NRW-Wahlkampf
Was die Plakate uns sagen wollen...

Tecklenburger Land -

Kreuzchen machen – am Sonntag, 14. Mai, wird gewählt im Bindestrich-Land Nordrhein-Westfalen. Das Rennen um die respektabel vergüteten Sitzplätze im Düsseldorfer Landtag, es ist eröffnet. Spätestens seitdem an fast jeder Straßenecke und an fast jeder Straßenlaterne Wahl-Plakate hängen, hat das auch im Tecklenburger Land jeder mitgekriegt: Wahlkampf.

Donnerstag, 04.05.2017, 20:00 Uhr

Großformatig machen die Parteien auf sich aufmerksam (im Uhrzeigersinn): Die SPD setzt auf Generationen übergreifende Gespräche, vor allem in Großstädten. Die Linken setzen auf Faust und Lächeln gleichermaßen.
Großformatig machen die Parteien auf sich aufmerksam (im Uhrzeigersinn): Die SPD setzt auf Generationen übergreifende Gespräche, vor allem in Großstädten. Die Linken setzen auf Faust und Lächeln gleichermaßen. Foto: Peter Henrichmann (3)/Oliver Langemeyer(2)

Bunt sind sie, die Plakate. Und es steht immer was drauf. In einer Art Selbst-Versuch haben wir uns mal (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) das ein oder andere Plakat angesehen. Und haben uns (ohne den Willen zu politischer Beeinflussung, sondern einfach ganz persönlich) einige durchaus glossierende Gedanken dazu gemacht. Hier sind sie:

Der Polit-Promi Christian Lindner ziert – unrasiert aber gepflegt im weißen Hemd – einen großformatigen Werbeträger der FDP. Der Spruch „Nichtstun ist Machtmissbrauch“ ist vor der Hand recht originell. Besonders, wo doch Lindner gerade selbst etwas tut: Es sieht so aus, als ob er schwer malochend irgendwas unterschreibt. Das vermittelt einen aktiven Eindruck, so – genau so – wollen wir unsere Politiker sehen. Was von der Bildbotschaft her also ganz gut gelungen ist, wird aber durch den ultra-platten Spruch „Es geht um unser Land“ wieder entwertet. Unsere Plakat-Note: Pfiffig – mit kleinem Patzer.

Grün, wie sonst sollte das Plakat der Grünen ausfallen? Natürlich ist die Sonnenblume mit drauf, natürlich steht da auch noch NRW mit drauf. So weit, so verständlich. Aber dann hört es auch schon auf: Das Bildelement zeigt in einem merkwürdigen schweinchen-rosa zwei junge Menschen. Eine junge, vermutlich blondhaarige Frau und einen noch jüngeren, vermutlich schwarzhaarigen Knaben. Der hängt irgendwie halb sportlich, halb freundschaftlich auf ihrem Rücken. Warum? Wieso? Weshalb? Wer weiß das schon ... Nicht so richtig aussagekräftig ist auch die textliche Botschaft: 1. Zusammen., 2. Wachsen! Was uns das sagen soll – da bleibt doch die ein oder andere Frage offen. Unsere Plakat-Note: Schön grün – aber ich kapier‘s echt nicht.

Zweimal kleinformatig, so stellt sich die Linke vielerorts auf. Die gereckte Faust, das rote Plakat, der „Zeig Stärke“-Spruch – huch, das ist kämpferisch, das wirkt ein wenig bedrohlich. Wen will der Plakat-Mann bloß hauen, damit er seinen 12-Euro-Mindestlohn gegen Armut bekommt? Zu der bildlichen Brachial-Kampagne passt der direkt daneben hängende Links-Lokalmatador wie eine Badehose in die Antarktis. Breites Lächeln, weiße Zähne, ein vertrauenswürdiger Politik-Senior geht auf Stimmenfang. Der Spruch „Mensch Umwelt Arbeit“ ist auch eher nichtssagend als selbsterklärend. Unsere Plakat-Note: Schön rot – und jetzt bitte ganz fix fünf Euro ins Phrasenschwein.

CDU-Landtagskandidat Felix Holling hatte vor Ostern die Rührschüssel entdeckt und zusammen mit Christina Schulze Föcking und Andrea Stullich ein Osterlamm gebacken. Die beiden Frauen assistieren. Mann ist der Chef in der Küche. Die Stimmung muss super sein. Vielleicht soll uns das sagen, dass es die CDU wirklich ernst meint mit dem Rollentausch von Mann und Frau. Zumindest am Backofen.

Übrigens ist es gar nicht so einfach, ein Osterlamm zu backen, weil nicht zu viel Teig in die Form darf. Sonst quillt alles über und das Lamm bleibt nicht stehen. Küchen-Felix scheint das aber mit strahlendem Lächeln spielend zu gelingen. Was das mit Hollings politischen Absichten zu tun hat, außer, dass er was gebacken kriegen will, versteh‘ ich nicht. Unsere Plakat-Note: zugegeben, ein Hingucker und schöner Ostergruß – aber weitgehend aussagefrei.

Digital voll auf der Höhe kommt die SPD daher. Hashtag (#) NRW. Daraus ergibt sich der Slogan „Wir Rabauken. Einzigartig: Zusammenhalt über Generation.“ Dazu sieht der Betrachter einen sympathischen Senior, der offenbar Trainer ist und mit seinen jungen Schützlingen viel Spaß am Sport hat. Das wirkt dynamisch und erfrischend. Fazit: In #NRW verstehen sich Jung und Alt blendend. Verräterisch ist allerdings die Hochhauskulisse, wie sie im Tecklenburger Land eher selten zu finden ist. Damit machen die Sozialdemokraten deutlich, wo sie ihre Stimmen bekommen möchten: in den Städten, allen voran im Ruhrgebiet. Das platte Land ist nicht so wichtig.

Stellt sich noch die Frage, warum auf dem Bild Rabauken sind. Laut Duden ist ein Rabauke „jemand, der sich laut und rüpelhaft benimmt, gewalttätig vorgeht“. Okay: Will der sportliche junge Mann ganz rechts seinen Trainer etwa zum Duell auffordern ? Ich glaube, eine weitergehende Interpretation lohnt nicht. Unsere Plakat-Note: Das Motiv ist nett – aber für unsere Region voll am Thema vorbei.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4811031?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker