Kein Sonnenbad ohne Schutz
Schwarzer und weißer Hautkrebs nehmen stark zu

Tecklenburger Land -

Jeden Tag wird in der Praxis des Ibbenbürener Hautarztes Tentrup ein Patient mit Hautkrebs operiert. Und in rund 200 Fällen jährlich handelt es sich sogar um bösartigen Hautkrebs. Ohne Sonnenschutz steigt das Risiko einer Erkrankung.

Montag, 26.06.2017, 07:36 Uhr

Immer schön schmieren: Wer in die Sonne geht, sollte auf guten Hautschutz achten.
Immer schön schmieren: Wer in die Sonne geht, sollte auf guten Hautschutz achten. Foto: dpa

Jeden Tag wird in der Praxis des Ibbenbürener Hautarztes Tentrup ein Patient mit Hautkrebs operiert. „Wir operieren sehr viel Hautkrebs“, sagt Dr. Rolf Tentrup. Und in rund 200 Fällen jährlich handele es sich sogar um bösartigen Hautkrebs. Und die zweite Hautarztpraxis in Ibbenbüren behandele eine fast genauso hohe Zahl, macht Tentrup deutlich, wie leicht die Haut massiv Schaden nehmen kann, wenn sie ungeschützt der Sonne ausgesetzt ist.

Und weil die Erkrankungen sowohl an schwarzem wie auch an weißem Hautkrebs zunehmen – das berichtet auch Dr. Tentrup – gibt es – wie vergangene Woche – alljährlich rund um den 21. Juni den Infotag zum Sonnenschutz, eine Gemeinschaftsaktion einer Vielzahl von interdisziplinären Akteuren und Organisationen.

Hautkrebs als Berufskrankheit

Das Thema Sonnenschutz ist heute aktueller denn je: Wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, dass ein Übermaß an ultravioletter Strahlung die Haut nachhaltig schädigt. Drei- bis viermal täglich haben Dr. Tentrup und seine Tochter Dr. Annika Tentrup-Köster in der Praxis mit Vorstufen von Hautkrebs zu tun. Darunter sind Berufsgruppen, die viel im Freien arbeiten wie Maurer, Gärtner oder Dachdecker. In diesen Bereichen sei Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt. Viele Sonnenbrände erhöhten das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Zwar sei die Sonne wichtig für den Menschen, wichtig für die Seele und für die Vitaminbildung, aber bei mehr als 50 Sonnenbädern ohne Sonnenschutz sei das Hautkrebsrisiko schon deutlich erhöht, so Tentrup. Sonnenschutz sei deshalb wichtig, sagt er. „Früher, als ich Kind war, hatte man höchstens Lichtschutzfaktor 2 bis 5, heute geht es um Lichtschutzfaktor 20 bis 30 auch für Erwachsene. Wenn man sich länger im Schwimmbad aufhält oder direkt in den Süden reist, der sollte besser zu Lichtschutzfaktor 50 greifen, vor allem Menschen mit heller Haut.“

Wasserfester Sonnenschutz wird oft abgerubbelt

Es gebe viele verschiedene Varianten von Sonnenschutzmitteln, unter anderem solche, die den ganzen Tag halten oder die wasserfest sind. Vor allem, wer mehrfach ins Wasser geht, solle aber besser nachcremen.

Das sagt auch Apothekerin Elke Wiesch von der Marien-Apotheke in Püsselbüren. Bei wasserfestem Sonnenschutz könne man zwar dreimal 20 Minuten ins Wasser, ohne den Schutz zu verlieren, bei extra wasserfestem Schutz sogar fünfmal 20 Minuten. Aber oft werde der Schutz beim Trockenrubbeln wieder abgerieben.

Ohren werden oft nicht eingecremt

Dr. Tentrup benennt auch die Fehler, die beim Auftragen von Sonnenschutz oft gemacht werden. Da bleibe gern mal die Haut am Bikinirand aus Angst vor Flecken am Bikini ungeschützt, gern vergessene Körperregionen seien auch Hals und Ohren, weshalb die Vorstufen von weißem Hautkrebs oft an den Ohren auftrete. Und auch Bezirke wie die Unterarme würden oft vergessen. Gefährlich sei besonders die Sonneneinstrahlung am Wasser oder im Hochgebirge.

Das Angebot an Sonnenschutzmitteln ist groß. Es gibt Lotionen für empfindliche und auch für normale Haut, es gibt reichhaltige und wasserfeste Sprays, die auch für Surfer gut geeignet sind, und für die allergische Haut gibt es Gele. „Cremogel“ hinterlasse keinen Film auf der Haut und ziehe gut ein, erläutert Katja Leyk, Pharmazeutisch-Technische Assistentin in der Marien-Apotheke Püsselbüren.

Es gebe Sonnenschutz mit chemischen oder mit mineralischen UV-Filtern. Bei Letzterem reflektiere zum Beispiel Zinkoxid die Sonnenstrahlen, sodass sie nicht in die Haut vordringen.

UV-Schutz-Kleidung

Generell rangiere der Schutz durch Schatten und Kleidung noch vor dem Sonnenschutz durch Sonnencremes, sagt Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Einige Firmen lassen mittlerweile ihre UV-Schutz-Kleidung zertifizieren. Vor allem drei Kennzeichen sind dann zu finden: Der UV-Standard 801 ist laut Verbraucherzentrale sehr aussagekräftig. Entwickelt vom Forschungsinstitut Hohenstein, beziehe sich das Kennzeichen nicht nur auf den Schutz durch den ungetragenen, neuen Stoff, sondern auch auf das gewaschene, feuchte und gedehnte Textil. Die Tester prüfen das Kleidungsstück also im Gebrauch. Die australisch-neuseeländische Norm sei das gebräuchlichste Kennzeichen. Doch sie gelte nur für neue Textilien im trockenen Zustand. Wie der Sonnenschutz beim Tragen ist, wird laut Verbraucherzentrale nicht überprüft. Der Europäische Standard berücksichtige ebenfalls ausschließlich neue, trockene Textilien.

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Schöne Bräune trotz hohen Lichtschutzfaktors

Der hohe Lichtschutzfaktor 50 werde in der Apotheke oft nachgefragt, sagt Elke Wiesch. Viele hätten aber noch die Befürchtung, weniger schnell braun zu werden, wenn sie einen hohen Lichtschutzfaktor wählen. „Der Lichtschutzfaktor gibt aber nur an, wie viel Mal länger man in der Sonne bleiben kann, ohne dabei einen Sonnenbrand zu bekommen.“

Generell wichtig sei es, sich bereits eine halbe Stunde, bevor es an den Strand geht, einzucremen. „Die Sonnenschutzcreme braucht ein bisschen Zeit, bis sie in die Haut eingezogen und der Schutz aufgebaut ist“. Und Sonnenanbeter sollten auch bedenken, welche Medikamente sie nehmen. Antibiotika oder auch Johanniskraut zum Beispiel könnten bei Sonneneinstrahlung zu Pigmentstörungen führen, so die beiden Fachfrauen in der Apotheke.

Das Thema Sonnenschutz ist Elke Wiesch bei Kleinkindern ganz besonders wichtig. Nicht nur mit Sonnencreme, sondern „auch durch Hütchen, T-Shirt oder Sonnenschirm“ sollten Eltern unbedingt aktiv werden.

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