Prozess gegen Bundeswehr-Ausbilder
Clubwirt über angeklagten Hauptfeldwebel: „Er war gehässig zu seinen Leuten“

Ahlen -

Der Prozessauftakt um einen Hauptfeldwebel aus der „Westfalen-Kaserne“ sorgt überregional für Schlagzeilen. Der Wirt des Clubheims von „Vorwärts“ Ahlen, wo die Ermittlungen ihren Anfang nahmen, war vor Gericht nicht als Zeuge geladen. Er nimmt im Gespräch mit unserer Zeitung Stellung.

Donnerstag, 15.06.2017, 11:03 Uhr

Als rund 45 Soldaten aus der „Westfalen-Kaserne“ das inoffizielle Ende ihrer Grundausbildung im „Vorwärts“-Clubheim feierten, stand Hermann Vöge (kl. Bild) hinter der Theke. Das Gehabe des Hauptfeldwebels, der nun auf der Anklagebank sitzt, hat er miterlebt.
Als rund 45 Soldaten aus der „Westfalen-Kaserne“ das inoffizielle Ende ihrer Grundausbildung im „Vorwärts“-Clubheim feierten, stand Hermann Vöge (kl. Bild) hinter der Theke. Das Gehabe des Hauptfeldwebels, der nun auf der Anklagebank sitzt, hat er miterlebt. Foto: Christian Wolff / DJK

 Beim Prozessauftakt saß er in den Zuschauerreihen. Am liebsten hätte Hermann Vöge jedoch auf dem Zeugenstuhl Platz genommen. Der Clubwirt des „Vorwärts“-Vereinsheims hat das Verhalten des Hauptfeldwebels, der am Dienstag vor dem Ahlener Amtsgericht stand, im Verlauf der Zugfeier in seinen Räumen erlebt. „Er war sehr gehässig, richtig bösartig zu seinen Leuten“, sagt Vöge im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sowas habe ich noch nicht erlebt.“

Vöge ist verwundert, dass weder er oder seine Bedienung, noch die Polizeibeamten, die am 23. November und in der darauffolgenden Nacht an der Friedrich-Ebert-Straße im Einsatz waren, vor Gericht aussagen mussten. „Ich hätte dazu schon gerne einiges gesagt“, so der Wirt.

Der angeklagte Ausbilder, der Waffen und Uniform derzeit nicht mehr tragen darf, hatte an besagtem Abend mit einem Großteil des Zuges aus der „Westfalen-Kaserne“ – etwa 45 Soldaten – den inoffiziellen Abschluss der Grundausbildung gefeiert. Wie berichtet, werden ihm nun unter anderem Nötigung, Körperverletzung und Herabwürdigung von Untergebenen vorgeworfen. So soll er an jenem Abend einer 18-Jährigen, die als einzige Frau anwesend war und eigentlich nicht dem Zug angehörte, über die Wange geleckt und gesagt haben: „Was ich angeleckt habe, ist meins.“ Einem 25-jährigen Soldaten soll er in die Genitalien geboxt, einen 19-Jährigen derart betrunken gemacht haben, dass er bewusstlos wurde und sich später übergeben musste.

Durch Herumgebrülle aufgefallen

„Das mit dem Anlecken habe ich nicht mitbekommen“, gibt Hermann Vöge zu. „Aber dass die einen Soldaten abgefüllt haben, habe ich irgendwann bemerkt. Die haben dem immer wieder Weinbrand gegeben.“ Der Pächter des Vereinsheims habe das letztlich unterbunden und gefordert, dass sich jemand darum kümmert, den Betroffenen zurück in die Kaserne zu bringen. Der stark alkoholisierte 19-Jährige sei kurz davor gewesen, das Lokal zu Fuß zu verlassen. „Ich habe den Jungs deswegen 20 Euro fürs Taxi angeboten, weil ich das nicht verantworten konnte. Der wäre nicht heile angekommen“, erinnert sich Vöge. „Der ist ja zwischenzeitlich schon eingeschlafen.“

Der Hauptfeldwebel sei unterdessen durch Herumgebrülle aufgefallen. „Der hatte so ein lautes Organ, das selbst die Musik übertönt hat“, sagt der Clubwirt. „Ich war auch 18 Monate beim Bund, aber sowas hätte ich mir nicht gefallen lassen.“ Irgendwann im Laufe des Abends habe er deswegen ein persönliches Gespräch mit dem 30-Jährigen gesucht. „Ich habe ihm gesagt, dass hier nicht herumgeschrien wird. Er hat mich daraufhin belehrt, dass seine Leute auf ihn zu hören hätten, auch wenn sie keine Uniform tragen.“

Jugendkasse verschwunden

Das sei ihm sauer aufgestoßen. „Der hat sich den ganzen Abend bedienen lassen. Immer wieder Whisky.“ Den Polizeieinsatz, der einem Streit zweier Soldaten vor dem Clubheim folgte, registrierten die Helfer im Haus nur am Rande. Gegen Mitternacht war dann Schicht. „Meine Mitarbeiterin hat dann auf Drängen noch zwei Bier herausgegeben. Die waren alkoholfrei, aber das haben die nicht mehr gemerkt.“

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Neben all den Unannehmlichkeiten warteten am Tag nach dem ausschweifenden Fest noch zwei unangenehme Überraschungen auf das Clubheim-Team: Bäume im Garten waren herausgerissen und die Jugendkasse war verschwunden. „Die Sache ist aber mittlerweile geregelt“, beschwichtigt Hermann Vöge. „Ich habe die rund 70 Euro ersetzt bekommen.“

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