Internet-Kriminalität
Hacker-Alarm im Mittelstand

Münster -

Der Digitalverband Bitkom schlägt Alarm: Obwohl die Zahl der Cyber-Attacken auf Unternehmen in Deutschland deutlich zugenommen hat, ist der Mittelstand nicht ausreichend dafür sensibilisiert. Das Ausmaß der Bedrohung hat die Uniklinik in Münster vor ein paar Tagen deutlich gemacht.

Donnerstag, 08.12.2016, 18:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.12.2016, 18:54 Uhr
 Kleine Betriebe haben die Gefahr der Internet-Kriminalität nicht richtig erkannt, warnt ein Sprecher des Verbands Bitkom.
 Kleine Betriebe haben die Gefahr der Internet-Kriminalität nicht richtig erkannt, warnt ein Sprecher des Verbands Bitkom. Foto: dpa

„Viele klein- und mittelständische Unternehmen haben die Gefahr der Internet-Kriminalität noch nicht realisiert“, sagte Bitkom-Sprecher Maurice Shahd auf Nachfrage.

Nach Angaben des Verbandes wurden in den vergangenen zwei Jahren 50 Prozent aller Unternehmen in Deutschland Opfer digita ler Wirtschaftsspionage, Sa­bota­ge oder Datendiebstahl. Am Donnerstag teilte der Industriekonzern Thyssenkrupp mit, Ziel eines großangelegten Hackerangriffs geworden zu sein. Die „Abwehrschlacht“ ha­be sechs Monate gedauert.

Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte, beläuft sich der wirtschaftliche Schaden durch Cyber-Kriminalität auf rund 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Das Ausmaß der Bedrohung hatte das Uniklinikum in Münster (UKM) vor ein paar Tagen deutlich gemacht. Danach wird das Klinikum täglich tausendfach attackiert. Dank hochgerüsteter Schutzmaßnahmen sei es „bislang aber noch zu keiner ernsthaften Attacke gekommen“. Cyber-Kriminelle hatten Anfang 2016 eine Klinik in Neuss lahmgelegt.

Während große Un­ter­neh­men das Problem erkannt und in ihre IT-Sicherheit investiert hätten, „gehen Mittelständler zu sorglos mit der Bedrohung um“, sagt auch Timo Kob, stellvertretender Bundesvorsitzender der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW) gegenüber unserer Zeitung. Für Prof. Sebastian Schinzel, IT-Spezialist der FH Münster handeln sie damit nicht nur fahrlässig, „sondern verletzten auch ihre kaufmännische Sorgfaltspflicht“.

Die Angreifer verschicken ihre Schad-Software ziellos und breit gestreut. So gebe es Server, die jede Zehntel­sekunde Viren ins weltweite Netz schössen, sagte Kob. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis nicht ausreichend gesicherte Betriebe getroffen würden.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4487802?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker