Raupe wächst sich zur Plage aus
Der Buchsbaumzünsler frisst sich durch die Gärten

An ihm klingt allenfalls der Name possierlich: Der Buchsbaumzünsler wird zunehmend zum Ärgernis für Gärtner in der Region. Die Schmetterlingsart frisst sich durch Gärten und Parkanlagen und ist in der Lage, eine Kugel innerhalb weniger Tage in ein kümmerliches Gerippe zu verwandeln. Angesichts der raschen Verbreitung des Schmetterlings raten immer mehr Experten, von vornherein auf alternative Pflanzen zu setzen.

Donnerstag, 08.06.2017, 08:22 Uhr

Der Buchsbaumzünsler macht den Buchsbäumen sehr zu schaffen.
Der Buchsbaumzünsler macht den Buchsbäumen sehr zu schaffen. Foto: dpa

Dabei hält Oliver Fink die zugelassenen Pflanzenschutzmittel für durchaus geeignet, den Befall zu vernichten. „Eine einzige Behandlung reicht jedoch nicht aus“, erklärt der Vorsitzende des Verbandes der Gartenbaumschulen.

Profis und Hobbygärtner kapitulieren

In Bergisch Gladbach, dem Wohn- und Arbeitsort Finks, hat der Buchsbaumzünsler den Pflanzen schon vor einigen Jahren zugesetzt. Anfangs rieten Fink und seine Kollegen ihren Kunden noch zum Einsatz von chemischen und biologischen Mitteln. Viele Profis und Hobbygärtner kapitulierten jedoch nach einer Weile, „weil das Spritzen kein Ende nahm und die Kosten das Ergebnis bei Weitem überstiegen“.

Das eigentliche Problem besteht in der sprunghaften Vermehrung der Falter. „Bei bis zu vier Generationen pro Jahr kommt man gegen den Buchsbaumzünsler kaum an.“ Und selbst wenn eine Pflanze erfolgreich behandelt worden ist: „Der Falter von nebenan kommt garantiert und legt seine Eier erneut ab.“ Insofern stelle sich grundsätzlich die Frage, ob eine Behandlung sinnvoll sei, wenn sich in einem Garten nur ein paar Buchsbäume befinden.

Bei einer Pandemie findet der Falter überall Nahrung

Herbert Tüns

Herbert Tüns, Inhaber einer Baumschule in Lüdinghausen, sieht das ähnlich. „Bei einer Pandemie findet der Falter überall Nahrung.“ Seinen Kunden rät Tüns vom Spritzen mit Insektiziden ab. „Wir empfehlen einen radikalen Rückschnitt. Das Schnittgut muss danach verbrannt werden. Und die 20 Zentimeter, die man stehen lassen kann, sollten akribisch mit medizinischen Handschuhen abgesucht werden.“

Vor Zehn Jahren aus Asien eingeschleppt

Möglich sei es auch, den Strauch mit kaltem Wasser abzuspülen und die Raupen einzusammeln. Ob all das für die Zukunft ausreicht, sei ungewiss. „Ich selbst habe schon keine Lust mehr, Buchsbaum zu pflanzen.“

Für die Pflanzenschutzberater der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe vergeht kaum mehr ein Tag, an dem sie nicht um Ratschläge gegen den gefräßigen Falter gebeten werden. Der vor zehn Jahren durch Pflanzenware aus Asien nach Deutschland eingeschleppte Falter hat sich längst zur Plage ausgeweitet. Für den Pflanzenschutzberater An­dreas Vietmeyer ist es daher an der Zeit, „sich mit alternativen Pflanzen auseinanderzusetzen“.

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Der Zentralverband Gartenbau kennt da viele Möglichkeiten. Optisch kaum vom Buchsbaum zu unterscheiden ist beispielsweise die Japanische Hülse, eine Ilex-Art ohne Stacheln, die sich gut in Form schneiden lässt. Eine große Ähnlichkeit mit dem Buchs weist auch der Tatra-Seidelbast auf. Der niedrig wachsende Strauch verzweigt sich gut und bietet sich als Beeteinfassung oder Bodendecker an.

Lebensbaum als Ersatz

Selbst Nadelgehölze können den Buchsbaum gut ersetzen. Die Gärtner des berühmten Barockgartens Hannover-Herrenhausen vertrauen inzwischen auf den Lebensbaum „Mecki“, der als Ersatz für Buchsbaum-Ornamente gepflanzt wird.

Oliver Fink hält viel von diesen Alternativen. „Der Buchsbaum war jahrhundertelang der Mode unterworfen.“ Die Überproduktion der vergangenen Jahre rächt sich nun. Was in nahezu jedem Garten anzutreffen ist, bietet Schädlingen schnelle Beute.

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