BVB-Fan erlebt Reaktion auf Anschlag mit
Angespannte Ruhe im Stadion

Senden/Dortmund -

Als eingefleischter BVB-Fan hat Michael Venghaus die Ereignisse nach dem Anschlag auf den Borussia-Bus im Stadion miterlebt.

Mittwoch, 12.04.2017, 16:07 Uhr

Das Stadion wurde am Dienstagabend nach dem Anschlag auf den BVB-Bus geräumt. Zu Unruhe oder Panik sei es dabei nicht gekommen, schildert ein Fan aus Senden.
Das Stadion wurde am Dienstagabend nach dem Anschlag auf den BVB-Bus geräumt. Zu Unruhe oder Panik sei es dabei nichtgekommen, schildert ein Fan aus Senden. Foto: imago/Langer/Eibner-Pressefoto/Peter Schatz

Ein entspannter Abend mit spannendem Sport sollte es werden. Für Michael Venghaus, einer der eingefleischten BVB-Fans aus Senden, kam es am Dienstag Abend aber ganz anders. Schon als er sich dem Stadion näherte, fiel ihm auf, dass sich Polizeiwagen und Beamte auf Motorrädern geballt unter Blaulicht in Bewegung setzten. Sie fuhren von der Arena weg. Weshalb Venghaus zuerst in den Sinn kam, dass die Kräfte zu einem schweren Verkehrsunfall gerufen worden seien. „Ich habe das nicht mit einem Anschlag in Verbindung gebracht“, erinnert sich der Dauerkarten-Inhaber.

Explosion in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses

1/25
  • Trotzreaktion: Eine Besucherin am Dienstagabend im leeren Stadion.

    Foto: dpa
  • Der Mannschaftsbus des BVB wurde bei der Fahrt zum Champions-League-Viertelfinale gegen AS Monaco mit drei Sprengsätzen attackiert.

    Foto: dpa
  • Sven Bender und Nuri Sahin (v.l.) verfolgen mit ernster Miene den Polizeieinsatz.

    Foto: dpa
  • Wie geht es weiter? Der Trainer von Borussia Dortmund, Thomas Tuchel (2.v.r.), blickt auf sein Smartphone.

    Foto: dpa
  • Da war noch alles in Ordnung: Mitglieder der Fußball-Mannschaft von Borussia Dortmund und des Betreuerstabes stehen in der Nähe des Teamhotels „L‘Arivee“ um Trainer Thomas Tuchel herum.

    Foto: dpa
  • Kurz vor der Abfahrt zum Stadion: Spieler von Borussia Dortmund, darunter Pierre-Emerick Aubameyang (l) vor dem Mannschaftshotel.

    Foto: dpa
  • Der Bus von Borussia Dortmund steht mit einer beschädigten Scheibe an einer Straße in unmittelbarer Nähe des Mannschaftshotels.

    Foto: dpa
  • BVB-Verteidiger Marc Bartra, der hinten im Bus saß, und ein Polizist, der die Mannschaft auf einem Motorrad begleitete, wurden verletzt.

    Foto: dpa
  • Der Tatort wurde am Abend abgeriegelt.

    Foto: dpa
  • Eine Anzeigetafel im Stadion informiert über einen Vorfall mit dem Mannschaftsbus des BVB. 

    Foto: dpa
  • Die Fans versuchen über ihre Smartphones an mehr Informationen zu kommen oder Kontakt zu Familie und Freunden aufzunehmen.

    Foto: dpa
  • BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist die Sorge anzusehen: 15 Minuten vor dem geplanten Spielbeginn wird die Partie abgesagt.

    Foto: dpa
  • Im Stadion wird die Entscheidung verkündet: Das Spiel wird am Mittwoch um 18.45 Uhr nachgeholt.

    Foto: dpa
  • Schwere Stunden für den BVB: Stadionsprecher Norbert Dickel (l.) Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (r.) im Stadion.

    Foto: dpa
  • Gespenstische Szene: Im nahezu leeren Stadion legt die Mannschaft des AS Monaco gegen 21.30 Uhr noch eine Trainingseinheit ein.

    Foto: dpa
  • Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange bei einer Pressekonferenz am späten Abend: Wir gehen von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus.

    Foto: dpa
  • Staatsanwältin Sandra Lücke erklärt, dass in der Nähe des Busses ein mögliches Bekennerschreiben gefunden wurde. „In dem Schreiben wird Verantwortung für Tat übernommen.“

    Foto: dpa
  • Die ganze Nacht hindurch wurde am Tatort nach Spuren gesucht.

    Foto: dpa
  • Die Sprengsätze waren nach ersten Erkenntnissen der Polizei in einer Hecke versteckt.

    Foto: dpa
  • Dortmund-Fans boten unter dem Hashtag #bedforawayfans Schlafplätze an. So auch BVB-Fan Stefan Kilmer (M.), der dieses Selfie mit Anhängern des AS Monaco bei Twitter postete.

    Foto: Stefan Kilmer/dpa
  • Am Mittwochmorgen wird das Mannschaftshotel des BVB von einem großen Polizeiaufgebot gesichert.

    Foto: dpa
  • Mit Maschinenpistolen bewachen Polizisten den Tatort.

    Foto: dpa
  • Das Nachholspiel am Mittwochabend wird unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen stattfinden. So dürfen keine Rucksäcke mit in den Signal-Iduna-Park genommen werden.

    Foto: dpa
  • Auch das Trainingsgelände des BVB steht am Mittwoch unter besonderer Bewachung.

    Foto: dpa
  • Ein ursprünglich für Mittwoch angesetztes öffentliches Training fällt aus.

    Foto: dpa

Anschlag-Nachricht macht schnell die Runde

Erst etwas später wurde dem Sendener klar, dass gegen 19.15 Uhr Explosionen den BVB-Bus getroffen haben. Diese Nachricht machte in Chatforen der Dortmund-Fans die Runde und verbreitete sich schnell auf Medien-Portalen. Dass die Internetverbindung stabil lief, wertet Venghaus als wichtigen Vorteil, denn so hätten die Gäste im Signa-Iduna-Park Zugriff auf Informationsquellen gehabt. „Dadurch konnten sich keine Gerüchte aufschaukeln“, beschreibt der BVB-Anhänger den Vorteil, nicht vom Netz abgehängt zu sein.

Die waren ziemlich in Sorge.

Michael Venghaus über seine Familie und Freunde

Via WhattsApp nahmen aber auch die Familie und viele Freunde mit dem Sendener Kontakt auf, die wusste, dass der Stammgast sich diese Partie nicht entgehen lassen würde. „Die waren ziemlich in Sorge“, beschreibt Venghaus die Reaktionen aus seinem Umfeld. Für ihn selbst, der alleine unterwegs war, unterstreicht er: „Ich habe mich auf gar keine Weise bedroht oder unsicher gefühlt.“

Im Signal-Iduna-Park habe „angespannte Ruhe“ geherrscht. Die Ränge seien aber nur etwa halb gefüllt gewesen, offenbar seien viele Ticket-Besitzer gar nicht mehr gekommen, vermutet der 51-Jährige.

„Überraschend“ – keine größere Unruhe im Stadion

Den Gästen in dem Fußball-Palast sei früh klar gewesen, dass das Champions-League-Spiel angesichts der Ereignisse nicht mehr angepfiffen würde. Leuchttafeln in der Arena und Durchsagen von Stadionsprecher Norbert Dickel hätten dazu beigetragen, dass keine größere Unruhe eingetreten sei. Was der Sendener im Nachhinein betrachtet „schon überraschend“ findet. 

Im Stadion und auf dem Rückweg sei unter den Besuchern über die Situation gesprochen worden, wobei das Verständnis für die Absage klar überwog.

Als „schöne Geste“ und Beispiel für den Zusammenhalt im Fußball wertet Venghaus, dass die Anhänger des AS Monaco ihre Solidarität mit dem Gastgeber des Matches durch „Dortmund, Dortmund!“ bekundet haben. Das „Mensch-Sein“ habe Vorrang gegenüber dem „Fan-Sein“, würdigt der Sendener, dass die Fußballfamilie auch später noch zusammengestanden habe, indem Dortmunder den Supportern des auswärtigen Teams Übernachtungsmöglichkeiten angeboten haben. Die dabei entstandenen Bilder, die um die Welt gehen, vermitteln die völkerverbindende Kraft dieses Sports, freut sich der Sendener über den Schulterschluss innerhalb der Fußballfreunde.

Lust auf Nachholspiel vergangen

Die Freude an dem Spiel „zweier junger Mannschaften auf höchstem Niveau“ sei ihm für den Mittwochabend aber vergangen. Die Nachholpartie schaut sich der Sendener live nicht an.

Dauerhaft einen Bogen um Fußballarenen werde er aber nicht schlagen, beteuert der BVB-Fan. Denn er habe bisher nie ein mulmiges Gefühl in einem Stadion gespürt. „Das Risiko blendet man aus.“

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4765192?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker