Mammutprojekt Südumgehung
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Nordwalde -

Das Warten hat ein Ende. Am 30. April weihen NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und Bürgermeisterin Sonja Schemmann die Ortsumgehung südlich von Norwalde ein. Nach fünfeinhalbjähriger Bauphase. Tatsächlich gab es den Grundgedanken schon vor Jahrzehnten.

Samstag, 22.04.2017, 10:00 Uhr

Der Anschluss an den Kreisverkehr an der Grevener Straße (kl. Bild) ist das letzte Projekt der fünfeinhalbjährigen Bauzeit. Angefangen hat alles mit dem Brückenbauwerk an der Welkmannstiege.
Der Anschluss an den Kreisverkehr an der Grevener Straße (kl. Bild) ist das letzte Projekt der fünfeinhalbjährigen Bauzeit. Angefangen hat alles mit dem Brückenbauwerk an der Welkmannstiege. Foto: Screenshot Youtube / WN / Wilfried Gerharz (3) / msc

Ganz oben im Regal ist sie versteckt. Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung holt eine leicht vergilbte Karte hervor, die bezeugt, dass die Idee einer Umgehungsstraße schon über ein halbes Jahrhundert existiert. Auf der Karte von 1948 ist eine Südumgehung eingezeichnet. Sie verläuft zwar enger am Ort, der zu der Zeit noch erheblicher kleiner ist, aber der Grundgedanke ist derselbe. Jetzt hat das Warten ein Ende. In acht Tagen wird die Ortsumgehung eröffnet – der Weg dahin war lang und steinig.

„Im Flächennutzungsplan von 1979 war die heutige Trasse der Straße fast auf den Meter genau freigehalten“, erzählt Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung. Er hat das Projekt über 25 Jahre begleitet, seine Kenntnis zur Entwicklung der Straße geht aber noch weiter zurück. 1989 stimmte der Rat für die Aufnahme des Projekts in den Landesstraßen-Bedarfsplan.

Südumgehung Nordwalde

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  • Aus der Vogelperspektive überblickt man die L555 am besten.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • So sah die Straße vor einem dreiviertel Jahr noch aus.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die ersten Schritte: Brückenbau in 2011.

    Foto: ter
  • Da darf auch Bürgermeisterin Sonja Schemmann nicht fehlen.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Schweres Gerät musste anrücken...

    Foto: Michael Schwakenberg
  • ...damit die Brücken später so aussehen konnten.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Der Damm ist bis auf 13,5 Meter aufgeschüttet.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Denn die Planer (hier in 2015) haben herausgefunden, dass der Boden für Unterführungen zu nass ist. Deshalb der Bau über die Straßen, Bäche und Bahnschienen.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Die Idee einer Umgehung ist nicht ganz neu.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die Karte, auf der auch schon eine Südumgehung zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1948.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Hier wurde eine Ausgleichsfläche für Echsen, Molche und ähnliches Getier geschaffen. Inklusive formidabler Steinhaufen-Behausung. Außerdem ziert eine Amphibienleiteinrichtung die Straße rechts und links am Fuße. Quasi eine Frosch-Autobahn ins sichere Wasser, weg von der gefährlichen Straße.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Dies ist nicht bloß Bepflanzung: Das wird mal eine Fledermausüberflughilfe. Damit die Nachschwärmer über und nicht gegen die Autos fliegen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Wo sich Höppenbach und oberer Kirchlarbach küssen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Einziges (kleines) Sorgenkind des Baus: Der Kreisverkehr an der Grevener Straße. Der Boden war so feucht, dass die erste Aufschotterung absackte. Die Gegenmaßnahmen waren erfolgreich, haben aber den Zeitplan auf die Probe gestellt.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Zwei Regenrückhaltebecken wurden an der Strecke gebaut.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Entstehung der Ortsumgehung in Bildern Foto: Pjer Biederstädt
  • Der Knotenpunkt: Die Abfahrt auf die Altenberger Straße.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Durch diese hohle Gasse muss es fließen, das Wasser.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Der Zug fährt unter der Umgehungsstraße durch.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Wo kommt welches Verkehrsschild hin. Der Plan von Straßen.NRW zeigt es.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Und so sieht die Gesamtplanung im Baubüro aus.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Josef Brinkhaus (kl. Bild, l.), Pressesprecher von Straßen.NRW, und Bauüberwacher Martin Büchter zeigen einen Bohrkern. Gut zu sehen, wie das Material von Schicht zu Schicht in Richtung Fahrbahndecke immer feiner wird

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Im Westen fängt die Straße an...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...im Osten hört sie wieder auf.

    Foto: Wilfried Gerharz

Der nächste bahnbrechende Schritt dann 1997: das Linienabstimmungsverfahren und die Umweltverträglichkeitsprüfung starteten. Ab 2002 begannen die Gespräche zum Grunderwerb. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Dietmar Brockmeyer war Ufermann „Türöffner“ für die Landesbehörde, denn der Zugang zu den Nordwaldern konnte durch bekannte Gesichter einfacher hergestellt werden.

Nicht jedem Grundstücksbesitzer gefiel der Verlauf der Straße. 50 Einwände liefen beim Straßenbetrieb auf. „Wir konnten das allermeiste einvernehmlich klären“, sagt Josef Brinkhaus, Pressesprecher von Straßen.NRW beim Ortstermin zwei Wochen vor der Eröffnung. In vier Fällen musste das Verwaltungsgericht entscheiden, dort wurden Vergleiche erzielt.

„Natürlich sind nicht immer alle glücklich bei solch großen Maßnahmen. Aber das Gemeinwohl steht in dem Fall dann über den Einzelinteressen“, erklärt Ufermann. Insgesamt sei der Bau – und da sind sich Brinkhaus und Ufermann einig – bei der Bevölkerung auf viel Wohlwollen gestoßen.

Zahlen und Daten

► Länge: 4 Kilometer

► Dammhöhe: 13,5 Meter am höchsten Punkt.

Höhe über Normalnull: Der höchste Punkt der Straße liegt bei 77,1 Meter über Normalnull. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt beträgt die Differenz 30 Meter.

► Fahrbahnbreite: 8 Meter

► Asphaltfläche: 40 000 Quadratmeter

► Bodenaufschüttung für den Damm: 370 000 Kubikmeter

► Schutzleitplanken: 5500 Meter

► Schutz vor Starkregen: Zwei Regenrückhaltebecken à 800 Kubikmeter

► Bauzeit: 5,5 Jahre (4. Oktober 2011 bis 30. April 2017)

► Bauwerke: sechs Brückenbauwerke/Überführungen (Bahntrasse, Altenberger Straße, zwei Wirtschaftswege, oberer Kirchlarbach und Höppenbach)

► Kosten: insgesamt 17,9 Millionen Euro (davon Baukosten: 14,3 Millionen Euro, Grunderwerb (inkl. Entschädigungen, Schlussvermessung): 3,6 Millionen Euro, Anteil Kommune 26 000 Euro.

► Prognostizierte Verkehrsbelastung für 2020: 5400 Kfz am Tag

► Prognostizierte Verkehrsentlastung für den Ortskern: 50 Prozent

► Kompensationsmaßnahmen: 30 Hektar (davon Artenschutz für Kammmolch, Zauneidechse, Fledermäuse, Kiebitz in der Größe von 3,4 Hektar)

...

Nachdem der Startschuss für die Bauphase gefallen war, ging es flott: Im Oktober 2011 machte das Brückenbauwerk an der Welkmannstiege den Anfang. Es folgten die Brücken über die Bahntrasse und die Altenberger Straße.

Parallel liefen die ökologischen Kompensationsmaßnahmen. 2013 begann das Team um Bauüberwacher Martin Büchter mit der Dammaufschüttung. Zu guter Letzt wird der Kreisverkehr im Osten an die Grevener Straße angebunden. Und dann, dann kann endlich gefeiert werden.


Drei Fragen an Sonja Schemmann

Welche Bedeutung hat die Ortsumgehung für die künftige Entwicklung Nordwaldes?

Bürgermeisterin Sonja Schemmann: Die Verkehrsanbindung durch die neue Umgehungsstraße ist fester Bestandteil unseres Standortmarketings. Einerseits werben wir mit der direkten Verkehrsanbindung der westlich und südlich des Ortes liegenden Gewerbe- und Industriegebiete über die Umgehung in Richtung Greven und A1 und in Richtung B 54 Münster / Niederlande. Andererseits werben wir mit der zukünftigen Reduzierung des Durchgangsverkehrs im Ort, was sowohl den Ortskern betrifft als auch die Bahnhofstraße, an der eine Grundschule und mehrere neuere Wohngebiete liegen. Des Weiteren ist Konsens in Politik und Verwaltung, den Ortskern umzubauen und den Durchgangsverkehr weiter zu reduzieren. Bestandteil unseres Entwicklungskonzeptes ist auch der komplette Umbau der bisherigen L 555 zwischen der Grevener Straße und der Felix-Fraling-Straße.

Die Idee einer Ortsumgehung gibt es seit Jahrzehnten. Warum konnte die Straße erst 2017 realisiert werden?

Schemmann: Die Planungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach verändert. Erst im Oktober 2010 erfolgte im Rahmen eines Erörterungstermins beim Verwaltungsgericht der Planfeststellungsbeschluss. Danach konnte der Landesbetrieb die Maßnahme ausschreiben und den Bau ausführen.

Was wünschen Sie sich für die Eröffnung am 30. April?

Schemmann: Bestes Wetter und viele interessierte Besucher.

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