Neuer Pächter für Frischemarkt in Hoetmar
Die letzte Chance für das Dorf

Hoetmar -

E „20 Prozent für das Dorf“ – diese Parole hat der Lenkungsausschuss der Dorfwerkstatt ausgegeben, um die wirtschaftliche Zukunft des Frischmarktes, den am 7. September ein neuer Pächter eröffnen wird, zu sichern. Doch es geht um mehr. Es geht um die Zukunft des Dorfes.

Mittwoch, 02.08.2017, 23:00 Uhr

Ihre volle Unterstützung sichern Josef Recker (l.) und Josef Brand (r.) Ali Accil, dem neuen Pächter des Frischmarktes in Hoetmar, zu.
Ihre volle Unterstützung sichern Josef Recker (l.) und Josef Brand (r.) Ali Avcil, dem neuen Pächter des Frischmarktes in Hoetmar, zu. Foto: Joke Brocker

„Zur Identität des Dorfes trägt ein Dorfladen ungeheuer bei“, findet Josef Brand, Lenkungsausschuss-Sprecher der Dorfwerkstatt. So ein Laden sei nicht nur Nahversorger, sondern auch Treffpunkt. Wie sehr dieser fehlt, seit im Juni der letzte Lebensmittelladen im Dorf geschlossen hat, haben die Hoetmarer schmerzlich zu spüren bekommen. „Das Dorf ist tot“, sagt Brand.

In einem echten Kraftakt ist es ihm, Josef Recker, Eigentümer der Immobilie, und dem Lieferanten, der Firma Lüning, nun gelungen, einen neuen Pächter an Land zu ziehen. Ali Avcil aus Ennigerloh stellt sich der neuen Herausforderung mit Elan. In Ennigerloh betreibt der 32-Jährige, der in der Türkei geboren wurde, in Deutschland aufwuchs und Wirtschaftsrecht studiert hat, mit seiner Familie seit sechs Jahren einen Gastronomiebetrieb, der immer weiter expandierte, und einen kleinen Lebensmittelmarkt. Auch als Caterer hat sich das Familienunternehmen einen Namen gemacht.

Bis zur Wiedereröffnung in Hoetmar am 7. September stehen noch umfangreiche Renovierungsmaßnahmen an. Erweitern lasse sich der rund 500 Quadratmeter große Markt an der Dechant-Wessing-Straße allerdings nicht, sagt Eigentümer Josef Recker, der auch als Hoetmarer „alles dazu tun“ möchte, „dass der zentrale Punkt des Dorfes wiederbelebt wird. „Baulich ist das hier alles ausgereizt.“

Nicht nur an der Optik des Frischmarktes wird gearbeitet. Der neue Pächter, der aktiv im Geschäft mitarbeiten wird und am bewährten Lieferanten festhält, hat neues Personal eingestellt, darunter eine junge Frau aus dem Dorf. Wichtig sei ihm die Kundenbindung, betont Avcil, der als ehemaliger Fußballer viele Kontakte in Hoetmar hat. Während er sich nun intensiv mit zusätzlichen Dienstleistungen auseinandersetzt, die sein Markt bieten könnte, sogar über die Einrichtung einer Café-Ecke nachdenkt, appelliert Josef Brand an die Verantwortung der Bürger: „Das ist die letzte Chance für das Dorf, wieder einen Lebensmittelmarkt zu bekommen.“ Eine Chance, die man andernorts auch gerne hätte. Etwa in Milte, wo die Bürger sich bis heute vergeblich um die Ansiedlung eines Nahversorgers bemühen. „Das Kaufverhalten“, so der pensionierte Banker, „entscheidet über den Bestand eines Marktes.“ Darum hat die Lenkungsrunde der Dorfwerkstatt nun die Parole „20 Prozent für das Dorf“ ausgegeben.

Auch ihnen sei klar, dass nicht alle Einkäufe im Dorf getätigt würden, sagen Brand, Recker und Avcil. Dennoch sollten alle Hoetmarer ihr Einkaufsverhalten – auch mit Rücksicht auf alte Menschen, die auf einen Nahversorger vor Ort angewiesen sind – überdenken und wenigstens 20 Prozent ihrer Einkäufe im Frischmarkt vor Ort tätigen. Nur so sei ein Dorfladen zu halten. „Fünf Kilometer fahren, um drei Euro zu sparen“, findet Ali Avcil, „das wäre für die Zukunft fatal.“

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Anregungen zu Öffnungszeiten, Sortiment und Sonstigem bitte über Josef Brand, '  7624 oder josef.brand54@web.de.

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