Pendlertest im Video
Von Telgte nach Münster: E-Bike gegen Auto - wer gewinnt?

Telgte -

Der Akku des Elektrofahrrads ist voll, das zeigen die Balken im Display an. Zudem herrscht ideales Fahrradwetter. Es ist nahezu windstill bei angenehmen Temperaturen. Die vierköpfige Gruppe mit Grün-Ingenieur Ihno Gerdes, Klimaschutzmanager Marco Imberge, Ludger van Cleff von den Stadtwerken ETO und Andreas Große Hüttmann auf ihren E-Bikes ist nicht nur startklar, sondern auch sehr zuversichtlich, eine gute Zeit hinzulegen.

Freitag, 09.06.2017, 18:34 Uhr

Pendlertest im Video : Von Telgte nach Münster: E-Bike gegen Auto - wer gewinnt?
Parallel zur Bundesstraße geht es nur die erste Zeit per E-Bike von Telgte nach Münster. Foto: Andreas Große Hüttmann

Auch Kada Malaj, Auszubildende in der Stadtverwaltung, zeigt durch die Scheibe des Kleinwagens mit einem erhobenen Daumen, dass sie bereit ist für einen besonderen Test – eine Vergleichsfahrt E-Bike gegen Auto auf der Strecke vom Baßfeld in Telgte bis zum Domplatz in Münster. Und das alles zur besten Pendlerzeit, denn die Uhr zeigt gerade 7.31 Uhr.

Los geht es! Während der Motor des Wagens hörbar lauter wird, legen sich die Fahrradfahrer ebenfalls mächtig ins Zeug, allerdings nahezu unhörbar. Mit elektronischem Rückenwind wollen sie an diesem Morgen testen, wer schneller am Ziel ist. Der Pkw, der die Bundesstraße in Richtung Domstadt benutzt, oder die Radler, die die sogenannte Veloroute unter die Räder nehmen. Rund 14 Kilometer lang ist diese Strecke, die abseits des Radweges entlang der Bundesstraße an Handorf vorbei in Richtung Münster führt.

Einen ersten Dämpfer erhält die Euphorie der Radler nach etwas mehr als einem Kilometer, als sie an der Ampelanlage an der Kreuzung Münstertor/Bundesstraße/Kiebitzpohl ankommen. Auf der Fahrspur neben ihnen steht das Auto bereits in der kleinen Schlange. Und während Kada Malaj nach kurzer Zeit Grün bekommt, werden die E-Biker von der Technik ausgebremst. Zwar blinkt das „Bitte Warten“ immer wieder auf dem Schalter an der Ampel auf, doch es tut sich nichts.

Nach gefühlten Minuten, der Kleinwagen ist schon nicht mehr sichtbar, bekommen die Radfahrer endlich Grün. Jetzt treten sie, was der Motor hergibt in die Pedale, denn auf dem gut ausgebauten ersten Stück längs der Bundesstraße bis zum Jägerhaus macht das Fahrradfahren richtig Spaß. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Die GPS-Auswertung am Ende zeigt es genau. Nach durchschnittlich gerade einmal 14 Stundenkilometern im Stadtbereich legen die Radler spürbar am Tempo zu. 25,68 Kilometer in der Stunde zeigt der elektronische Tachometer zu dieser Zeit im Durchschnitt an. Der erste Frust weicht wieder einem Quäntchen Euphorie.

An Jägerhaus weicht die Veloroute dann von der Bundesstraße ab. Vorbei an der dortigen Gärtnerei geht es nach rund 400 Metern in Richtung Außengelände des Instituts der Feuerwehr. Der Weg ist überwiegend gut zu fahren, da können auch die geschätzt 400 Meter Schotterstück auf Telgter Gebiet nichts dran ändern. Und das vor allem, weil von den beiden Verwaltungsmitarbeitern im Team herauszuhören ist, dass sich die Situation hier in absehbarer Zeit ändern wird.

Die Reifen der Fahrräder singen regelrecht auf den Asphaltstücke in der Nähe des Übungsgeländes des THW und des Tierheims, denn die E-Biker fahren voll am Limit. Sie treten was das Zeug hält in die Kette, und erreichen über ein längeres Stück eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 25 Stundenkilometern. Erst in der Nähe der Bebauung in Handorf verlieren sie an Tempo. Das ist ganz klar der Wegführung geschuldet, denn entlang des östlichen Wohngebietes geht es in Richtung Sportanlagen über eine längere Wegstrecke quer durch den Ort.

Sonnenstrahlen und gute Stimmung

Und noch etwas stoppt sie an diesem Morgen, als sie eigentlich schon wieder im Boniburger Wald richtig Gas, respektive elektrischen Schub geben wollen: Zahlreiche Schüler mit ihren Fahrrädern auf dem Weg zum Gymnasium St. Mauritz. Auf ihren Leezen haben die Pennäler gegen die schnellen E-Bikes zwar keine Chance, doch die Jugendlichen fahren in Dreier- und Viererreihen nebeneinander. „Das kostet uns Zeit“, prophezeit Ludger van Cleff.

Ansporn genug für die vier Radler, wenig später noch kräftiger in die Kette zu treten. Beflügelt durch die Natur im Boniburger Wald – die ist hier nicht nur zum Greifen nahe, sondern auch zu riechen – überqueren sie die Dyckburgstraße in Richtung Schleuse. Die Stimmung ist gut, und erste Sonnenstrahlen belohnen die Radler für ihr Tun.

Für das große Binnenschiff, das unter ihnen gerade in die Schleusenkammer einfährt, haben sie an diesem Morgen kein Auge und vor allem keine Zeit.

Die Spannung steigt: Wer ist eher am Ziel

Vielmehr geht es hinter dem Kanal noch immer mit voller Power unter dem Schifffahrter Damm durch in Richtung Dieckstraße, die nach wenigen Hundert Metern zur Fahrradstraße wird. „Ich glaube, wir haben Zeit aufgeholt“, mutmaßt Ihno Gerdes, doch gefühlt nur wenige Meter später sieht das bereits anders aus.

Die Kreuzung Ring/Ostmarkstraße kostet wertvolle Sekunden, bis die Ampel endlich Grün zeigt. Und auch im weiteren Verlauf der Strecke geht die Durchschnittsgeschwindigkeit spürbar in den Keller. Andere Radfahrer sind deutlich langsamer unterwegs und aus Sicherheitsgründen nehmen die Telgter Tempo raus, denn viele Autofahrer unterschätzen die Geschwindigkeit der schnellen E-Bikes.

Die Spannung steigt, als die Vierergruppe über den Prinzipalmarkt und sein Kopfsteinpflaster dem Domplatz entgegenholpert. In Höhe des Bankhauses Lampe geschieht dann das Unglaubliche: Während die Radler vom Prinzipalmarkt aus kommend auf den Domplatz einbiegen, kommt Kada Malaj aus Richtung Fürstenberghaus angefahren. Zeitgleich sind E-Bikes und Auto am Ziel.

Unentschieden heißt es am Ende. Doch zwei Dinge halten die Beteiligten in der Schlussbesprechung fest. Zum einen haben die Radfahrer einen Weg gefahren, der vielleicht nicht der kürzeste und schnellste, dafür aber größtenteils ein landschaftlich schöner ist. Und noch eines ist zumindest der Autobesatzung aufgefallen: „Es war ganz wenig los auf den Straßen.“

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