers Plan mit Sorgen. Sein Vorschlag: Es reiche, im Landesentwicklungsplan allen Flughäfen „eine bedarfsgerechte Entwicklung“ zu garantieren. Der mit Billigflieger Ryanair gewachsene Flughafen Weeze könnte mit seinen 1,9 Millionen startenden und landenden Passagieren punkten.

Wenn es eine neue Entwicklung gibt, ist das jederzeit anpassbar.

Nina Heil, Staatskanzlei

Dortmund liegt auf Augenhöhe, der FMO und Paderborn kommen auf weniger als die Hälfte. Van Bebber stützt sich auf Experten: Die Bremer Wirtschafts-Professorin Mechthild Schrooten kritisierte, der Landesentwicklungsplan beinhalte viele unklare Begriffe, die mühsam definiert werden müssen. NRW verliere dabei wertvolle Zeit. Eine Unterscheidung wie bei den Flughäfen müsse aber mit Fakten unterfüttert werden. Die Basis dafür sei mit dem im Jahr 2000 erstellten Luftverkehrs konzept veraltet, monierte Ju­­ra-Professor Joachim Sche­rer. Eine detaillierte und auf aktuellen Da­ten beruhende Begründung für eine so weit reichende Einschränkung fehle aber.

Winterflugplan 2016/2017: Alle Ziele ab FMO

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  • Neun Ziele werden im Winter 2016/2017 vom FMO aus direkt angeflogen.

    Foto: dpa, Montage: gap
  • Lanzarote: Dienstags fliegt Germania einmal nach Lanzarote und zurück.

    Foto: dpa
  • Frankfurt: Eine der Top-Destinationen des FMO. Lufthansa täglich mehrmals zu Deutschlands größtem Drehkreuz. Insgesamt bietet die Airline 27 Flüge pro Woche an. Zwischen den Jahren fallen viele Flüge weg.

    Foto: dpa
  • Gran Canaria: Germania fliegt mittwochs und sonntags von Greven nach Gran Canaria.

    Foto: dpa
  • Teneriffa: Die Kanaren-Insel ist freitags Ziel eines Germania-Flugs.

    Foto: dpa
  • Fuerteventura: Montag und Samstag steuert Germania Fuerteventura jeweils einmal an.

    Foto: dpa
  • Stuttgart: AIS-Airlines bedient diese Strecke und fliegt wochentags nach Stuttgart, bis auf Freitag sogar zweimal pro Tag. Achtung: Keine Flüge zwischen 22. Dezember 2016 und 8. Januar 2017.

    Foto: dpa
  • Mallorca: Die Urlaubsinsel fliegt Germania am Montag und Freitag jeweils einmal an.

    Foto: dpa
  • Antalya: Regelmäßg startet eine Sun-Express-Maschine nach Antalya. Bis 8. November 2016 täglich, danach an bestimmten Wochentagen.

    Foto: dpa
  • München: Kein Ziel wird so oft angeflogen wie München. 31 Flüge pro Woche bietet Lufthansa an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: dpa

Mag sein, darf aber so isoliert nicht gesehen werden, erklärte die Sprecherin der Staatskanzlei, Nina Heil, auf Nachfrage. Schließlich hänge das Luftfahrtkonzept des Lan­des eng mit dem des Bundes zusammen. Und solange Ber­lin seines nicht aktualisiert habe, mache es wenig Sinn, auf Landesebene solitär aktiv zu werden. Zu dem sei das Flughafen-Ranking im Entwurf des Landesentwicklungsplans nicht in Stein gegossen. „Wenn es eine neue Entwicklung gibt, ist das jederzeit anpassbar.“

Wobei die Klassifizierung in landesbedeutsam und regional wichtig sowieso eher eine fürs Papier ist. Faktische Vorteile haben die drei höher gerankten Airports dadurch nicht – abgesehen davon, dass sie in NRW jeweils auch die Deutschen Flug­sicherung beherbergen.

Weeze-Chef van Bebber will die Kategorien auch aus einem anderen Grund loswerden: „Ich erwarte eine faire Behandlung bei der ­In­frastruktur.“ Und er betont, keinem Flughafen werde es schaden. Der Landtag soll den Landesentwicklungsplan nächste Woche billigen. Van Bebbers Hoffnung ist, dass die nächste Landes­regierung den Plan ändert.

Kommentar

Geografische Harmonielehre

Landesbedeutsamer Flughafen ist ein großes Wort, das eigentlich keine praktischen Vorteile bietet. Trotzdem ist es nachvollziehbar, dass der im Landesentwicklungsplans nach wie vor nur als regionalbedeutsam eingestufte Flughafen Weeze  – nach Düsseldorf und Köln/Bonn in Sachen Passagierzahlen immerhin die Nummer drei in NRW –  auf diesen Titel schielt. Weil er gut klingt und damit gut ist fürs Renommee. Auch wenn der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) in ­Sachen Fluggastzahlen nur noch ein Schatten seiner selbst ist: Ihn im Airport-Rating als „landesbedeutsam“ zu klassifizieren, macht Sinn. Zum einen ist es der einzige Flughafen in Westfalen, der das Etikett trägt. Landesbedeutsam sind noch die Airports Düsseldorf und Köln/Bonn. Aus Gründen der geografischer Harmonielehre zeugt es von politischer Klugheit, daran festzuhalten. Hinzu kommt: Weeze befördert mit 1,9 Millionen Fluggästen zwar mehr als doppelt so viele wie der FMO. Außer Ferienziele hat der Billig-Airline-Airport aber nichts zu bieten. Zwar ist das Angebot des FMO auch eher dürftig. Er hat aber über die Drehkreuze zumindest eine Verbindung zu allen wichtigen Zielen. In Sachen Bedeutsamkeit ist das das größere Pfund.

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