Start der Spargelsaison
„Schock-Stangen“ sprossen im März

Lüdinghausen -

Als die ersten Spargeltriebe im März und damit drei Wochen eher als geplant aus den Erdwällen hervorblickten, weilten die polnischen Saisonkräfte noch in ihrer Heimat. Mittlerweile läuft die Spargelernte auf Gut Forstmannshof im vollen Gange, die Nachfrage ist hingegen noch verhalten.

Dienstag, 11.04.2017, 08:00 Uhr

Die „Spargelspinne“ deckt die zwei Folien vom Damm ab, sodass Kamil Szczypior die Stangen abstechen kann. Zehn Helfer arbeiten derzeit auf den Spargelfeldern der Familie Böcker.
Die „Spargelspinne“ deckt die zwei Folien vom Damm ab, sodass Kamil Szczypior die Stangen abstechen kann. Zehn Helfer arbeiten derzeit auf den Spargelfeldern der Familie Böcker. Foto: nit

Von „Schock-Stangen“ spricht Agnes Böcker, wenn sie sich an den ersten Spargel der Saison erinnert. „Im März war das Wetter so gut, dass der Spargel einen Wärmeimpuls erlebte“, sagt sie. Am 27. März – „so früh wie noch nie“ – war es dann bereits soweit: Die ersten Stangen blickten aus der Erde hervor und stressige Tage für die Böckers und ihr Team begannen.

Denn eigentlich sollten die polnischen Saisonkräfte in der Woche nach Ostern anrücken, sodass Agnes Böcker und ihre Familie bei verminderter Geschwindigkeit erst einmal selbst an den Maschinen standen. Trotz Jobs in der Heimat konnten die Helfer eher anreisen, sodass die Spargelernte auf dem Gut Forstmannshof jedoch mittlerweile im vollen Gange ist.

Folien für eine konstante Ernte

Zehn Mitarbeiter ziehen mit Unterstützung der „Spargelspinnen“ ihre Bahnen auf den Feldern Richtung Selm. Die blauen Maschinen nehmen die beiden wiederverwendeten Folien auf, die über die Dämme gespannt sind. „Dank der Folien können wir den Kunden

konstant Spargel zu einem bezahlbaren Preis anbieten“, erklärt Vorarbeiter Jarek Mirek. Sollten kältere Tage anstehen, dann sorgt die absorbierende schwarze Seite der unteren Folie sowie die sich erwärmende Luft im Tunnel zwischen erster und zweiter Folie dafür, dass der Spargel dennoch wächst.

Handy-App überwacht Temperaturen

Über eine App auf dem Handy kann er in Echtzeit die Temperaturen an vier verschiedenen Höhenstellen des Erdwalls einsehen, denn schon wenige Grad bestimmen über die Qualität der jungen Triebe. „Wenn der Damm zu warm ist, dann kann der Spargelkopf schon aufgehen und die Stange violett werden“, so Mirek. „Und solche Aufblüher sind eigentlich nicht mehr zu verkaufen.“

Die Spargelnachfrage ist aktuell noch verhalten.

Agnes Böcker

Etwa 90 Prozent der Verkäufe auf dem Gut Forstmannshof fallen auf den weißen Spargel. „Grünen Spargel bauen wir selbst nicht an, sondern kaufen ihn hinzu“, sagt Agnes Böcker. „Er ist vom Handling her deutlich aufwendiger, da er anfälliger für Krankheiten ist.“ Die zehn Hektar großen Flächen werfen täglich eine Tonne der – im besten Fall – quietschenden Stangen ab.

Spargel hält sich im Kühllager bis zu fünf Tage

Eine nicht unerhebliche Anzahl von ihnen landet in diesen Tagen im Kühllager, wo sie sich bis zu fünf Tage halten. „Die Spargelnachfrage ist aktuell noch verhalten“, berichtet Böcker. „Aber wir rechnen damit, dass das Kühlhaus zu Ostern leer sein wird.“ Ein Kilo Spargel in der höchsten Qualitätskategorie kostet derzeit etwa zehn Euro.

Für Jarek Mirek wäre das übrigens am Anfang seiner Tätigkeit auf dem Feld ein zu hoher Preis gewesen. „Erst wollte ich keine 50 Cent für Spargel ausgeben“, erzählt er. „Die Meinung habe ich mittlerweile aber geändert.“ So sei er nun ein Spargelliebhaber.

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