Landgericht Münster verurteilt Trio aus Wersen
Freiheitsstrafen für Marihuana-Gärtner

Lotte/Münster -

Wegen der Mithilfe beim Betreiben einer Marihuana-Plantage in Lotte-Wersen sind zwei Männer und eine Frau zu langen Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Freitag, 10.03.2017, 17:13 Uhr

Die Marihuana-Plantage in Wersen
Die Marihuana-Plantage in Wersen Foto: Michael Gründel

Sie wollten Schulden abtragen und ihre Familienangehörigen finanziell über die Runden bringen. Auf die Hoffnung „sorgenfrei“ leben zu können, folgte jetzt Ernüchterung. Das Landgericht in Münster verurteilte die beiden Männer im Alter von 39 und 52 Jahren und eine 44-jährige Frau zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und neun sowie drei Jahren und vier Monaten. Das Trio hatte sich wegen Beihilfe zum bandenmäßigen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln (Marihuana) in nicht geringer Menge strafbar gemacht.

Nach den Feststellungen des Gerichts und der geständigen Einlassung aller Angeklagten, sah es die große Strafkammer als erwiesen an, dass das Trio von Januar 2015 bis zu ihrer Festnahme im Juni 2016 rund um die Indoor-Plantage in verschiedenster Weise tätig waren. Dafür kassierte der 52 Jahre alte Familienvater bis zu 2000 Euro monatlich. Den Mitangeklagten soll nur ein geringer Betrag ausgezahlt worden sein, da sie zunächst zum Teil hohe Schulden abarbeiten mussten.

1261 Pflanzen kurz vor der Ernte

Allen war bewusst, dass die von ihnen unterhaltenen und abgeernteten Marihuanapflanzen zum gewinnbringenden Weiterverkauf bestimmt waren, hieß es in der Urteilsbegründung der Strafkammer.

Im Jahr 2015 richtete ein gesondert Verfolgter in dem voll unterkellerten Einfamilienhaus in Lotte-Wersen eine professionelle Marihuanaplantage ein, um die Ernte gewinnbringend weiterverkaufen zu können. Mehrfach wurde neu gepflanzt. Die Angeklagten halfen beim Umtopfen, bewässerten und düngten die Pflanzen.

Bei der Durchsuchung am 10. Juni 2016 wurde in dem Objekt in Lotte-Wersen eine im gesamten Ober-und Untergeschoss eingerichtete Aufzuchtanlage sichergestellt. Ein Teil der insgesamt 1261 Marihuanapflanzen stand kurz vor der Ernte. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der im Zeitpunkt der Durchsuchung sichergestellten Pflanzen ergibt sich danach eine Gesamtmenge von über 25 Kilogramm.

Verteidiger plädiert auf milde Strafe

Die Biografie 39 und 44 Jahre alten Angeklagten offenbarte ihre ärmlichen Verhältnisse. Schluchzend berichtete die 44-Jährige von persönlichen Schicksalschlägen. Nach einem schweren Unfall ihres Ehemanns, einer Insolvenz, der den Verkauf ihres Hauses nach sich zog, stand die Familie der Mutter von zwei Kindern vor dem Nichts. In der illegalen Gärtner-Arbeit sah sie die einzige Chance, ihre Familie zu versorgen.

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Während der Staatsanwalt Haftstrafen zwischen dreieinhalb und vier Jahren beantragt hatte, plädierten die Verteidiger auf eine milde Strafe. Die beiden 39- und 44-Jährigen wären die klassischen Arbeiter gewesen, die nach draußen nicht aufgetreten seien.

Bei der Strafzumessung berücksichtigte das Gericht das Geständnis der Angeklagten. Davon profitierte insbesondere der 52-Jährige. Er hatte schon frühzeitig bei der Polizei ein Geständnis abgelegt und weitergehende Aussagen gemacht. Die Haftfortdauer gegen ihn wurde außer Vollzug gesetzt.

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