Opferschutz - Mit der Polizei unterwegs
Wenn das Kopfkino einsetzt

Kreis Warendorf -

Die Arbeit von Andreas Schröder und Theo Pier beginnt, wenn ein Unfall passiert ist - oder ein Verbrechen verübt wurde.

Donnerstag, 03.08.2017, 09:28 Uhr

Opferschutz - Mit der Polizei unterwegs : Wenn das Kopfkino einsetzt
(Symbolbild) Foto: dpa

Die beiden Polizisten sind bei der Kreispolizei zuständig für den Opferschutz. Der Name ist etwas irreführend, Opferhilfe wäre vielleicht treffender: Die Beamten unterstützen Menschen, die Opfer einer Straftat wurden oder in einen Unfall verwickelt waren.

Andreas Schröder kümmert sich um alles, was mit Kriminalität zu tun hat. „Auch ein Taschendiebstahl mit geringer Beute kann ein einschneidendes Erlebnis für das Opfer sein“, sagt er. Der erfahrene Beamte weiß, dass nach einer Tat bei vielen Opfern das Kopfkino einsetzt: Was alles hätte passieren können! 

Auch ein Taschendiebstahl mit geringer Beute kann ein einschneidendes Erlebnis für das Opfer sein.

Andreas Schröder

Schröders Aufgabe ist es dann, zuzuhören, einfach ein offenes Ohr zu haben, aber auch die Motivation eines Täters zu erklären. Denn nicht jeder Dieb ist ein potenzieller Mörder.

Fachliche Unterstützung

Schröder ist gemeinsam mit zwei Kolleginnen von der Ermittlungsarbeit freigestellt, das Team kann sich intensiv um diejenigen kümmern, die Hilfe brauchen. Viele Opfer melden sich direkt und bitten um Unterstützung. Oder die Polizisten, die beim Einsatz vor Ort waren, sehen den Bedarf. „Bei bestimmten Straftaten werden wir aber automatisch aktiv“, sagt Schröder. Etwa bei schwerer Körperverletzung. Oder bei häuslicher Gewalt, von der es im Kreis Warendorf statistisch einen Fall pro Tag gibt.

„Wir sind keine Psychologen und das ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir bieten zweierlei Hilfe an“, sagt Schröder: Zum einen ist da der rechtliche Aspekt, etwa der Hinweis auf einen Opferanwalt für die Gerichtsverhandlung. Zum anderen gibt es die fachliche Unterstützung, die Polizei ist mit Frauenhäusern und der Suchtberatung vernetzt, aber auch mit der Traumaambulanz in Münster.

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„Häufig telefonieren wir mit den Opfern, und da wir freigestellt sind, können wir uns dafür entsprechend Zeit nehmen“, erzählt Schröder. Aber auch die Beratung vor Ort gibt es, manchmal auf neutralem Grund. 

Wir kommen ins Spiel bei ganz schweren oder tödlichen Unfällen. Und immer, wenn Kinder beteiligt sind.

Theo Pier

„Als Opfer outen will sich keiner. Deshalb kommen wir ohne Uniform und mit einem zivilen Auto“, sagt Schröder. Am Ende steht oft ein großes Dankeschön von denjenigen, denen Schröder und seine Kolleginnen geholfen haben. „Das tut sehr, sehr gut“, sagt er.

Spagat zwischen Aufgabenbereichen

Ähnliche Erfahrungen hat Theo Pier gemacht. Hauptsächlich arbeitet er in der Unfallprävention, den Opferschutz Verkehr macht er mit zwei weiteren Kollegen nebenbei. Das ist manchmal ein Spagat, denn freigestellt werden sie, anders als die Beamten im Bereich Kriminalität, für ihre Aufgaben nicht. „Wir kommen ins Spiel bei ganz schweren oder tödlichen Unfällen. Und immer, wenn Kinder beteiligt sind“, sagt Pier.

„Die Kollegen vor Ort nehmen den Unfall auf und wir kümmern uns um die Beteiligten.“ Auch um den Verursacher, denn ein Unfall passiert, anders als eine Straftat, nicht vorsätzlich. „Oft ist es so, dass die Beteiligten von der Rolle sind. Dann tauchen vielleicht plötzlich Angehörige auf“, sagt Pier.

Netzwerk der Polizei 

Mit dem PSNV-Team des DRK, das psychosoziale Unterstützung leistet, bilden sie ein Tandem. „Wir reden und begleiten“, sagt Pier. In einer zweiten Phase nach der Aufnahme liegt der Unfall als Vorgang beim Sachbearbeiter auf dem Tisch. Aus der Akte ergeben sich womöglich weitere Hinweise, ob ein Zeuge oder ein Ersthelfer Unterstützung benötigt. „Jeder Beamte braucht ein offenes Auge dafür“, sagt Pier. Wenn er und seine Kollegen kontaktiert werden, geht es darum, den richtigen Weg zu weisen. „Wir hören rein, wir gucken, wir fragen“, sagt Pier.

Oft geht es um Versicherungsfragen oder die Möglichkeit, vor Gericht eine Entschädigung zu erstreiten. Auch hier kommt wieder das Netzwerk der Polizei ins Spiel, die Beratungsstellen oder auch die Traumaambulanz. Das gilt auch für die Polizisten, die bei dem Einsatz dabei waren, vielleicht sogar als erste an der Unfallstelle. Pier und seine Kollegen sind interne Ansprechpartner, wenn es darum geht, das Erlebte zu verarbeiten.

Für Pier und Schröder hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass ihre Arbeit wichtiger wird. Denn auch andere merken, dass die Opfer von Straftaten und Unfällen mehr sind als nur Zeugen. Das wird inzwischen in vielen Bereichen deutlich. Vor den Gerichten, im Umgang der Kollegen – „an der Einstellung hat sich viel getan“, sagt Schröder.

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