Prozess
Ausgenommen wie eine Weihnachtsgans

Reckenfeld/Rheine -

Er hoffte auf eine Beziehung, aber er wurde ausgenommen wie eine Weihnachtsgans: Um Betrug an einem Reckenfelder geht es jetzt in einem Prozess vor dem Rheiner Schöffengericht.

Donnerstag, 04.05.2017, 16:32 Uhr

Prozess : Ausgenommen wie eine Weihnachtsgans
Foto: dpa

Im Volksmund heißt es: „Sie hat ihn ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“. Dieser Spruch trifft eins zu eins auf den Sachverhalt zu, der jetzt vor dem Schöffengericht in Rheine verhandelt wurde. Auf der Anklagebank saß ein Paar aus Rheine, beide Anfang 30. Die beiden mussten sich für 121 Betrugsfälle an einem 37-jährigen Mann aus Greven-Reckenfeld verantworten.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Paar vor, in der Zeit von November 2014 bis zum 21. Dezember 2015 den Mann um insgesamt 32 000 Euro geprellt und erpresst zu haben. Als er nicht mehr zahlen wollte, sollen sie sich als Anwalt bezeichnet und von ihm Gebühren für Gericht und Staatsanwaltschaft zur Einstellung seines Verfahrens gefordert haben.

Am 23. Dezember erstattete der Geschädigte nach einem Gespräch mit einem Freund Anzeige, nachdem er 9000 Euro bei der Bank aufgenommen, sich bei Eltern, Verwandten und Freunden Tausende Euro geliehen hatte und schließlich in einem Gartenhäuschen am Felix-See in Greven wohnte, weil er nichts mehr hatte.

Während die 31-jährige Angeklagte alle Taten umfassend einräumte, bestritt ihr Lebensgefährte seine Beteiligung. „Ich habe nichts davon gewusst“, behauptete er bis zum Schluss.

Um das zu klären, wird der Prozess am 19. Mai fortgesetzt. Bis dahin sollen die Juristen Einblick nehmen in den Chat-Verlauf zwischen Täter und Opfer.

„Wir leben vom Amt“, sagte der Angeklagte und behauptete, von dem Chat nichts gewusst zu haben. Regelmäßig, fast täglich, steckte der Geschädigte Geldbeträge in den Briefkasten des Paares in Rheine auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Die Angeklagte hatte ihm im Chat vorgegaukelt, in finanzieller Not zu leben. Er erhoffte sich davon eine Beziehung und „half“, wie er als Zeuge sagte. Er hat die Frau weder getroffen noch mit ihr telefoniert. Ihre Partnerschaft verschwieg sie ihm. Selbst als er ihr schrieb: „Mein Leben ist im Arsch, ich kann die Miete nicht mehr zahlen und mir nichts mehr zu essen kaufen, ich habe keine Lust mehr“, machte sie weiter. Sie drohte zunächst, ihn wegen sexueller Belästigung anzuzeigen. Kurze Zeit später gab sie sich als ihr eigener Anwalt aus und bestätigte die Anzeige für die Belästigung, die man allenfalls mit einer Einstellung des Verfahrens umgehen könne. „Ich hatte Angst vor einer hohen Geldstrafe“, sagte der Zeuge mit Rechtsbeistand.

Von dem Geld ihres Opfers kaufte die Angeklagte nach eigenen Angaben zwei Laptops, ein Handy, Lebensmittel und Zigaretten.

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