Rat beschließt Kino-Projekt
SPD: „Nur die zweitbeste Lösung“

Lüdinghausen -

Die Entscheidung des Rates, das Grundstück an der Konrad-Adenauer-Straße an die Apollon Immobilien GmbH zu verkaufen, um dort das Kino-Projekt Realität werden zu lassen, stößt bei den Fraktionen auf eine sehr unterschiedliche Bewertung.

Samstag, 08.04.2017, 07:00 Uhr

Viele Lüdinghauser wollten sich die Entscheidung um die Vergabe des Kino-Grundstücks im Rat nicht entgehen lassen.
Viele Lüdinghauser wollten sich die Entscheidung um die Vergabe des Kino-Grundstücks im Rat nicht entgehen lassen. Foto: Peter Werth

Am Tag nach der Entscheidung des Stadtrates herrschte bei vielen Kommunalpolitikern Erleichterung darüber, dass der Weg für ein Kino jetzt frei ist. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung am Donnerstagabend hatten sich 19 Politiker für den Verkauf des städtischen Grundstücks an der Konrad-Adenauer-Straße an die Apollon Immobilien GmbH ausgesprochen, 13 stimmten dagegen. Zudem gab es eine Enthaltung (die WN berichteten). Damit ist klar, dass mindestens zwei Oppositionspolitiker aus den Reihen der Grünen, der SPD oder der UWG für das Apollon-Projekt gestimmt haben müssen. Denn CDU und FDP kamen gemeinsam mit dem Bürgermeister an diesem Abend zusammen nur auf 17 Sitze. CDU-Ratsherr Michael Merten nahm als Mitgesellschafter von Apollon Immobilien wegen Befangenheit weder an der Abstimmung noch an der Ratssitzung teil.

Wir bekommen endlich ein Kino.

Gregor Schäfer (FDP)

Bernhard Möllmann machte keinen Hehl daraus, dass er nicht nur erleichtert, sondern „hoch erfreut darüber ist, dass am Ende alles gut ausgegangen ist“, wie der CDU-Fraktionschef gegenüber den WN betonte. Und er fügte hinzu: „Mit der Entscheidung für das Projekt von Apollon in Kombination mit K-Motion als Kino-Betreiber sind wir nach einer langen Odyssee da gelandet, wo wir vor zwei Jahren gestartet sind.“ Auch Möllmanns Pendant von der FDP, Gregor Schäfer, jubelte ob der Entscheidung: „Wir bekommen endlich ein Kino.“ Mit Blick auf die Pläne für die fünf Kinosäle und das Supermarktgebäude sieht Schäfer allerdings noch Optimierungsbedarf. „Den Vortrag des Architekten Eckhard Scholz vom Gestaltungsbeirat fand ich sehr gut. Wenn er bereits zu einem früheren Zeitpunkt eingeladen worden wäre, hätte das sicherlich die eine oder andere Emotionalität aus der Diskussion rausgenommen“, so Schäfer.

Wir haben jetzt die zweitbeste, nicht die beste Lösung.

Michael Spiekermann-Blankertz (SPD)

Für Michael Spiekermann-Blankertz (SPD) kam die Entscheidung am Donnerstagabend nicht überraschend. Denn: In seiner Fraktion fehlte Susanne Havermeier krankheitsbedingt. Damit war die Opposition in der Unterzahl. „Wir haben jetzt die zweitbeste, nicht die beste Lösung“, bewertete Spiekermann-Blankertz das Abstimmungsergebnis. „Wir als SPD wollten ein Kino, keinen Kindergarten auf dem Dach eines Supermarktes und einen adäquaten Preis für das Grundstück – damit haben wir einen Großteil erreicht.“ Er wertete es als Verdienst der SPD, dass es überhaupt ein Verfahren mit zwei Wettbewerbern gegeben habe und das städtische Areal nicht „für einen Appel und ein Ei“ verkauft worden sei.

In den Augen von Peter Mönning ist das Abstimmungsergebnis „bedauerlich“. Denn die Grünen hätten dem Konzept der Assmann/Lorenz-Gruppe mit Wohnungen an der Stelle mehr abgewinnen können. „Letztlich haben wir immer wieder das Problem, dass hier in Lüdinghausen die gleichen zwei bis drei Firmen bei derartigen Projekten zum Zuge kommen. Das hat an der Stelle schon ein Geschmäckle“, sagte Mönning.

Das hat an der Stelle schon ein Geschmäckle.

Peter Mönning (Grüne)

Mindestens genauso enttäuscht zeigte sich der UWG-Fraktionsvorsitzende Markus Kehl. „Wir sind grundsätzlich für ein Kino. Jetzt aber hat das wirtschaftlich schlechtere Angebot gewonnen. Der schwarze Filz hat sich wieder durchgesetzt“, betonte Kehl. Mit Blick auf die Abweichler fügte er hinzu: „Es wäre ein gutes Zeichen gewesen, noch einmal einheitlich als Opposition aufzutreten.“

Gänzlich gegenteilig bewertete Bürgermeister Richard Borgmann die Abstimmung: „Einige haben erkannt, was für die Stadt auf dem Spiel steht.“ Mitentscheidend für das Ergebnis sei sicher auch die pointierte Vorstellung und Bewertung der Pläne der beiden Investorengruppen durch den Architekten Eckhard Scholz als Vertreter des Gestaltungsbeirats gewesen. Er freue sich, dass das Kino mit dem hamburger Unternehmen K-Motion realisiert werde.

Dessen Mitgesellschafter Christof Gläser hatte für den Zuschlag nur drei Worte übrig: „Toll, toll, toll.“ Rund zwei Millionen Euro will K-Motion in Lüdinghausen investieren und ab 2019 sein bundesweit 15. Kino betreiben, so Gläser.

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