Neues Straßenkataster
2000 Bilder pro Kilometer

Nottuln -

Das Fahrzeug mit der ungewöhnlichen Dachkonstruktion fällt auf. Wer genau hinschaut, entdeckt auch die Kameras. Das Spezialfahrzeug ist nun auf den Straßen der Gemeinde unterwegs.

Mittwoch, 19.04.2017, 06:01 Uhr

Datenkabel, wohin das Auge schaut. Dr. Adam Plata (3.v.r.) informierte die Gemeindevertreter (v.l.) Peter Scheunemann, Doris Block, Christoph Grothoff und Daniel Krüger über die Technik des Spezialfahrzeugs.
Datenkabel, wohin das Auge schaut. Dr. Adam Plata (3.v.r.) informierte die Gemeindevertreter (v.l.) Peter Scheunemann, Doris Block, Christoph Grothoff und Daniel Krüger über die Technik des Spezialfahrzeugs. Foto: Ludger Warnke

Jetzt geht es los: Die Gemeinde Nottuln und das Berliner Unternehmen „eagle eye technologies GmbH“ haben am Dienstag den Startschuss für die Straßenzustandserfassung in der Gemeinde geben. Ein mit feinster Messtechnik ausgestattetes Spezialfahrzeug wird eine sogenannte Messbild- und Laserscan-Befahrung aller öffentlichen Straßen in den Ortslagen und in den Bauerschaften durchführen.

Auf der Grundlage dieser Daten werden die Fachleute des Unternehmens den Zustand der Straßen bewerten und diese Bewertung mitsamt den Basisdaten der Gemeinde zur weiteren Verwendung geben. Da kommt ein riesiger Datenschatz auf die Verwaltung zu. Daniel Krüger, Technischer Betriebsleiter Straßen bei den Nottulner Gemeindewerken, freut sich schon jetzt: „Wir werden dann sehr exakte und wirklichkeitsgetreue Daten über unsere Straßen vorliegen haben.“

Wie diese mobile Datenerfassung funktioniert, darüber informierten sich am Dienstag nicht nur Beigeordnete Doris Block, Werkeleiter Peter Scheunemann, Betriebsleiter Daniel Krüger und Christoph Grotthoff vom Bauhof der Gemeinde. Auch Vertreter aus den Kommunalverwaltungen Rheine, Dülmen und Heiden waren zugegen und hörten aufmerksam zu.

In der Gemeinde Nottuln wird das Spezialfahrzeug mit dem besonderen Aufbau auf dem Dach alle Straßen des über 200 Kilometer langen Netzes in beide Richtungen befahren. Wie lange das Abfotografieren des Straßenraumes dauern wird, ist auch vom Wetter abhängig. „Fotos von nassen Straßen sind für die Auswertung weniger geeignet“, erläuterte Dr. Adam Plata vom Unternehmen.

Doch genaue und zuverlässige Daten in 1a-Qualität hat sich die Firma auf die Fahnen geschrieben. Eagle eye technologies, nach eigenen Angaben Technologie- und Marktführer im Bereich der mobilen Straßenbestands- und Zustandsdatenerfassung, hat für die präzise Datensammlung am Spezialfahrzeug neben zwei Laserscannern vor allem stereoskopisch angeordnete Messbildkameras angebracht, die alle Blickrichtungen abdecken. „Pro Kilometer werden damit 2000 Bilder vom Straßenraum gemacht“, erläuterte Plata.

Wichtig für das ganze Verfahren ist dabei eine exakte, zentimetergenaue Positionsbestimmung des Messfahrzeugs. Die erreicht das Unternehmen durch den Einsatz von PD-GNSS-Empfängern (Präzises Differentielles Globales Navigations-Satelliten-System) und eines Inertialen Systems (Trägheitsnavigation). Beide Verfahren ergänzen sich prima.

Insgesamt 77 000 Euro (verteilt auf zwei Jahre) gibt die Gemeinde für diese Straßenzustandserfassung aus. Das Unternehmen wird jetzt alle Straßen abfahren und in einem ersten Schritt in zwei bis drei Monaten eine Zustandsbewertung der innerörtlichen Straßen vorlegen. 2018 soll dann die Auswertung für die Wirtschaftswege vorliegen.

Die Gemeinde hat sich zu dieser Maßnahme entschlossen, weil damit künftig Instandhaltungsmaßnahmen effizienter geplant werden können. Außerdem liegen die Daten in einer Form vor, die auch mit anderen Katastern wie dem Kanal- und Wasserleitungskataster kompatibel ist.

Weil die Kameras den gesamt Straßenraum erfassen, erhält die Gemeinde auch Informationen über das Straßengrün, über Verkehrsschilder oder über die Zufahrten und Zugänge zu Grundstücken und Gebäuden. Sensible Daten. Dessen ist sich auch die Gemeinde bewusst. Beigeordnete Doris Block versicherte: „Alle bei dieser Zustandserfassung gesammelten Daten sind nicht öffentlich, nur für den internen Gebrauch in der Verwaltung und unterliegen dem Datenschutz.“

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