Von Alaska bis Feuerland
Karolin Kracht und Philipp Wülfing touren im alten Landrover durch Amerika

Drensteinfurt -

Viel Zeit haben Karolin Kracht und Philipp Wülfing in den vergangenen Wochen in ihr Projekt investiert. Am Rosenmontag ging es endlich los: Ihr 25 Jahre alter Landrover wurde nach Hamburg gebracht. Per Schiff geht es von dort aus nach Kanada. In zwei Jahren wollen die beiden mit dem Kult-Auto den Kontinent durchqueren.

Montag, 27.02.2017, 23:59 Uhr
Das Zuhause für die kommenden zwei Jahre hat vier Räder: Mit diesem 25 Jahre alten Landrover wollen Karolin Kracht und Philipp Wülfing den gesamten amerikanischen Kontinent durchqueren.
Das Zuhause für die kommenden zwei Jahre hat vier Räder: Mit diesem 25 Jahre alten Landrover wollen Karolin Kracht und Philipp Wülfing den gesamten amerikanischen Kontinent durchqueren. Foto: Dietmar Jeschke

„Ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.“ Erhard Kracht kann sich noch genau an den Moment erinnern, als das künftige „Zuhause“ seiner Tochter Karolin und ihres Freundes Philipp Wülfing zum ersten Mal in der Einfahrt des Einfamilienhauses am Felsbusch parkte. „Ein Schrotthaufen“, so der Drensteinfurter weiter. Davon ist mittlerweile aber nichts mehr zu sehen.

Der 25 Jahre alte Landrover „Defender“ strahlt in neuem Lack – und ist fertig für die große Reise. Am Rosenmontag ging es zunächst nach Hamburg. Und von dort wird der „Landi“ auf dem Schiff den Atlantik überqueren. Das Ziel: Halifax , die Hauptstadt der kanadischen Provinz Nova Scotia , wo Karolin und Philipp ihren Gelände-Camper in Empfang nehmen werden. Zwei Jahre wollen sie sich danach Zeit nehmen, um den kompletten Kontinent zu durchqueren – von Alaska bis Feuerland.

Auto komplett zerlegt

Dass es nun tatsächlich losgeht, hätte Vater Erhard Kracht vor wenigen Wochen kaum gedacht. Denn das englische Kult-Mobil, das Philipp Wülfing über das Internet bei einem Händler in Unna für schlappe 4000 Euro aufgetan hatte, hat sein Leben eigentlich bereits hinter sich. Türen durchgerostet, Lenkung defekt und das Fahrwerk Schrott: „Es musste wirklich alles neu gemacht werden“, erzählt Philipp Wülfing. Damit aber nicht genug: Denn vom „Selbstschrauben“ hatte der freiberufliche Kommunikationsdesigner eigentlich ebenso wenig Ahnung wie seine Freundin – sie ist studierte Wirtschaftsingenieurin. Entsprechend war guter Rat teuer. Hilfe fanden die Beiden schließlich im Bekanntenkreis.

Denn der Vater eines Kumpels betreibt eine Autowerkstatt. Das allerdings nicht wirklich um die berühmte „Ecke“, sondern im gut 1700 Kilometer entfernten Serbien. Dort wurde der alte Rechtslenker in nur zwei Wochen einer gründlichen „Rosskur“ unterzogen, inklusive neuem Fahrwerk, neuer Lenkung, neuem Getriebe und neuem Tank. „Das Auto wurde wirklich komplett zerlegt“, erzählt Wülfing. Was fehlte, waren allerdings noch intakte Türen. Doch auch die trieben Kracht und ihr Partner nach einiger Recherche auf.

Und zwar auf einem englischen Schrottplatz, wo eine ganz Batterie ausgemusterter griechischer Firmenwagen des englischen Herstellers auf ihre Verwertung wartete. „Die Engländer konnten aber überhaupt nicht verstehen, was wir mit so einem Auto wollen. ,Ihr habt doch Mercedes‘, hat man uns gesagt“, lacht der gebürtige Wuppertaler.

Weihnachten feiern wir zusammen in Banff.

Erhard Kracht

Nachdem technisch wieder alles „fit“ war, ging es schließlich an den behaglichen Innenausbau – samt neuer Verkabelung, neuem Dachhimmel, Betten und fließend Wasser. Denn schließlich wird der „Defender“ für die kommenden zwei Jahre so etwas wie der Lebensmittelpunkt der beiden Abenteurer sein, die ihre eigene Wohnung übrigens schon vor einiger Zeit aufgeben haben. Bis ihr mobiles Zuhause auf dem amerikanischen Kontinent ist, residieren sie im Keller von Erhard Kracht im Adenauer-Gebiet.

In Amerika selbst erwartetet Wülfing und Kracht übrigens kein „Urlaub“. Denn auch wenn sie für den Trip ihres Lebens einiges zusammengespart haben, so reicht es nicht, um davon zwei Jahre lang zu leben. Entsprechen lautet der Titel ihres Projekts „Work and Travel“. Das heißt, sie werden sich immer wieder mal neue Jobs suchen – und haben dabei auch schon konkrete Ideen. „Ich würde gerne mal in einer Bar arbeiten“, so Philipp Wülfing. „Denn da gibt´s bekanntlich die meisten Trinkgelder.“

Generalprobe gemeistert

Ihre Reiseroute wird sie zunächst von Ost nach West führen. Von Nova Scotia aus führt der Weg in Richtung Rocky Mountains, wo das Paar gerne den nächsten Winter verbringen möchte. Im Frühjahr 2018 steht dann der „Sprung“ nach Alaska auf dem Programm. Und von dort aus soll es schließlich die berühmte Panamericana hinunter bis nach Feuerland gehen.

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Wer die beiden Abenteurer in den kommenden Jahren „begleiten“ möchte, der hat dazu auf ganz einfache Art und Weise Gelegenheit. Denn unter www.thesunnyside.de findet sich ein eigens eingerichteter Youtube-Kanal, auf dem sie regelmäßig aus der „Neuen Welt“ berichten werden.

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Ein Wiedersehen mit der Familie ist übrigens auch schon geplant. „Weihnachten feiern wir zusammen in Banff“, hat Vater Erhard Kracht bereits konkrete Pläne für eine Reise in die kanadische Provinz Alberta geschmiedet. „Wenn wir denn bis dahin dort sind“, schmunzelt Philipp Wülfing.

Seine Generalprobe hat das Paar übrigens bereits erfolgreich gemeistert. Denn hinter beiden liegt schon ein mehrere Tausend Kilometer langer gemeinsamer Trip durch den australischen Kontinent – in einem ziemlich heruntergekommenen Auto, das sie vor Ort erworben hatten.

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