Gestrandete Monaco-Fans
Gastgeberin aus Lüdinghausen wird zu „Mami Deutschland“

Lüdinghausen -

Am Tag „danach“ ist im „Hotel zur Post“ wieder Ruhe eingekehrt. Dass Mene Uhlenkott gestrandete Monaco-Fans aufgenommen hat, sorgte für ein großes Medienecho und Reaktionen von Menschen aus aller Welt.

Donnerstag, 13.04.2017, 19:05 Uhr

Einen Blumenstrauß als Dankeschön erhielt Mene Uhlenkott von einem „schwarz-gelben“ Unternehmen, wie es sich in einer dazugehörigen Karte vorstellte.
Einen Blumenstrauß als Dankeschön erhielt Mene Uhlenkott von einem „schwarz-gelben“ Unternehmen, wie es sich in einer dazugehörigen Karte vorstellte. Foto: nit

Am Tag danach schnauft Mene Uhlenkott erst einmal durch. Sie sitzt an der Rezeption des „Hotels zur Post“ und liest in aller Ruhe die zahllosen eingegangenen Mails mit Dankesworten. Sie, ihre Tochter Ute Uhlenkott und die fünf gestrandeten Monaco-Anhänger, die kostenlos im Hotel übernachten durften, waren am Mittwoch bundesweit das Gesicht der angesichts des Anschlags verbündeten Fanlager.

Dortmund gegen Monaco

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  • Nicht einmal 24 Stunden nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus tritt Borussia Dortmund im Nachholspiel gegen AS Monaco an. Es wird ein emotionales Spiel.

    Foto: Bernd Thissen
  • Die Fans hüllen die Südtribüne vor dem Spiel unter lange Stoffbahnen,...

    Foto: Federico Gambarini
  • ... um in einer großen Choreographie den BVB-Schriftzug auf gelbem Grund zu zeigen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Dazu haben sich die Fans je nach Sitzplatz gelbe oder schwarze Capes übergezogen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Die Spieler schicken ihrem verletzten Kollegen Marc Bartra „mucha fuerza“ („Viel Kraft“) ins Krankenhaus.

    Foto: Bernd Thissen
  • Torwart Roman Bürki saß im Bus neben Bartra. Er habe in der Nacht nicht eine Stunde geschlafen, sagt er nach dem Spiel.

    Foto: Bernd Thissen
  • Viele Fans schicken Bartra mit Plakaten Genesungswünsche.

    Foto: Bernd Thissen
  • Im Spiel läuft Vieles gegen die Dortmunder. In der 16. Minute gibt es nach einem Foul von Sokratis Elfmeter für die Monegassen.

    Foto: Bernd Thissen
  • Doch Fabinho zielt neben das Tor.

    Foto: Federico Gambarini
  • Kurz darauf jubeln die Gäste dann doch. Der erst 18 Jahre alte Torjäger Kylian Mbappe (l.) hat zugeschlagen (19. Minute), allerdings aus Abseits-Position.

    Foto: Federico Gambarini
  • In der 35. Minute ein weiterer Rückschlag: Nach einer scharfen Flanke köpft Sven Bender den Ball ins eigene Tor.

    Foto: Bernd Thissen
  • Der Dortmunder Verteidiger beschwert sich, weil er zuvor leicht am Fuß berührt worden ist.

    Foto: Bernd Thissen
  • In der zweiten Halbzeit spielt Dortmund furios auf. Nach einem Hackentrick von Aubameyang steht Shinji Kagawa (vorne) frei vor dem Torwart. Er legt ab zu Ousmane Dembelé, der ins leere Tor einschiebt (57. Minute).

    Foto: Federico Gambarini
  • Doch nur zwölf Minuten später schlägt Monaco zurück. Nach einem Fehlpass von Piszczek, ist Mbappé frei vor Bürki und netzt ein (79.).

    Foto: Bernd Thissen
  • Kurz vor Schluss (84.) lässt Shinji Kagawa drei Gegenspieler im Strafraum stehen,...

    Foto: Federico Gambarini
  • ...und netzt sehenswert zum 2:3 ein.

    Foto: Federico Gambarini
  • Nach dem Abpfiff lassen die BVB-Spieler ihren Emotionen freien Lauf.

    Foto: Bernd Thissen
  • Innenverteidiger Sokratis kommen die Tränen.

    Foto: Bernd Thissen

Interviewmarathon für die Uhlenkotts

„Abends rauchte mir der Kopf, das war sehr viel Trubel“, sagt die 65-Jährige. „Zum Glück kam Ute morgens dazu. Alleine hätte ich das nicht geschafft.“ Nachdem sich der Tweet mit dem Übernachtungsangebot rasch verbreitet hatte, gaben Mutter und Tochter ein Interview nach dem nächsten (die WN berichteten). Von einer Berliner Zeitung über eine große Online-Nachrichtenseite bis zum englischen Guardian: Immer wieder erzählten die beiden BVB-Fans, dass sie ohne Zögern aus Solidarität die freien Hotelzimmer zur Verfügung gestellt haben. Und in über einem Dutzend Fernsehbeiträgen tauchte das „Hotel zur Post“ auf.

Freude über den unverhoffter Werbeeffekt

„Im Nachhinein bin ich natürlich froh über den Werbeeffekt“, bekennt Uhlenkott. Das große Echo sei aber nicht beabsichtigt gewesen. Von Emden bis Australien reichen die Grüße, in denen der „tolle Einsatz für die Völkerverständigung“ gelobt wird. Viele ehemalige Hotelgäste und sogar der Hausarzt ihrer Eltern hätten sich gemeldet. „Das Coolste war die Pulle Jägermeister“, ist sie noch immer begeistert. Nachdem das Kräuterlikör-Unternehmen aus den Medien erfahren hatte, dass es für die fünf Franzosen zur Begrüßung ebenjenen Schnaps gab, schickte es einen Mitarbeiter samt Flasche und einem Paket Pinnchen vorbei.

Ich gehe jetzt erst einmal nicht in die Innenstadt oder in den Supermarkt.

Mene Uhlenkott

Gäste nannten sie "Mami Deutschland" 

Die „positivste Erfahrung, die ich mit dem BVB jemals machte“, hat für die Hotelinhaberin noch eine weitere Folge. „Ich gehe jetzt erst einmal nicht in die Innenstadt oder in den Supermarkt.“ Denn überall werde sie nun mit „Mami Deutschland“ angesprochen. So nannten die Franzosen ihre Gastgeberin in den TV-Beiträgen.

Mit den „liebenswerten Jungs“, so Uhlenkott, stehen sie und ihre Tochter weiterhin über Handy im Kontakt. Nach dem aus AS-Monaco-Sicht erfolgreichen Nachholspiel ist die Gruppe morgens um fünf Uhr wohlbehalten im französischen Troyes angekommen.

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