Mein Beruf: Brenn- und Destillateurmeister Jochen Horstmann
Vom Korn zum Korn

Sendenhorst -

Seitdem das Branntweinmonopol für die Korn- und Kartoffelbrenner Geschichte ist, muss der Brenn- und Destillateurmeister Jochen Horstmann selbst sehen, wie er seinen gesamten Alkohol vermarktet und verarbeitet. Er setzt auf neue Produkte, regionale Grundstoffe und auf die Eigenvermarktung.

Montag, 24.07.2017, 06:00 Uhr

Auch das Probieren gehört dazu. Denn nur so kann Jochen Horstmann den Geschmack garantieren, den er von seinem Korn erwartet.
Auch das Probieren gehört dazu. Denn nur so kann Jochen Horstmann den Geschmack garantieren, den er von seinem Korn erwartet. Foto: Josef Thesing

Der größte Kunde ist seit einigen Jahren weg. „Vater Staat“ nennt ihn Jochen Horstmann. Seitdem das Branntweinmonopol – ein kompliziertes Konstrukt – für die Korn- und Kartoffelbrenner Geschichte ist, muss der Sendenhorster selbst sehen, wie er seinen gesamten Alkohol vermarktet und verarbeitet. „Seit 2013 darf ich so viel brennen, wie ich will“, sagt der 61-Jährige. Vorher nahm die Bundesmonopolverwaltung 70 Prozent des Jahresumsatzes an Rohalkohol ab, um diesen unter anderem selbst in der Industrie zu vermarkten. Seit 2013 ist das anders. Nach Jahren der gegenseitigen Ausgleichszahlungen ist Horstmann nun allein auf sich selbst gestellt – und darauf, dass seine rund 25 verschiedenen Produkte per Direktvermarktung in der Kundschaft ankommen.

In wenigen Wochen geht es in der Brennerei am Alten Postweg wieder rund. Dann ist die neue Kornernte eingefahren, und Horstmann, der Brennmeister und Destillateurmeister ist, kann den Rohbrand ansetzen. Die Maische wird vergoren. Heraus kommt ein Gebräu mit 86 Prozent Alkoholgehalt. Es folgt der Feinbrand, aus dem das sogenannte Rektifikat hervorgeht. Der „Klare“ ist dann wirklich klar: Fuselöle und ähnliche Nebenwirkungen sind abgetrennt, und der Alkoholgehalt liegt nun bei 96,6 Prozent. „Es bleibt nur der Ethylalkohol. Er ist das Herzstück für die Weiterverarbeitung“, erklärt Horstmann.

Die technische Errungenschaft, die Fuselöle heraustrennen zu können, war ein wichtiger Schritt in der Kornherstellung. „Früher konnte man das Fuselöl nicht extrahieren. Da waren Kopfschmerzen garantiert. Heute ist die Gefahr nicht mehr so groß“, schmunzelt der Brennmeister. „Früher“ – das war etwa Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der reine Brennprozess vom Weizen bis zum 96,6-pozentigen „reinen“ Alkohol dauert etwa 14 Tage. Wenn Horstmann sein Brennrecht von 250 000 Litern ausschöpft, hat er damit rund zehn Wochen im Jahr zu tun. In den übrigen Arbeitsmonate kreiert er neue Liköre, akquiriert Kunden und  vermarktet seine Produkte. Auch wenn „Vater Staat“ nicht mehr zur Stammkundschaft gehört, könne die Brennerei wirtschaftlich arbeiten.

Jochen Horstmann hat seine Lehre im Jahr 1972 in Beckum begonnen. 1977 ist er in Berlin Brennmeister geworden. „Das ging nur dort“, sagt er. 1985 hat er den Destillateurmeister – ebenfalls in Berlin – nachgelegt, um den Korn zu Likör weiterverarbeiten zu können.

Die Grundlage für den Korn wächst auf 40 Hektar Weizenfeldern. „Das reicht für die Eigenvermarktung“ sagt er. Das Einfahren der Ernte überlässt er heute aber anderen. Auch die Haltung von Bullen hat er aufgegeben.

Viele der landwirtschaftlichen Brennereien haben in den letzten Jahrzehnten aufgegeben. Auch in Sendenhorst. Für diese war der Korn in den landwirtschaftlich ruhigeren Wintermonaten ein Nebenerwerb. „95 Prozent der ehemaligen Brennereien hatten keine Eigenvermarktung“, sagt Horstmann. Aber eben „Vater Staat“.

Die Brennerei ist ein waschechter Familienbetrieb in der fünften Generation. Die sechste steht mit Sohn Jens bereit, der in einem Fremdbetrieb gelernt hat. Man braucht ein feines Näschen, um zu wissen, was gerade auf dem Markt gefragt ist. Gin ist derzeit in, und so widmet sich Horstmann auf der Basis von Weizenkorn, Wacholder und Zitronenauszügen nun auch diesem Hochprozentigen. „Der Beruf ist sehr kreativ“, meint der Sendenhorster. Er produziert vieles in kleinen Chargen, um flexibel zu sein.

Zudem stellt er sich – höchst erfolgreich, wie die vielen Auszeichnungen zeigen – jährlich freiwillig der unabhängigen DLG-Prüfungen. „So wird man nicht betriebsblind“, meint Horstmann. Die Regionalität der Produkte inklusive Wasser aus dem eigenen Brunnen, das in einer speziellen Anlage enthärtet wird, und Getreide vom eigenen Feld seien ein echtes Pfund. „Die großen Hersteller haben das nicht“, sagt der Brennmeister.

Hinzu kommen der Hofladen und 80 bis 100 Besuchergruppen im Jahr, die aus der Region bis zu 150 Kilometer Entfernung anreisen. Apropos Hofladen: Dieser wird auf dem Hof vergrößert und neu eingerichtet. In der Verkostungsecke haben dann 60 bis 70 Besucher Platz. Im Frühjahr 2018 soll die Einweihung erfolgen.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5031431?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker