Gift im Honig macht Imkern zu schaffen
Jakobskreuzkraut bereitet von Jahr zu Jahr mehr Probleme

Münsterland -

Die starke Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts erschwert Imkern die Gewinnung von Honig ohne Gift. Das hat ein Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Nach seinen Angaben nimmt die Belastung durch das Kraut zu. Die Pflanze breitet sich Jahr für Jahr weiter aus. Deswegen sammeln die Insekten den giftigen Nektar häufiger auf.

Montag, 07.08.2017, 12:07 Uhr

Das Jakobskreuzkraut sorgt für Ärger bei Imkern.
Das Jakobskreuzkraut sorgt für Ärger bei Imkern. Foto: dpa

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist der Verzehr zwar unbedenklich. Dafür ist die Menge des Gifts noch zu gering. Trotzdem gehen die Imker auf Nummer sicher: Sie lassen nach Angaben des Kreisimkervereins Münster ihre Honigernten regelmäßig kontrollieren. So wollen sie sicherstellen, dass die Menge der giftigen Alkaloide im Honig bestimmte Grenzwerte nicht überschreitet.

Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts

Mit der Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts haben die Imker besonders in Brachlandschaften, auf Weiden und an Straßen- und Wegrändern zu kämpfen. Diese Bereiche bieten optimale Standortbedingungen für das Unkraut, dort verbreitet es sich enorm.

Dabei steuern Bienen die goldgelben Blüten für gewöhnlich gar nicht an. Sie sind laut Naturschutzbund lediglich die „Nektarquelle zweiter Wahl“. Dennoch: Wenn nötig, stellen betroffene Imker ihre Bienenstöcke in anderen Gebieten auf. Ein Mindestabstand von fünf Kilometern sei erforderlich, damit Bienen nicht auf die giftige Pflanze zurückgreifen, erklärt Verena Kämmerling vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV).

Gefahr für Weidetiere wie Rinder und Pferde

Eine ernsthafte Gefahr für Weidetiere wie Rinder und Pferde bestehe übrigens durchaus. Davor warnt die Landwirtschaftskammer ausdrücklich. Im Gegensatz zu Schafen und Ziegen seien die beiden Tierarten schon bei geringen Einnahmen lebensgefährdet. Die Broschüren betonen: „Bei der Heunutzung tritt ein weiteres Problem auf. Die den Verbiss verhindernden Bitterstoffe bauen sich bei der Trocknung ab. Die Giftstoffe bleiben jedoch.“

Das rät der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband

Um das Jakobskreuzkraut so gut es geht, loszuwerden, empfiehlt die Landwirtschaftskammer NRW, die Pflanzen erst kurz vor ihrer Blütezeit Ende Juni bis September zu mähen und wenn möglich komplett auszustechen. So seien sie geschwächter als im Frühling. Regelmäßige Weidepflege sei sehr wichtig in Form von wiederholter Nachmahd und Nachsaat der Lücken, die beim Ausstechen der Pflanze entstanden sind. Sogar nach Entfernung samt Wurzel bilden die Blüten noch Samen. Daher sollte das Unkraut bis zur Abfallentsorgung in geschlossenen Säcken aufbewahrt werden, rät der WLV.

Münster kommt nach Angaben des Kreisimkervereins gut gegen die Ausbreitung des giftigen Krautes an. „Die Stadt hat sehr gute Arbeit geleistet und fleißig gemäht“, lobte der Vereinsvertreter Klaus Höse.

Kritik

Verena Kämmerling vom WLV sieht das anders: Mitschuldtragende seien die Kommunen, aufgrund mangelnder Mahd öffentlicher Grünflächen, das sei „ärgerlich, weil es einen höheren Pflegeaufwand für die Landwirte bedeutet“.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5060780?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Nachrichten-Ticker