Schwertransporte richten Schäden an
Ärgerliche Plattentektonik

Westerkappeln -

Nacht für Nacht rollen Schwertransporte durch den Kreisverkehr an der Haubreede in Westerkappeln. Nacht für Nacht müssen Heike und Friedrich Ebke, die direkt am Kreis wohnen, den Lärm erdulden. Grundsätzlich kein Problem, wären da nicht solche Fahrer, die Schäden anrichten, und sich dann einfach aus dem Staub machen.

Freitag, 03.02.2017, 12:07 Uhr

Um etliche Meter hat ein Schwertransporter die dicke Stahlplatte mitgeschleift und in das Grundstück von Heike und Friedrich Ebke geschoben. Auf dem Schaden bleiben sie vermutlich wieder sitzen, weil der Verursacher flüchtete.
Um etliche Meter hat ein Schwertransporter die dicke Stahlplatte mitgeschleift und in das Grundstück von Heike und Friedrich Ebke geschoben. Auf dem Schaden bleiben sie vermutlich wieder sitzen, weil der Verursacher flüchtete. Foto: Frank Klausmeyer

Heike und Friedrich Ebke haben seit Wochen unruhige Nächte. Ständig bollert es vor ihrem Grundstück an der Wilhelmshöhe. Vergangene Nacht schepperte es mal wieder richtig. „Ich stehe schon gar nicht mehr auf, um zu gucken, was los ist“, sagt Friedrich Ebke genervt. „Dann könnte ich mir gleich ein Bett an den Kreisel stellen.“ Die jüngste Bescherung konnte er am Donnerstagmorgen in Augenschein nehmen. Erneut klafft ein großes Loch im Gartenzaun.

Ebkes Grundstück grenzt direkt an den Kreisverkehr Haubreede, durch den sich seit Beginn der Bauarbeiten für die Dütetalbrücke auf der A 1 Nacht für Nacht Schwer- und Spezialtransporte bewegen. Was die Polizei dieser Tage in einem anderen Zusammenhang mit „ein paar“ solcher Fahrzeugbewegungen umschrieb, sind nach Beobachtungen von Heike und Friedrich Ebke aber dann doch ein paar mehr. Jede Nacht rollten 25 bis 30 Schwertransporte durch den Kreisel. Ab 9 Uhr abends geht es schon los.

Über die genaue Zahl der täglichen Schwertransporte kann das Straßenverkehrsamt keine Auskunft geben. Es gebe solchen Spezialverkehr mit und ohne Polizeibegleitung. Für nicht polizeibegleitete Transporte gebe es daher keine tagesaktuellen Daten. „Die von Anwohnern wahrgenommenen Zahlen halten wir bei dem Verkehrsaufkommen in bestimmten Nächten aber nicht für unrealistisch“, sagt Kirsten Wessling, Pressesprecherin beim Kreis Steinfurt.

Grundsätzlich finden Ebkes diesen Umleitungsverkehr nicht problematisch, wären da nicht solche Fahrer, die Schäden anrichten, und sich dann einfach aus dem Staub machen.

Umleistungsstrecken

Die Autobahn 1 ist wegen der beschädigten und nur noch begrenzt belastbaren Dütetalbrücke für Schwertransporte über 44 Tonnen schon seit Jahren gesperrt.

Es gibt nach Angaben des Straßenverkehrsamtes Kreis Steinfurt eine Umleitungsstrecke in Süd-Nord-Richtung im Lotter Kreuz von der A 1 auf die A 30, dann von der Abfahrt Lotte/Velpe über den Hansaring (L 597) auf die K 25 (Lotter Straße) Richtung Westerkappeln durch den Kreisverkehr an der Haubreede über die L 595 wieder zur A 1-Anschlussstelle Osnabrück-Hafen.

In Nord-Süd-Richtung gibt es zwei Umleitungsstrecken: Die erste ist für Dauererlaubnisse eingerichtet und führt von der A 1 Osnabrück-Hafen auf die L 595 nach Westerkappeln und von dort über die L 584 (Velpe-Handarpe) auf die K 81 (Industriestraße) zur A 30 (Auffahrt Lotte) wieder zur A 1 im Lotter Kreuz. Die zweite Umleitungsstrecke ist für Einzelerlaubnisse eingerichtet und führt die Schwertransporte von der A 1 Osnabrück-Hafen zur L 595 nach Westerkappeln und über die L 597 zur A 30 nach Lotte.

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Im Kreisel Tecklenburger Straße/Wilhelmshöhe/Lotter Straße liegen an einigen Stellen am äußeren Fahrbahnrand dicke Stahlplatten, um den weichen Untergrund zu schützen, wenn die Räder der tonnenschweren Spezialfahrzeuge über die Fahrbahn hinaus schießen. Die Stahlplatten sind jedoch nicht weiter befestigt. Dies kann dann dazu führen, dass ein Schwertransporter sie einfach verschiebt. So geschehen Ende November, als dadurch eine Straßenlaterne aus dem Pflaster gerissen wurde und diese auf den Zaun der Ebkes fiel. Den Sachschaden bezifferte die Polizei seinerzeit auf rund 5000 Euro.

So geschehen auch in der Nacht zu Donnerstag, als eine Stahlplatte sich in den Zaun schob, den Friedrich Ebke nur provisorisch geflickt hatte. Damals wie jetzt kam die Polizei vorbei, notierte den Vorgang und leitete Ermittlungen gegen Unbekannt ein. Denn der Verursache ist offensichtlich auch dieses Mal einfach weitergefahren. „Das verstehe ich nicht“, sagt Heike Ebke, „die haben doch auch Begleitfahrzeuge dabei.“

Zur Unfallflucht im November hat Familie Ebke vor einigen Tagen Post von der Polizei bekommen. Schriftlich sei mitgeteilt worden, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, weil der Verursacher nicht mehr zu ermitteln sei. Auf dem Schaden bleiben Ebkes damit sitzen. Die Reparatur des Zaunes koste rund 500 Euro, ärgert sich Friedrich Ebke, der bereits ein Angebot eingeholt hat.

Auch die Gemeinde Westerkappeln ist die Dumme: Eine neue Straßenlaterne werde sicher einige Tausend Euro kosten, sagt Günter Rahmeier vom Ordnungsamt. Eine Versicherung gebe es dafür nicht.

Als Straßenbaulastträger steht der Landesbetrieb Straßen NRW in der Verantwortung. Ob und was dieser gegen die ärgerliche Plattentektonik zu tun gedenkt, ist offen. Eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung blieb zumindest am Donnerstag unbeantwortet.

„Eigentlich sollte man den Landesbetrieb anzeigen“, meint ein anderer Westerkappelner, der sich wie die Ebkes über die Situation aufregt. „Das ist doch eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht.“ Auch Friedrich Ebke sieht das so, zumal vor allem Radfahrer in Gefahr seien, wenn die stählernen Tafeln mitten auf dem Radweg liegen.

Den nächtlichen Schwerlastverkehr müssen Ebkes indes wohl noch lange ertragen: Die geschätzte Bauzeit für die Dütetalbrücke und damit die Dauer der Umfahrung betrage mindestens noch vier Jahre, heißt es beim Straßenverkehrsamt.

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