Ausflügler in Tragschraubern
Mit dem Gyrocopter über das Münsterland

Stadtlohn/Dinslaken -

Wenn alles gut läuft, kann Benno Fidorra aus Gelsenkirchen am Samstag mit dem eigenen Tragschrauber zum Aktionswochenende auf dem Flugplatz Stadtlohn fliegen. Am Donnerstag will er seine Prüfung ablegen, dann kann er abheben. Der Internist hat ein neues Hobby - und das ist etwas ungewöhnlich.

Mittwoch, 17.05.2017, 14:51 Uhr

Mit 100 PS über das Münsterland: Gyrocopter bieten in der Regel Platz für zwei Personen. Sie gelten als extrem wendig und ziemlich sicher.
Mit 100 PS über das Münsterland: Gyrocopter bieten in der Regel Platz für zwei Personen. Sie gelten als extrem wendig und ziemlich sicher. Foto: privat

Sein Tragschrauber sieht aus wie eine Kreuzung aus einem Mini-Hubschrauber und einem kleinen Flugzeug. Und der Schein trügt nicht: Die merkwürdigen Geräte vermengen die Techniken der beiden Systeme. Der Motor treibt einen großen Rotor am Heck an, der wiederum die fliegende Kiste nach vorne bewegt – wie ein Flugzeug.

Tollkühne Männer in sicheren Kisten

Doch statt ausladender Flügel an den Seiten sorgen zwei Tragflächen für Auftrieb, die wie bei einem Hubschrauber über dem Rumpf rotieren. Besonderheit: Sie werden alleine durch den Fahrtwind gedreht, nicht durch einen eigenen Antrieb. So hält sich ein Tragschrauber selbst in der Luft.

Das macht Piloten wie Benno Fidorra zu tollkühnen Männern in sicheren Kisten: „Wenn ein Tragschrauber zu langsam wird, stürzt er nicht ab“, erklärt Fluglehrer Ralf Sowinski aus Borken. Das würde ein Flugzeug tun, weil der Auftrieb unter den Flügeln abreißt. „Der Tragschrauber aber sinkt langsam, Quer-, Seiten- und Höhenruder funktionieren noch.“

"Fasziniert von den Flugeigenschaften"

Die Begeisterung für die ungewöhnlichen Fluggeräte packte den damaligen Freizeitpiloten, der schon mit Drachen, Segelflugzeugen und Sportmaschinen durch die Lüfte kurvte, im Jahr 2007. Sowinski machte einen Probeflug „und war gleich fasziniert von den Flugeigenschaften.“ Durch seine Konstruktion gleicht ein Tragschrauber leichte Turbulenzen aus und liegt sehr ruhig und damit komfortabel in der Luft. Ralf Sowinski hat also flugs den erforderlichen Pilotenschein gemacht und sich so eine Kiste gekauft.

Tragflügler

Tragschrauber, auch Gyrocopter genannt, sind nicht sonderlich bekannt – obwohl sie angeblich bereits 1932 erfunden wurden.

Motor: Typische Fluggeräte dieser Gattung haben heute zwischen 100 und 115 PS, dürfen beladen bis zu 500 Kilogramm wiegen und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometern pro Stunde.

Die Bauformen variieren: offen und geschlossen, bei manchen Modellen sitzen die beiden Mitfliegenden nebeneinander, oft hintereinander.

Kosten: Wer einen Gyrocopter kaufen möchte, sollte zwischen 60 000 und 70 000 Euro einplanen.

Pilotenschein: Die Ausbildung zum Piloten kostet zwischen 8000 und 10 000 Euro.

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Inzwischen ist die Fliegerei mit den kleinen Himmelsstürmern sein Beruf: Sowinski bietet Rundflüge an und bringt gelegentlich auch mal Leute nach Norderney. Und er bildet Piloten aus.

Geschenk zum 50. Geburtstag

Menschen wie Benno Fidorra eben. „Ich habe zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen, Pilot für einen Tag zu sein.“ Da lernte der Arzt aus dem Pott diese Art der Fliegerei kennen – und war direkt gepackt. Den Winter wartete er noch ab, dann begann er die Ausbildung. Theorie büffeln, Praxis üben: „Landen ist das Schwierigste.“ Rund 50 Stunden war er in der Luft – immer mit Fluglehrer im Nacken. Am Donnerstag aber will er seine Ausbildung mit einer praktischen Prüfung abschließen.

Neues Leben mit Pilotenschein

Die Pläne für sein neues Leben mit Sportpilotenlizenz sind relativ konkret. Eine eigene Maschine steht bereits im Hangar des Flugplatzes Dinslaken: Zusammen mit zwei Freunden hat Fidorra investiert. Künftig will er in der Freizeit bei schönem Wetter seine Runden über dem westlichen Münsterland drehen. Und vielleicht mal am Wochenende auf eine Nordseeinsel fliegen. „Das habe ich mir jedenfalls vorgenommen.“

Aktionstage in Stadtlohn

Am Wochenende (20./21. Mai 2017) findet auf dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden ein „Drehflügler-Treffen“ mit Gyrocoptern und Hubschraubern statt. Piloten können fachsimpeln und neue Geräte testen, Besucher unter anderem Rundflüge buchen und Fallschirmspringern zuschauen. 

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