Mutmaßliche Drogenbande vor Gericht
Die Marihuana-Gärtner aus Wersen

Lotte-Wersen/Münster -

In Anlehnung an den derzeit laufenden Prozess gegen ein Trio wegen des Betriebs von Marihuanaplantagen in Lotte-Wersen und anderen Städten, müssen sich seit vergangener Woche drei weitere Angeklagte vor dem Landgericht Münster verantworten. 

Montag, 12.12.2016, 13:00 Uhr

Im Keller des Hauses in Lotte-Wersen wurde die erste professionelle Plantage angelegt und von den Angeklagten gepflegt, später auch im Obergeschoss des Hauses.
Im Keller des Hauses in Lotte-Wersen wurde die erste professionelle Plantage angelegt und von den Angeklagten gepflegt, später auch im Obergeschoss des Hauses. Foto: Polizei

Den Angeklagten wird zur Last gelegt, unerlaubt Betäubungsmittel in nicht geringer Menge, in einem Haus in Lotte-Wersen, angebaut zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeschuldigten im Alter von 39, 45 und 51 Jahren aus Lotte-Wersen und Bochum in insgesamt sechs Fällen als Mitglied einer Bande gehandelt haben.

Als der Plan zum illegalen Anbau von Marihuana gereift war, richtete etwa im Januar 2015 ein gesondert Verfolgter in dem voll unterkellerten Einfamilienhaus in Lotte eine professionell betriebene Marihuanaplantage ein, um das unter anderem von dem 39-jährigen Angeschuldigten abgeerntete Marihuana gewinnbringend veräußern zu können.

Einblicke in den Plantagenbetrieb

Ein weiterer Beschuldigter, der für die Beschaffung der Setzlinge zuständig war, gewann im September des Vorjahres den Angeschuldigten 51-Jährigen aus Bochum dazu. Gegenüber den Anwohnern spielte der Mann die Rolle eines Mieters. Gemeinsam mit dem 39-Jährigen übernahm er die Pflanzenpflege. Darüber hinaus sorgte der Bochumer für die Verpflegung der auf der Plantage Tätigen. Ein weiterer Angeklagter in einem gesonderten Verfahren sorgte unterdessen für den Absatz der Ernten.

Weil die Beteiligten einen fortlaufenden Plantagenbetrieb für eine unbestimmte Zeit vorsahen, holte der Angeklagte aus Bochum den Beschuldigten aus Lotte hinzu. 380 Setzlinge wurden für die komplett eingerichtete Plantage beschafft. So konnte etwa Mai/Anfang Juni 2015 erstmals geerntet werden.

Während des laufenden Plantagenbetriebs erhielt der 51-Jährige vereinbarungsgemäß 2000 bis 2500 Euro monatlich als Entlohnung. Was die beiden anderen als Lohn bekommen haben, ist nicht bekannt. Der Anbau wurde nach einer kurzen Pause fortgesetzt, die Setzlinge im Keller angepflanzt. Aus Angst vor Entdeckung wurden etwa 400 Pflanzen vorzeitig abgeerntet. Die Ausrüstung verblieb.

Weil die Sache wohl rund lief, wurde auch eine Plantage im Obergeschoss des Hauses angelegt. Nach erneuter Ernte wurden zusammen mit der Angeschuldigten 44-Jährigen – sie mimte gleichzeitig die Ehefrau des 51-Jährigen – neue Jungpflanzen eingetopft, bewässert und gedüngt. Der Anklage zufolge war allen Beschuldigten bewusst, dass die Ernteerträge für den Handel gedacht waren.

19.000 Euro für Strom

Am 10. Juni dieses Jahres griff die Polizei zu. Im Objekt Sperberweg in Wersen wurde im Rahmen der Durchsuchung die komplett eingerichtete Aufzuchtanlage aufgefunden und sichergestellt. Die Marihuanapflanzen befanden sich zu diesem Zeitpunkt in unterschiedlichen Wachstumsphasen. Ein Teil der 1261 Pflanzen stand kurz vor der Aberntung.

Hochgerechnet dürften 30 bis 40 Kilogramm Marihuana gewinnbringend zum Weiterverkauf bestimmt gewesen sein. Durch Manipulation war der gesamte Strombedarf gewährleistet. Somit entstand dem Stromversorger pro Ernte ein Schaden von rund 19.000 Euro.

Die Angeklagten signalisierten am ersten Prozesstag ihre Bereitschaft, sich am 29. Dezember zum Tatvorwurf einzulassen.

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